Ist diesmal wirklich alles anders?

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Die Chefökonomin der Weltbank, Carmen Reinhart, hat sich viel mit vergangenen Wirtschaftskrisen beschäftigt. In der aktuellen spielt sie eine tragende Rolle.

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Die Chefökonomin der Weltbank, Carmen Reinhart, hat sich viel mit vergangenen Wirtschaftskrisen beschäftigt. In der aktuellen spielt sie eine tragende Rolle.

Der zweite Lockdown führt nicht nur in Österreich, sondern in ganz Europa zu parteilichen Verhärtungen und voreiligen Schuldzuweisungen. Den politischen Rettungskräften werden permanent „Triagen“ zwischen gesundheitlichen, sozialen und wirtschaftlichen Zielsetzungen abverlangt. Kaum irgendwo ist unstrittig, wie weit die jeweiligen Einschränkungen gehen sollen oder dürfen.

Anders verhält es sich – von wenigen Ausnahmen wie Finnland einmal abgesehen – meist nur in Staaten, deren Erfolge mit Methoden erzielt werden, die wir aus guten demokratiepolitischen Gründen nicht einsetzen wollen. Die so dringend gefragten einvernehmlichen Strategien wird es deshalb wohl erst geben, wenn wir uns mit einer deutlich verbesserten Streitkultur darum bemühen.

Zusammenraufen müssen sich auch die Staatenlenker(innen) auf globaler Ebene, wenn es um die beiden entscheidenden Fronten des Kampfes gegen die Pandemie geht: einerseits die beim virtuellen G20Gipfel in Aussicht gestellte Zuteilung von Impfstoffen an armutsgefährdete Staaten, andererseits Schuldennachlässe, Überbrückungskredite und Garantien seitens der Weltbank und des Währungsfonds für diese nun doppelt getroffene Ländergruppe.

Übersehene Vorzeichen der Krise

Dass in der Weltbank seit Juni dieses Jahres in der Person von Carmen Reinhart eine exzellente, auf die Geschichte von Wirtschaftskrisen spezialisierte Forscherin als Chefökonomin tätig ist, ist ein gutes Vorzeichen dafür, dass diese Vorhaben auch umsetzbar sein sollten. Der Titel ihres gemeinsam mit Kenneth Rogoff verfassten Bestsellers „Diesmal ist alles anders“ spielt darauf an, dass die Vorzeichen von Krisen meist übersehen oder mit dem StandardArgument geleugnet werden, die jeweils aktuelle Situation wäre mit allen früheren nicht vergleichbar.

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