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Morgen, Lehrer, wird's was geben

Schule - © Fotos: Carolina Frank
Bildung

Lehrer-App: „Schulen sind keine Hotels!“

1945 1960 1980 2000 2020

Per Handschrift oder digital, offen oder anonym – wie dürfen Jugendliche ihre Lehrkräfte bewerten? Eine Debatte über eine zeitgemäße Feedback-Kultur, schwarze Schafe und rotzfreche Kinder.

1945 1960 1980 2000 2020

Per Handschrift oder digital, offen oder anonym – wie dürfen Jugendliche ihre Lehrkräfte bewerten? Eine Debatte über eine zeitgemäße Feedback-Kultur, schwarze Schafe und rotzfreche Kinder.

Ein streitbarer Schuldirektor, ein ehemaliger Bundesschulsprecher und heutiger Jus-Student und eine Organisationsberaterin, die jetzt für die NEOS im Nationalrat sitzt – drei Personen, die unterschiedlicher nicht sein könnten, haben sich mit DER FURCHE im „Prückel“ getroffen, um über die aktuellen Ereignisse rund um Bewertungs-Apps, Schulqualitätsprüfungen und Lehrer-Rankings zu diskutieren. Einig waren sich die Diskutanten, dass es an Schulen mehr Kommunikation auf Augenhöhe braucht. Einen Konsens darüber zu finden, wie dieses Ziel umgesetzt werden soll, war schon schwieriger.

DIE FURCHE: Aufreger-Thema Nummer eins, wenn es in jüngster Vergangenheit um Schule ging: die Lehrer-App. Warum hat sie die Gemüter so dermaßen erregt?
Nikolaus Glattauer: Eine Schule ist kein Hotel, wo man das Essen, das Bett, den Service mit Sternen beurteilen kann. Schule heißt in erster Linie Partnerschaft, Lehrer sind Lebensabschnittspartner und keine Dienstleister. Wenn die Beziehung im Vordergrund steht, darf man nicht ranken.
Harald Zierfuß: Die Tatsache, dass man Lehrpersonal in einer App Feedback geben konnte, stört mich grundsätzlich nicht. Es war eher die Tatsache, wie dabei vorgegangen worden ist. Besonders problematisch fand ich, dass auch jene User mitbewerten konnten, die gar nicht von dem betroffenen Lehrer unterrichtet werden bzw. worden sind.
Martina Künsberg Sarre: Die Beurteilung via App ist auf jeden Fall viel zu einseitig und subjektiv. Aber die Aufregung darum hat auch eine gute Seite: Sie hat sichtbar gemacht, dass es an Österreichs Schulen Bedarf nach mehr Feedback gibt.

DIE FURCHE: Die Forderung, an Österreichs Schulen eine Feedback-Kultur zu etablieren wird immer lauter. Warum gibt es das eigentlich nicht schon längst?
Glattauer: In der österreichischen Tradition ist es nicht üblich, dass die Arbeit von Lehrerinnen und Lehrern begutachtet wird. Das finden manche als Amtsanmaßung.
Künsberg Sarre: Das System Schule sieht wechselseitiges Feedback nicht verpflichtend vor. Wir NEOS fordern seit Jahren die Einführung von Feedback-Systemen.
Zierfuß: Tatsächlich gibt es schon an einigen Schulen Feedbackbögen. Aber solange der Schüler nicht sicher sein kann, ob er nicht doch identifiziert wird, etwa durch seine Handschrift, wird er sich davor hüten, ernsthaft kritisch zu sein.
Künsberg Sarre: Feedback kann man nicht einfach so einfordern oder versuchen einer Schule überzustülpen. Dafür braucht es Experten, die das professionell einführen. Die müssen glaubhaft vermitteln, dass man vor einer Rückmeldung nicht Angst haben muss – weder der Lehrer noch der Schüler. Es gilt, Feedback als Geschenk betrachten, nicht als Abwertung.
Zierfuß: Die Rückmeldung muss trotzdem anonym und digital stattfinden können. Nur so ist es für den Schüler gewährleis­tet, dass seine Bewertung keine negativen Konsequenzen für ihn hat.
Glattauer: Einspruch! Je anonymer so ein Feedback sein muss, desto mehr spricht es gegen eine gute Kultur an der Schule. Wenn Kinder Angst haben müssen, dass ihre Schrift erkannt wird, dann regiert Furcht an der Schule. Das ist genau falsch. Aber ich weiß natürlich, dass es diese Schulen in Österreich gibt ...
Künsberg Sarre: Und genau dort ist anonymes Feedback sinnvoll.
Zierfuß: Ich denke, das Dilemma lässt sich nur durch ein 360-Grad-Feedback (aus unterschiedlichen Perspektiven, quer durch die Hierarchien, Anmerkung der Redaktion) auflösen. Also indem nicht nur zwischen Schülern und Lehrern rückgemeldet wird, sondern allen Ebenen, auch der Bildungsdirektion, Feedback gegeben werden kann.
Glattauer: Gleichzeitig werden bei dieser Diskussion offene Türen eingerannt. Seit dem Reformpaket haben wir Schulqualitätsmanager, sogenannte SQMs (die neue Bezeichnung für die Schulaufsicht, Anmerkung der Redaktion). Die haben die Verpflichtung, die Schulqualität zu steigern und die Schulkultur zu fördern. Dafür ist doch diese Position – unter anderem – extra geschaffen worden.

Ein streitbarer Schuldirektor, ein ehemaliger Bundesschulsprecher und heutiger Jus-Student und eine Organisationsberaterin, die jetzt für die NEOS im Nationalrat sitzt – drei Personen, die unterschiedlicher nicht sein könnten, haben sich mit DER FURCHE im „Prückel“ getroffen, um über die aktuellen Ereignisse rund um Bewertungs-Apps, Schulqualitätsprüfungen und Lehrer-Rankings zu diskutieren. Einig waren sich die Diskutanten, dass es an Schulen mehr Kommunikation auf Augenhöhe braucht. Einen Konsens darüber zu finden, wie dieses Ziel umgesetzt werden soll, war schon schwieriger.

DIE FURCHE: Aufreger-Thema Nummer eins, wenn es in jüngster Vergangenheit um Schule ging: die Lehrer-App. Warum hat sie die Gemüter so dermaßen erregt?
Nikolaus Glattauer: Eine Schule ist kein Hotel, wo man das Essen, das Bett, den Service mit Sternen beurteilen kann. Schule heißt in erster Linie Partnerschaft, Lehrer sind Lebensabschnittspartner und keine Dienstleister. Wenn die Beziehung im Vordergrund steht, darf man nicht ranken.
Harald Zierfuß: Die Tatsache, dass man Lehrpersonal in einer App Feedback geben konnte, stört mich grundsätzlich nicht. Es war eher die Tatsache, wie dabei vorgegangen worden ist. Besonders problematisch fand ich, dass auch jene User mitbewerten konnten, die gar nicht von dem betroffenen Lehrer unterrichtet werden bzw. worden sind.
Martina Künsberg Sarre: Die Beurteilung via App ist auf jeden Fall viel zu einseitig und subjektiv. Aber die Aufregung darum hat auch eine gute Seite: Sie hat sichtbar gemacht, dass es an Österreichs Schulen Bedarf nach mehr Feedback gibt.

DIE FURCHE: Die Forderung, an Österreichs Schulen eine Feedback-Kultur zu etablieren wird immer lauter. Warum gibt es das eigentlich nicht schon längst?
Glattauer: In der österreichischen Tradition ist es nicht üblich, dass die Arbeit von Lehrerinnen und Lehrern begutachtet wird. Das finden manche als Amtsanmaßung.
Künsberg Sarre: Das System Schule sieht wechselseitiges Feedback nicht verpflichtend vor. Wir NEOS fordern seit Jahren die Einführung von Feedback-Systemen.
Zierfuß: Tatsächlich gibt es schon an einigen Schulen Feedbackbögen. Aber solange der Schüler nicht sicher sein kann, ob er nicht doch identifiziert wird, etwa durch seine Handschrift, wird er sich davor hüten, ernsthaft kritisch zu sein.
Künsberg Sarre: Feedback kann man nicht einfach so einfordern oder versuchen einer Schule überzustülpen. Dafür braucht es Experten, die das professionell einführen. Die müssen glaubhaft vermitteln, dass man vor einer Rückmeldung nicht Angst haben muss – weder der Lehrer noch der Schüler. Es gilt, Feedback als Geschenk betrachten, nicht als Abwertung.
Zierfuß: Die Rückmeldung muss trotzdem anonym und digital stattfinden können. Nur so ist es für den Schüler gewährleis­tet, dass seine Bewertung keine negativen Konsequenzen für ihn hat.
Glattauer: Einspruch! Je anonymer so ein Feedback sein muss, desto mehr spricht es gegen eine gute Kultur an der Schule. Wenn Kinder Angst haben müssen, dass ihre Schrift erkannt wird, dann regiert Furcht an der Schule. Das ist genau falsch. Aber ich weiß natürlich, dass es diese Schulen in Österreich gibt ...
Künsberg Sarre: Und genau dort ist anonymes Feedback sinnvoll.
Zierfuß: Ich denke, das Dilemma lässt sich nur durch ein 360-Grad-Feedback (aus unterschiedlichen Perspektiven, quer durch die Hierarchien, Anmerkung der Redaktion) auflösen. Also indem nicht nur zwischen Schülern und Lehrern rückgemeldet wird, sondern allen Ebenen, auch der Bildungsdirektion, Feedback gegeben werden kann.
Glattauer: Gleichzeitig werden bei dieser Diskussion offene Türen eingerannt. Seit dem Reformpaket haben wir Schulqualitätsmanager, sogenannte SQMs (die neue Bezeichnung für die Schulaufsicht, Anmerkung der Redaktion). Die haben die Verpflichtung, die Schulqualität zu steigern und die Schulkultur zu fördern. Dafür ist doch diese Position – unter anderem – extra geschaffen worden.

Man kann auch Beziehungen nicht ranken. Oder fragen wir als Nächstes: Wer sind die besten Eltern?

Nikolaus Glattauer
Schule - © Fotos: Carolina Frank

Nikolaus Glattauer

Nikolaus Glattauer ist Schuldirektor vom „Sonderpädagogischen Zentrum Rosasgasse“ in Wien-Meidling und schreibt regelmäßig Kolumnen und Bücher zu Bildungsthemen.

Nikolaus Glattauer ist Schuldirektor vom „Sonderpädagogischen Zentrum Rosasgasse“ in Wien-Meidling und schreibt regelmäßig Kolumnen und Bücher zu Bildungsthemen.

DIE FURCHE: Besonders erfolgreich scheinen die SQMS nicht zu sein.
Glattauer: Die Reform ist noch ganz neu. Aber die Diskussion um die App hat sicher bewirkt, dass wieder daran erinnert wird, wie wichtig konstruktive Rückmeldungsmethoden sind. Obwohl ich betonen möchte, wie untauglich ich die App abgesehen davon halte.
Künsberg Sarre: Gleichzeitig ist es nicht überraschend, dass eine solche App eines Tages kommt. Seitens der Schüler besteht der Wunsch, sich mitzuteilen. Das muss man ernst nehmen.
Zierfuß: Das glaube ich auch. Ich bin dafür, dass Feedback verpflichtend an Österreichs Schulen gemacht werden muss. Das wäre jetzt tatsächlich die Aufgabe vom Ministerium. Dort müsste ein geeignetes Tool geschaffen werden. Das muss nicht zwangsläufig der Schulqualitätsmanager machen, wie Direktor Glattauer fordert.
Glattauer: Natürlich! Wer sonst? Der SQM soll sich nach einer Qualitätsüberprüfung mit dem jeweiligen Schulleiter zusammensetzen und besprechen, was man an der Schule verbessern kann. Das ist sein Job. Dann muss es ein Konzept geben, das umgesetzt und überprüft wird.
Zierfuß: Feedback soll ja vor allem eine Rückmeldung dem Lehrer selbst geben. Das heißt: Es muss in erster Linie bei ihm ankommen. Es darum, dass er an sich selbst arbeitet. Nur mit Vorschriften alleine wird das nicht funktionieren. Der Erfolg des Bildungssystems hängt davon ab, wie motiviert die Pädagogen sind. Ein Feedback-Bogen, der am Ende in der Schublade landet, bringt niemandem etwas.
Künsberg Sarre: Feedback muss zunächst einmal professionell in das System eingeführt werden. Überall, wo Hierachien sind, gilt es diesbezüglich, behutsam vorzugehen.
Glattauer: Das wird sich aber auch von Schule zu Schule unterscheiden müssen. Es ist ein Unterschied, ob ich an einer kleinen Schule am Land bin, wo die Eltern den Lehrer kennen, der selbst vielleicht auch noch bei der Freiwilligen Feuerwehr ist etc. Oder ob ich an einer Riesenschule in Wien bin. Dort wird man einen anderen Modus finden müssen. Auch sind Schüler nicht gleich Schüler. An meiner Schule sind viele Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf. Die müssen ganz anders rückmelden können als jene an einer Oberstufe, wo lauter herangehende Akademiker unterrichtet werden und der Leistungsdruck
enorm hoch ist.

DIE FURCHE: Je höher der Leistungsdruck, desto schwieriger wird Feedback?
Glattauer: Natürlich. Unsere Kinder reden einfach drauf los, wenn ihnen was nicht passt. Die verspüren wenig Druck, etwas geheim halten zu müssen.
Zierfuß: Das Gespräch zwischen Lehrer und Schüler sollte immer nur in zweiter Instanz sein. Die Autorität des Lehrers kann verhindern, dass Schüler immer ehrlich sind. Deshalb kann Feedback in erster Instanz nur anonym und digital stattfinden. Danach ist ein Gespräch definitiv sinnvoll.
Glattauer: An meiner Schule würde das eben nicht funktionieren, weil meine Schüler damit überfordert wären. Das trifft übrigens auf viele Schulen zu. Etwa in der Sekundarstufe I, in Ballungsräumen mit hohem Migrationsanteil. Die Schüler dort haben aber auch ein Recht auf Feedback.
Künsberg Sarre: Je nach Schule und Schulstufen braucht es andere Methoden. Ganz klar. Dennoch kommen wir nicht drumherum, Feedback als fixen Bestandteil an Schulen zu etablieren. Am besten das von den Neos vorgeschlagene 360-Grad-Feedback.

DIE FURCHE: Manche Stimmen geben zu bedenken, dass Heranwachsende nicht reflektiert genug rückmelden. Einige Lehrer fürchten auch, ihre Schüler würden die Ebenen vermischen. Laufen Pädagogen Gefahr, als Rache für schlechte Noten Negativ-Feedback zu kassieren?
Zierfuß: Das ist ein Dilemma. Ich denke das lässt sich nur lösen, wenn Feedback breiter aufgestellt wird und sich nicht in einem Austausch zwischen Schülern und Lehrern erschöpft.
Künsberg Sarre: Feedback zu geben, Feedback zu bekommen, das ist nicht trivial und muss erst gelehrt und gelernt werden.
Glattauer: Ohne gegenseitiges Vertrauen geht es nicht. Das aufzubauen ist auch Sache der Direktion. Eine Atmosphäre der Angst ist Gift.

Schule - © Fotos: Carolina Frank

Martina Künsberg Sarre

Die Organisationsberaterin Martina Künsberg Sarre ist Bildungssprecherin der „NEOS“ und seit Oktober 2019 Abgeordnete im Nationalrat.

Die Organisationsberaterin Martina Künsberg Sarre ist Bildungssprecherin der „NEOS“ und seit Oktober 2019 Abgeordnete im Nationalrat.

In eine Schockstarre zu verfallen, das bringt niemandem etwas. Akteure, die den Zustand erhalten wollen, sind kontraproduktiv.

Martina Künsberg Sarre

DIE FURCHE: Laut Lehrergewerkschaft vergreifen sich die Kinder den Pädagogen gegenüber zunehmend im Ton.
Glattauer: Alle Varianten sind denkbar. Es ist tatsächlich so, dass der Ton den Lehrern gegenüber immer ärger wird, und umgekehrt ist der Ton, den die Lehrer gegenüber den Kindern haben, oft nicht mehr zeitgemäß. Dass ist natürlich auch wieder abhängig von der Schule. In der Oberstufe müssen die Burschen und Mädchen eher Angst haben, in einem zu hierarchischen System zu landen und trauen sich wenig, den Lehrern Feedback zu geben. Und in der Pflichtschule ist es eher so, dass die Schüler sich zu viel herausnehmen. Beide Fehlentwicklungen gibt es. Parallel.
Künsberg Sarre: Es gibt bei den Lehrern ein paar schwarze Schafe und auch unter den Kindern solche, die für die Pädagogen vom Verhalten her eine Herausforderung sind. Aber deshalb in eine Schockstarre zu verfallen, das bringt niemanden etwas. Ich bin deshalb dafür, etwas zu tun. Damit man sich weiterentwickeln kann. Akteure, die den Zustand erhalten wollen, sind dabei kontraproduktiv.

DIE FURCHE: Stichwort „schwarze Schafe“. Wie schwer oder leicht ist es heutzutage, sich von den Lehrern zu trennen, die ganz offensichtlich ungeeignet sind?
Zierfuß: Das sieht man an der Tatsache, dass es kaum passiert. Das kann natürlich ganz unterschiedliche Gründe haben. Zum Beispiel gibt es leider ohnehin zu wenig Lehrpersonen, weil der Beruf gerade durch die öffentliche Debatte immer unattraktiver wird.
Glattauer: Dass einige Lehrer deplatziert sind, stimmt. Ich bin aber gegen das Kündigen. Denn oft sind es nur Phasen, in denen Pädagogen überfordert sind. Oft auch von der administrativen Arbeit. Wenn man sie dann woanders einsetzen könnte, etwa in der Erwachsenenbildung, das wäre sinnvoll. Aber das wird einfach nicht angegangen.
Künsberg Sarre: De facto kann in Österreich jeder Lehrer werden, der Lehrer werden will. Es gibt keine echten Zugangsbeschränkungen. Denn die Berufe, in denen es darum geht, Kinder auszubilden, arbeiten mit unserer Zukunft. Auf die hat man aber keinen guten Blick. Das ist ein Fehler im System.
Glattauer: Das sehe ich anders. Wer heute durch die Uni oder die PH geht, merkt ganz schnell, ob er für den Lehrberuf geeignet ist oder nicht. Die großen Probleme passieren erst im Laufe der Dienstjahre. Da kommen dann Abnützungserscheinungen oder Frustrationen. Wir haben Leute, die Lehrer werden, weil sie mit Kindern arbeiten wollen und die dann merken, dass 40 Prozent ihres Jobs Papierkram ist und dann möglicherweise falsch reagieren.
Zierfuß: Trotzdem ist die Ausbildung für Lehrer zu wenig praxisorientiert.
Glattauer: Die LehrerInnen-Bildung ist ja neu ...
Zierfuß: Was nicht bei allen gleichermaßen gut angekommen ist ...
Glattauer: Wo ich ihnen zustimme ist: Die Praxis wurde zurückgefahren. Das halte auch ich für kritikwürdig. Da sind wir aber wieder beim Feedback. Das alleine reicht nicht aus. Es muss darauf auch eine Verbesserung folgen. Dafür braucht es aber Menschen und nicht Apps, die das dann miteinander aushandeln.

Was passiert mit den Schulen, die auf den letzten Plätzen landen? Schließen die?

Harald Zierfuß
Schule - © Fotos: Carolina Frank

Harald Zierfuß

Der ehemalige Bundesschulsprecher Harald Zierfuß ist heute Landesobmann-Vize der „Jungen ÖVP Wien“.

Der ehemalige Bundesschulsprecher Harald Zierfuß ist heute Landesobmann-Vize der „Jungen ÖVP Wien“.

DIE FURCHE: Wie halten Sie es eigentlich mit Rankings? Gerade für die NEOS hatte es im Wahlkampf Kritik gehagelt, weil ihr Listenzweitplatzierter Helmut Brandstätter vorgeschlagen hatte, dass etwa die Ergebnisse der Zentralmatura publik gemacht werden sollen.
Künsberg Sarre: Uns geht es da nicht um Ranking, sondern um Transparenz. In anderen Ländern ist es durchaus üblich, Prüfungsergebnisse oder Schulzusammensetzungen zu veröffentlichen.
Glattauer: Also ich bin grundsätzlich gegen Rankings. Man kann ja auch Beziehungen nicht ranken. Oder fragen wir als nächstes: Wer sind die besten Eltern?
Zierfuß: Wenn gerankt wird, frage ich mich: Was passiert mit den Schulen, die auf den letzten Plätzen landen? Werden die geschlossen und machen dann unter einem neuen Namen wieder auf? Sehr schwierig.

DIE FURCHE: Zum Schluss ein kleines Gedankenspiel zur Sternchen-Vergabe. Wann würden Sie einem Lehrer die volle Punktzahl geben?
Glattauer: Das wäre ein Pädagoge, der seine Schüler auf Augenhöhe und mit Respekt behandelt. Ein Lehrer, der von oben herab kommt, ist ein schlechter Lehrer per se. Dann sollte er für das Fach, das er unterrichtet, brennen. Er sollte hinter dem, was er vermitteln will, stehen. Ja, und Kinder muss er natürlich mögen.
Künsberg Sarre: Fünf Kriterien müssen zutreffen: Respekt, Herzblut, Wertschätzung, Empathie und fachliche Qualifika­tion.
Zierfuß: Der Lehrer muss es als seine Hauptaufgabe sehen, etwas zu vermitteln. Dann ist er auf dem richtigen Weg und muss eine schlechte Bewertung nicht fürchten.