Medien Krieg - © Foto: Getty Images / Los Angeles Times / Marcus Yam

Bewusstseinskultur: Im Angesicht des Kriegs

Krieg ist die Niederlage der Zivilisation. Das Friedensprojekt der EU könnte durch eine wissenschaftlich fundierte Bewusstseinskultur neue Kraft gewinnen.

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Was Krieg bedeutet, war mir die längste Zeit nicht bewusst. Das änderte sich erst durch Filme. Da war zuerst „Der letzte Schmetterling“ über einen französischen Schauspieler im Zweiten Weltkrieg, der im Konzentrationslager Terezin (Theresienstadt) auftreten muss und langsam die schreckliche Funktion dieses Lagers erkennt. Ein KZ-Häftling sagte: „Ich freue mich schon darauf, in Wien wieder ins Kaffeehaus zu gehen.“ Mir dämmerte, dass das nicht immer selbstverständlich war. Als ich aus dem Kinosaal ins Tageslicht trat, liefen mir ein paar Tränen über die Wangen. Ich war in einem sicheren Land, einer sicheren Zeit.

Später geriet ich in den Bann der ZDF-Serie „Unsere Mütter, unsere Väter“, die in Berlin beginnt, kurz vor dem Überfall von Nazi-Deutschland auf die Sowjetunion. Fünf Jugendfreunde feiern dort ihren Abschied, bevor der Krieg sie in alle Richtungen zerstreut. Hauptfigur Wilhelm, ein vorerst überzeugter Soldat, gerät auf dem Vormarsch der Wehrmacht in ein zerbombtes Haus, in dem sich noch feindliche Kämpfer verschanzt haben. Es kommt zu Schusswechseln; Wilhelm und seinen Kameraden gelingt es schließlich, die verbliebenen Feinde zu töten. Plötzlich stellte ich mir vor, an seiner Stelle, in unmittelbarer Lebensgefahr, zu sein.

Wilhelms Bruder Friedhelm ist sensibel und introvertiert, er liest die kriegsverherrlichenden Schriften von Ernst Jünger. Doch aus ihm wird allmählich ein brutaler, nihilistischer Zyniker. Eine seiner Aussagen ist mir noch heute in Erinnerung: „Der Krieg wird nur das Schlechteste in uns hervorbringen.“

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