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Digital In Arbeit

Was Personalchefs schätzen

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Überzeugende Selbstdarstellung

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Überzeugende Selbstdarstellung

Hkrbert Czirbusz (Leiter kr Persona Betreuung), EA-Gknerali AG, Wien:

Es gibt kaum mehr Bewerbungsschreiben, die nicht der gewünschten Form entsprechen. Briefe mit vier knapp formulierten Zeilen bekommen wir selten. Die meisten lernen schon in der Schule, ein entsprechendes Schreiben am PC zu gestalten.

Für die Entscheidung ist vor allem der Inhalt ausschlaggebend. Es soll so eine Art Beschreibung des eigenen Typs sein, in der man von sich selbst etwas erzählt. In einem kundenorientierten Unternehmen sind vor allem kommunikative Fähigkeiten von Bedeutung. So können beispielsweise „brotlose" Jobs während des Studiums von großer Bedeutung sein, wenn in einem Bereich gearbeitet wurde, der zur Bewerbung paßt.

Der Hinweis auf ein Auslandssemester hingegen sagt für uns weniger aus. Dabei kann es sich ja auch um ein paar Monate Urlaub handeln. Außerdem zählt für uns die Absolvierung eines Studiums in einer angemessenen Studiendauer.

Gehalt: Bei der Frage nach dem Gehalt schätzen sich Studenten durchwegs richtig ein. Maturanten bekommen bei uns in etwa 18.000, Studienabgänger ungefähr 24.000 Schilling brutto. Das jedoch 15 mal im Jahr.

Mehr als nur Interesse zeigen

Günter Hayder (Leiter der Personaladministration), Kapsch, Wien

Für Bewerbungen gibt es kein Patentrezept. Das hängt von der angebotenen Position und damit vom Anforderungsprofil ab. Wichtig ist jedoch in allen Fällen, daß die Unterlagen ordentlich beisammen sind und man sich etwas vorstellen kann. Negativ ist natürlich, wenn die Bewerbung nicht zu unserem Anforderungsprofil paßt. Weiters ist es zu wenig, wenn uns Bewerber nur darüber informieren, daß sie interessiert sind, bei uns zu arbeiten. In der schriftlichen Bewerbung muß schon mehr drinnen stehen.

Beim Vorstellungsgespräch achten wir vor allem auf ein freundliches, vernünftiges und kommunikatives Auftreten. Ob der Bewerber jetzt mit oder ohne Krawatte oder in Jeans kommt, ist nicht so wichtig.

Gehalt: Bei uns wird schon im schriftlichen Bewerbungsbogen nach Gehaltsvorstellungen gefragt. Bei Absolventen einer Schule oder eines Studiums erwarten wir nicht die große Erfahrung. Die liegen meist ganz richtig. Die Schulen halten oft den Kontakt zu den Unternehmen, deshalb wissen die Absolventen ziemlich genau Bescheid. Bei den Praktikern paßt es nicht immer so ganz. Wenn es da sehr große Unterschiede zwischen den Vorstellungen gibt, gehen wir auf diese Frage im ersten persönlichen Gespräch ein.

Aktives Gespräch

Gunther Fürstberger (Human Ressources Manager), McDonald's Österreich, Wien

Die Unterlagen müssen zum Anforderungsprofil passen. Man muß einen Zusammenhang zwischen Annonce und Bewerber erkennen können.

Zu einer vollständigen Bewerbung gehört

zunächst ein übersichtlicher Lebenslauf. Bei der formalen Gestaltung sollte aber auch nicht übertrieben werden. Handschriftliche Unterlagen sind nicht notwendig. Dafür soll der Lebenslauf tabellarisch angeordnet und vollständig sein. Gegebenenfalls sollen auch Monate genannt werden, so daß keine Lücken vorhanden sind. Beispielsweise kann es sich bei einer Praxis mit dem Hinweis 1995/96 um einen zweijährigen Zeitraum, oder nur die Monate Dezember 95 und Jänner 96 handeln. Das sollte für uns schon deutlich herauskommen. Ausbildung und beruflicher Werdegang müssen klar ersichtlich beschrieben werden.

In der Bewerbung selbst sollen die Bewerber argumentieren können, warum sie geeignet sind. Warum ge rade sie das bringen können, was vom Unternehmen gewünscht wird. In der Wirtschaft nennen wir das „Unique selling proposition" (USP). Der Bewerber muß uns also von seiner USP überzeugen.

Auch die Angabe • von ein, zwei Beferenzen ist für uns interessant. Menschen, die mit dem Bewerber positive Erfahrungen gemacht haben. Wir rufen dort zwar nicht immer an, aber so bekommen wir ein besseres Bild von der betreffenden Person. Und wenn wir schon beim Bild sind, so möchte ich gleich erwähnen, daß bei einer guten Bewer bung auch ein Foto dabei sein soll. Einfach deshalb, weil es leichter ist, in der Gesprächsphase eine Verbindung zwischen dem Bewerber und

den vorher geschickten Unterlagen herzustellen.

Sinnvoll ist es, Zeugnisse beizulegen. Aber auch da sollte man nicht übertreiben. Ein Dienstzeugnis oder das letzte Abschlußzeugniss reichen.

EinTip für die schriftliche Bewerbung: Telefonnummer nicht vergessen. Personalentscheidungen müssen manchmal sehr rasch getroffen werden. Es ist schon vorgekommen, daß wir nicht jene nehmen konnten, die unseren Vorstellungen am besten entsprochen haben, nur weil wir ihre Telefonnummer nicht hatten.

Bei den Bewerbungsgesprächen wünschen wir uns eine aktive Gesprächsführung. Neun von zehn Bewerbern, die zu uns kommen, lassen sich im Bewerbungsgespräch vollkommen führen, statt selbst aktiv zu werden. Nach der Aufforderung „Haben Sie noch Fragen?" sollen die Bewerber auch tatsächlich einmal Fragen stellen. Das signalisiert für uns Interesse an der angebotenen Tätigkeit.

Im Idealfall verläuft das Gespräch dann wie ein normaler Dialog. Wir wollen Leute, die ihre Jobs gerne machen und denen ihr Beruf Spaß macht. Das muß im Gespräch einfach herüberkommen.

Gehalt: Das stellt für den Bewerber natürlich eine besondere Schwierigkeit dar. Einerseits befürchtet er bei zu hohen Forderungen das Ausscheiden. Andererseits möchte er nicht schlecht dabei aussteigen. Für den Unternehmer hingegen bildet ein niedrigeres Anfangsgehalt einen Spielraum für die Zukunft, zur Motivation der Mitarbeiter in den ersten Jahren.

Generell besteht für den Bewerber jedoch die Möglichkeit, sich nach einem gängigen Gehaltsschema zu erkundigen. Das kann er in Form einer Rückfrage im Gespräch selbst erledigen. Klüger wäre es jedoch, dies schon vorher zu tun. Bei uns kann man das beispielsweise ohne Probleme erfahren.

Auslandsstudium zählt ganz besonders

Kurt Hrynasz (Leiter der Abteilung Konzernpersonal), OMV AG, U n:\

Handelt es sich um eine Bewerbung aufgrund von Ausschreibungen, so sollte sie mit den Anforderungsprofilen übereinstimmen. Positiv zu werten sind Fakten, die Rückschlüsse auf Flexibilität und Mobilität der Bewerber zulassen, wie beispielsweise Zusatzausbildung während des Studiums, Praktika, insbesondere solche im Ausland oder Auslandssemester.

Die Qualität der schriftlichen Bewerbungsunterlagen ist aufgrund der großen Bewerberzahl für die

Aufnahme in die engere Wahl entscheidend. Die Aufnahmeentscheidung erfolgt in der Regel nach Beobachtungen der Bewerber in einem Aufnahme-Assessment-Center.

Lückenhafte Curricula, die keinen hinreichenden Aufschluß über Werdegang beziehungsweise Aktivitäten geben, hinterlassen einen negativen Eindruck.

Gehalt: Bewerber haben zumeist Gehaltsvorstellungen aufgrund von Erfahrungen im Zuge von Bewerbungen bei anderen Firmen, vom Erfahrungsaustausch mit Kollegen oder aus eigener Berufstätigkeit. Diese Vorstellungen sollen sie offen darlegen. Eine realistische und begründete Einschätzung des eigenen Marktwertes ist erwünscht.

Gute Sprache, gepflegtes Aussehen

Erika Schwarzott - Einrichtungs-haus-Werkstäiten, Baden

Wir schätzen einen guten Lebenslauf, ein Foto und als Beilage die Zeugnisse. Das sollte jedoch nicht alles in losen Blättern bei uns ankommen. In einer Mappe gesammelt schaut das gut aus.

Außerdem ist die Schriftform, das gesamte Bild, von Bedeutung. Das zählt auch für die Handschrift. Eine leserliche Handschrift ist vor allem bei uns im Handel sehr wichtig.

Wenn es dann zu einem persönlichen Gespräch kommt, so zählt vor allem ein freundliches Wesen,' gepflegtes Aussehen und eine gute Sprache. Man sollte sich gut ausdrücken können.

Doch nicht nur bei unseren Lehrlingen im Verkauf schauen wir auf ein gepflegtes Äußeres. Auch bei den 1 landwerkern können wir dadurch Rückschlüsse auf ihre Arbeitsweise ziehen. Besonders negativ fallen Bewerber dann auf, wenn sie über ihre frühere Arbeitsstelle zu schimpfen beginnen, ohne danach gefragt zu werden.

Gehalt: Wir haben natürlich selbst eine Vorstellung davon, was wir zahlen wollen. Trotzdem muß der Bewerber wissen, wieviel er verdienen will. Wenn er ein Anfänger ist, muß er sich darüber vorher informieren.

Jene, die schon vorher gearbeitet haben, wissen ohnehin ungefähr Bescheid.

Teil 12 vom 29 Mai: Was kann ich tun, um auch im kiu'ksi.kkkn (ilücklich 7x\ wkkdkn?

Martin Grillitsch, Humanbiologe in der Filmbranche Der Beruf muß meinen Interessen entsprechen. Schließlich habe ich das Fach nicht zufällig studiert. Es ist natürlich klar, daß man in Zeiten wie diesen auch ganz andere Dinge annehmen muß; aber nur als Übergangslösung. Ideal ist es, wenn man auf dem Gebiet arbeiten kann, in dem man schon Wissen erworben hat und nicht als Neuling und absolut Unwissender einsteigen muß.

Georg König, Chemiker beim

UmWELTIU NDISAMT

Das Hauptkriterium bei der Jobsuche war, daß ich im Umweltsektor bleiben wollte. Das hat die Auswahl schon ziemlich eingeschränkt. In diesem Bereich längere Zeit zu arbeiten, kann ich mir am ehesten vorstellen, weil es mir Spaß macht. Dafür nehme ich auch in Kauf, daß ich im Vergleich zur Privatwartschaft weniger verdiene. Für mich ist es wichtig, daß man sich mit der Firma, bei der man arbeitet, zumindest halbwegs identifizieren kann. Ich würde nicht bei einem der großen Erdölkonzerne anfangen wollen, oder zumindest nur ungern, weil mir die Gesamtpolitik von den Konzernen nicht gefällt. Solange ich es mir vom Jobangebot irgendwie leisten kann, kann die Einstellung eines Betriebes ein Ausschließungsgrund sein. Das ist aber nicht dogmatisch zu sehen. Wenn mir Arbeitslosigkeit drohen würde, würde ich mich auch dort bewerben. Ich glaube, daß die Auswahl an Jobs in nächster Zeit nicht so rosig ist, daß man lange solche Kriterien durchhalten kann. Ich habe diesbezüglich Glück gehabt.

Jutta Kaufmann, Sekretärin, derzeit auf jobsiche

Ich habe meinen Job in einer Rechtsanwaltskanzlei gekündigt. Dort hätte ich es keinen Tag länger ausgehalten, weil es keine Perspektiven gab. Ich lerne sehr gerne und möchte mich weiterbilden. Das wäre in meinem Fall sicherlich nicht möglich gewesen. Andererseits möchte ich selbständig arbeiten, mir die Aufgaben einigermaßen frei einteilen und auch eigene Ideen einbringen können. Auch das Arbeitsklima war nicht besonders und das ist auf die Dauer schwer auszuhalten. Statements: Monika Kunit

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