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Bildung

Die Melodie eines guten Unterrichts

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Die Töne zwischen Bildungsministerium und Lehrergewerkschaft werden immer missstimmiger. Die neue Lehrer-Plattform "ProfsPro" hat genug davon und will andere Klänge anschlagen.

"Wir sind nicht die Guten und keine Wunderwuzzis", stellt Daniel Landau gleich mal klar. Mit so vereinfachenden Schwarz-Weiß-Schablonen - hier die bösen Lehrer-Gewerkschafter, dort die braven Lehrer der neuen Plattform - kann der Mathematik- und Musik-Lehrer am Evangelischen Gymnasium in Wien schon gar nichts anfangen. Genauso wenig wie mit dem öffentlichen Stundenzählen, wenn es um die Lehrer-Arbeitszeit geht. "Bei dieser Diskussion wird mir schlecht", gesteht der 44-jährige Pädagoge. Landau ist zwar auch gegen die geplanten zwei Stunden Mehrarbeit in den Klassen, aber seiner Meinung nach wird durch diesen Streit die Diskussion verengt und geht in eine falsche Richtung. Und das gründlich.

Der aktuelle Streit um zwei zusätzliche Unterrichtsstunden war für ihn und einer "kleinen, aber feinen" Kollegengruppe offenbar der eine Ärger zu viel. Anstatt nur zu lamentieren, gründeten sie Ende März die Plattform "ProfsPro" für Lehrende und Bildungsinteressierte, um einen tiefergreifenden Reformprozess einzufordern, ihn aktiv mitzugestalten und das ramponierte Image des Lehrberufs wieder aufzupolieren.

"Ein kleiner Beitrag"

Am Anfang der Initiative stand aber eine kurze Irritation. Erste Reaktionen witterten einen Gegenspieler zur Lehrer-Gewerkschaft. "Die Gewerkschaft macht ihren Job, die Plattform einen anderen; wir arbeiten nicht dagegen", wehrt Landau ab. Und sie würden auch keinesfalls deklarierte Schmied-Fans sein; auch wenn man ihr attestiert, den "Weg vorwärts beschreiten zu wollen". Niemand habe sie aufgefordert, die Plattform zu gründen, es sei eine rein private Initiative. Zwischen den beiden Seiten vermitteln, das wolle man aber schon. Vielleicht könne man dabei einen kleinen Beitrag leisten, so Landau optimistisch: Dass die Plattform eine größere Wirkung haben werde, glaube man aber nicht, so vermessen sei man nicht. Das klargestellt, kann sich Landau, übrigens der Bruder des Wiener Caritas Direktors Michael Landau, dem widmen, was ihm unter den Nägeln brennt: der festgefahrenen Bildungsdiskussion und möglichen Auswegen aus der Sackgasse. Zuallererst müsse die emotional aufgeladene Diskussion wieder versachlicht werden, fordert Landau. Es müsste abseits des "tagespolitischen Geplänkels" konstruktiv über eine tiefgreifende Bildungsreform diskutiert werden. Lehrer und Lehrerinnen könnten auf der Plattform Anregungen dafür deponieren, zum Beispiel zu einem neuen Besoldungs- und Arbeitsrecht. Längerfristig sollte dies in einen Forderungskatalog münden, der dem Bildungsministerium übergeben werden soll.

Aber zu weit in die Zukunft will Landau nicht blicken. Die Initiative entwickelt sich sozusagen im Gehen. Einen spontanen Lösungsvorschlag für den aktuellen Streit will Landau daher nicht formulieren. Verhandeln tue die Gewerkschaft. In Vorbereitung sei eine Diskussionsveranstaltung. Es müsse ein konstruktiver Dialog entstehen. Auch, was das schlechte Lehrer-Image betrifft. Die Plattform träumt von einer Imagekampagne, um ein reales Bild des Lehrberufs zu zeichnen, erklärt der Plattform-Mitbegründer. Dass große Teile der Bevölkerung schlecht über Lehrer und deren Arbeitseifer denken, hat Landau "schockiert, aber nicht überrascht". "Die Lehrer sind in einer unangenehmen Verteidigungsposition. Aus so einer Position heraus kann man nicht offensiv Bildung betreiben. Es soll nicht defensiv heißen: Wir Lehrer sind aber eh gut. Sondern: Wir sind gut, wir machen gute Arbeit. Wir wollen mitgestalten und leisten einen Beitrag, dass sich junge Menschen positiv entwickeln und sich ihrer selbst bewusst werden. Wir dürfen aber nicht anfangen, uns für Stunden zu rechtfertigen. Das ist eine grausliche Debatte."

Und wie ist das mit den eher schlechten Lehrern, von denen viele Zeitgenossen ein Lied singen könnten? Sind diese Wenigen nicht diejenigen, die das schlechte Image nachhaltig prägen und die gute Arbeit der vielen anderen in den Schatten stellen? Landau will das nicht glauben. Diese negativen Erfahrungen könne er nicht teilen, versichert er mit Blick auf seine Schulzeit. "Wir haben auch Lehrer in manchen Momenten abgelehnt, aber später hat sich meist gezeigt, dass wir doch viel bei ihnen gelernt haben." Er selbst unterrichte für sein Leben gern, sagt er. Schon als Kind war Lehrer sein Traumberuf. Er ist es dennoch erst über den Umweg eines Wirtschaftsstudiums geworden. Das Umfeld könne ermüdend sein, die Schüler selten. Menschen würden ihn faszinieren. Landau hat eine Lehrverpflichtung im Ausmaß von 16 Wochenstunden - de facto aber um einiges mehr. Lehrer sei ein Sozialberuf, die Leistung könne nicht nach Stunden abgerechnet werden. Schwierige Schüler, oder präziser: komplexe Persönlichkeiten, wie Landau sagt, habe es immer schon gegeben. Die Anforderungen hätten sich eben geändert. Was ihm auffällt: "Jugendliche können sich weniger lang konzentrieren, übrigens Erwachsene auch." Mehr Unterstützung von Schulpsychologen wäre hilfreich. Sein Motto, mit dem er bisher gut gefahren sei: gegenseitige Wertschätzung und Respekt, was aber nicht heißt, keine Grenzen und Kanten aufzuzeigen.

"Hilft nicht, schadet nicht"

Der Grundsatz könnte auch den verhärteten Verhandlungen zwischen Bildungsministerium und Lehrer-Vertretern guttun. Hier würde sich die Plattform als neutrale Arena im hitzigen Konflikt anbieten, sagt Landau. Bildungsministerin Schmied weiß das zu schätzen. Sie sehe die Plattform sehr positiv, wie der Sprecher der Ministerin betont. Die Plattform würde sich aktiv einbringen, und nicht nur einfach Nein sagen. Sie könnte Input-Geber sein.

Der Chef der Pflichtschullehrergewerkschaft, Walter Riegler, sieht die Plattform nüchterner: Sie hilft nicht, sie schadet nicht. Die Plattform befinde sich auf einer ganz anderen Ebene: Hier wird verhandelt, dort diskutiert. Aber nur zögerlich, wie auch Landau einräumt, würden sich neue Sympathisanten in die Unterschriftenliste eintragen oder Vorschläge zur Bildungsreform senden. Die Hauptkontrahenten seien eben andere, und auch die Ventile für den Ärger der Lehrer. Noch. Aber das Interesse an der Plattform sei rege, versichert Landau.

Den konstruktiven Dialog, den "ProfsPro" fordert, vermissen zwar viele Lehrer, aber momentan scheint tatsächlich alles auf eine Frage verengt: zwei Stunden mehr oder nicht.

Die Töne zwischen Bildungsministerium und Lehrergewerkschaft werden immer missstimmiger. Die neue Lehrer-Plattform "ProfsPro" hat genug davon und will andere Klänge anschlagen.

"Wir sind nicht die Guten und keine Wunderwuzzis", stellt Daniel Landau gleich mal klar. Mit so vereinfachenden Schwarz-Weiß-Schablonen - hier die bösen Lehrer-Gewerkschafter, dort die braven Lehrer der neuen Plattform - kann der Mathematik- und Musik-Lehrer am Evangelischen Gymnasium in Wien schon gar nichts anfangen. Genauso wenig wie mit dem öffentlichen Stundenzählen, wenn es um die Lehrer-Arbeitszeit geht. "Bei dieser Diskussion wird mir schlecht", gesteht der 44-jährige Pädagoge. Landau ist zwar auch gegen die geplanten zwei Stunden Mehrarbeit in den Klassen, aber seiner Meinung nach wird durch diesen Streit die Diskussion verengt und geht in eine falsche Richtung. Und das gründlich.

Der aktuelle Streit um zwei zusätzliche Unterrichtsstunden war für ihn und einer "kleinen, aber feinen" Kollegengruppe offenbar der eine Ärger zu viel. Anstatt nur zu lamentieren, gründeten sie Ende März die Plattform "ProfsPro" für Lehrende und Bildungsinteressierte, um einen tiefergreifenden Reformprozess einzufordern, ihn aktiv mitzugestalten und das ramponierte Image des Lehrberufs wieder aufzupolieren.

"Ein kleiner Beitrag"

Am Anfang der Initiative stand aber eine kurze Irritation. Erste Reaktionen witterten einen Gegenspieler zur Lehrer-Gewerkschaft. "Die Gewerkschaft macht ihren Job, die Plattform einen anderen; wir arbeiten nicht dagegen", wehrt Landau ab. Und sie würden auch keinesfalls deklarierte Schmied-Fans sein; auch wenn man ihr attestiert, den "Weg vorwärts beschreiten zu wollen". Niemand habe sie aufgefordert, die Plattform zu gründen, es sei eine rein private Initiative. Zwischen den beiden Seiten vermitteln, das wolle man aber schon. Vielleicht könne man dabei einen kleinen Beitrag leisten, so Landau optimistisch: Dass die Plattform eine größere Wirkung haben werde, glaube man aber nicht, so vermessen sei man nicht. Das klargestellt, kann sich Landau, übrigens der Bruder des Wiener Caritas Direktors Michael Landau, dem widmen, was ihm unter den Nägeln brennt: der festgefahrenen Bildungsdiskussion und möglichen Auswegen aus der Sackgasse. Zuallererst müsse die emotional aufgeladene Diskussion wieder versachlicht werden, fordert Landau. Es müsste abseits des "tagespolitischen Geplänkels" konstruktiv über eine tiefgreifende Bildungsreform diskutiert werden. Lehrer und Lehrerinnen könnten auf der Plattform Anregungen dafür deponieren, zum Beispiel zu einem neuen Besoldungs- und Arbeitsrecht. Längerfristig sollte dies in einen Forderungskatalog münden, der dem Bildungsministerium übergeben werden soll.

Aber zu weit in die Zukunft will Landau nicht blicken. Die Initiative entwickelt sich sozusagen im Gehen. Einen spontanen Lösungsvorschlag für den aktuellen Streit will Landau daher nicht formulieren. Verhandeln tue die Gewerkschaft. In Vorbereitung sei eine Diskussionsveranstaltung. Es müsse ein konstruktiver Dialog entstehen. Auch, was das schlechte Lehrer-Image betrifft. Die Plattform träumt von einer Imagekampagne, um ein reales Bild des Lehrberufs zu zeichnen, erklärt der Plattform-Mitbegründer. Dass große Teile der Bevölkerung schlecht über Lehrer und deren Arbeitseifer denken, hat Landau "schockiert, aber nicht überrascht". "Die Lehrer sind in einer unangenehmen Verteidigungsposition. Aus so einer Position heraus kann man nicht offensiv Bildung betreiben. Es soll nicht defensiv heißen: Wir Lehrer sind aber eh gut. Sondern: Wir sind gut, wir machen gute Arbeit. Wir wollen mitgestalten und leisten einen Beitrag, dass sich junge Menschen positiv entwickeln und sich ihrer selbst bewusst werden. Wir dürfen aber nicht anfangen, uns für Stunden zu rechtfertigen. Das ist eine grausliche Debatte."

Und wie ist das mit den eher schlechten Lehrern, von denen viele Zeitgenossen ein Lied singen könnten? Sind diese Wenigen nicht diejenigen, die das schlechte Image nachhaltig prägen und die gute Arbeit der vielen anderen in den Schatten stellen? Landau will das nicht glauben. Diese negativen Erfahrungen könne er nicht teilen, versichert er mit Blick auf seine Schulzeit. "Wir haben auch Lehrer in manchen Momenten abgelehnt, aber später hat sich meist gezeigt, dass wir doch viel bei ihnen gelernt haben." Er selbst unterrichte für sein Leben gern, sagt er. Schon als Kind war Lehrer sein Traumberuf. Er ist es dennoch erst über den Umweg eines Wirtschaftsstudiums geworden. Das Umfeld könne ermüdend sein, die Schüler selten. Menschen würden ihn faszinieren. Landau hat eine Lehrverpflichtung im Ausmaß von 16 Wochenstunden - de facto aber um einiges mehr. Lehrer sei ein Sozialberuf, die Leistung könne nicht nach Stunden abgerechnet werden. Schwierige Schüler, oder präziser: komplexe Persönlichkeiten, wie Landau sagt, habe es immer schon gegeben. Die Anforderungen hätten sich eben geändert. Was ihm auffällt: "Jugendliche können sich weniger lang konzentrieren, übrigens Erwachsene auch." Mehr Unterstützung von Schulpsychologen wäre hilfreich. Sein Motto, mit dem er bisher gut gefahren sei: gegenseitige Wertschätzung und Respekt, was aber nicht heißt, keine Grenzen und Kanten aufzuzeigen.

"Hilft nicht, schadet nicht"

Der Grundsatz könnte auch den verhärteten Verhandlungen zwischen Bildungsministerium und Lehrer-Vertretern guttun. Hier würde sich die Plattform als neutrale Arena im hitzigen Konflikt anbieten, sagt Landau. Bildungsministerin Schmied weiß das zu schätzen. Sie sehe die Plattform sehr positiv, wie der Sprecher der Ministerin betont. Die Plattform würde sich aktiv einbringen, und nicht nur einfach Nein sagen. Sie könnte Input-Geber sein.

Der Chef der Pflichtschullehrergewerkschaft, Walter Riegler, sieht die Plattform nüchterner: Sie hilft nicht, sie schadet nicht. Die Plattform befinde sich auf einer ganz anderen Ebene: Hier wird verhandelt, dort diskutiert. Aber nur zögerlich, wie auch Landau einräumt, würden sich neue Sympathisanten in die Unterschriftenliste eintragen oder Vorschläge zur Bildungsreform senden. Die Hauptkontrahenten seien eben andere, und auch die Ventile für den Ärger der Lehrer. Noch. Aber das Interesse an der Plattform sei rege, versichert Landau.

Den konstruktiven Dialog, den "ProfsPro" fordert, vermissen zwar viele Lehrer, aber momentan scheint tatsächlich alles auf eine Frage verengt: zwei Stunden mehr oder nicht.