Friedhof_Wallstreet - © Pixabay/Eliszebe
Wirtschaft

Krise in der Erwartungsschleife

1945 1960 1980 2000 2020

Seit Monaten geht das Gespenst einer neuen Krise der globalen Wirtschaft um. Hat es sich zunächst aus den Sorgen um die Handelspolitik der USA gespeist, so rücken nun auch andere mögliche Krisenherde in den Blick.

1945 1960 1980 2000 2020

Seit Monaten geht das Gespenst einer neuen Krise der globalen Wirtschaft um. Hat es sich zunächst aus den Sorgen um die Handelspolitik der USA gespeist, so rücken nun auch andere mögliche Krisenherde in den Blick.

Wenn ein Satz in der Lehre von der Wirtschaft unwidersprochen bleiben muss, dann dieser: Der homo oeconomicus verändert sein Verhalten drastisch, wenn er meint, ein Krise sei im Anrücken. Die Rationalität hart gebackener Analysen werden dem Gestocher der Spekulation untergeordnet und was sonst statistisch und modellhaft in mathematische Sicherheit gegossen werden kann, wird zu einem nebelhaften Ratespiel.

Seit dem Sommer ist die Wirtschaftswelt in ein solches Szenario eingetreten, das sich aus Erwartungen von Unternehmern, den politischen Wehen einer Politik der abgeschotteten Märkte und diesen oder jenen Konjunkturvoraussagen speist. Es gibt da einen schönen Satz von John Maynard Keynes, der die Ökonomen dafür kritisiert hat, dass ihre Weisheit nur dann gelte, „wenn die See ruhig und glatt ist“, dass sie aber in Zeiten des Sturms versage.

Wenn man dieses Bild weiter bemühen will, dann segeln wir derzeit durch unruhigere Gewässer. Finanzexperten in den USA arbeiten sich etwa derzeit argumentativ an der „Inversion der Zinsen“ ab, die für kurzfristige und langfristige Staatsanleihen aufgenommen werden. Kurzfristige Anleihen werfen im Allgemeinen weniger Rendite ab als langfristige Staatspapiere. Das deshalb, weil in Schönwetterzeiten das Risiko, einen Verlust zu erleiden auf kurze Sicht kleiner ist als auf lange Sicht. Nun hat sich das im August umgekehrt. Die Anleger kurzfristiger Papiere bekommen nun höhere Zinsen als jene, die langfristige Anleihen kaufen. Für viele ist das ein Anzeichen, dass es im Verlauf der kommenden 24 Monate zu einem Wirtschaftseinbruch kommen wird.

Auch 2008 vor der jüngsten globalen Krise war es so. Muss es so sein? Nicht zwingend, denn auch die Zinssätze drücken die Erwartungen von Investoren aus, die fehlerhaft sein können. Aber selbst wenn sie irren, bleibt die Tatsache, dass das Klima auf den Märkten noch nie in den vergangenen zehn Jahren so schlecht war wie heute. Dabei stellt sich nicht mehr die Frage, ob eine Krise passiert, sondern wann und wo sie ihren Auslöser finden wird.

Wenn ein Satz in der Lehre von der Wirtschaft unwidersprochen bleiben muss, dann dieser: Der homo oeconomicus verändert sein Verhalten drastisch, wenn er meint, ein Krise sei im Anrücken. Die Rationalität hart gebackener Analysen werden dem Gestocher der Spekulation untergeordnet und was sonst statistisch und modellhaft in mathematische Sicherheit gegossen werden kann, wird zu einem nebelhaften Ratespiel.

Seit dem Sommer ist die Wirtschaftswelt in ein solches Szenario eingetreten, das sich aus Erwartungen von Unternehmern, den politischen Wehen einer Politik der abgeschotteten Märkte und diesen oder jenen Konjunkturvoraussagen speist. Es gibt da einen schönen Satz von John Maynard Keynes, der die Ökonomen dafür kritisiert hat, dass ihre Weisheit nur dann gelte, „wenn die See ruhig und glatt ist“, dass sie aber in Zeiten des Sturms versage.

Wenn man dieses Bild weiter bemühen will, dann segeln wir derzeit durch unruhigere Gewässer. Finanzexperten in den USA arbeiten sich etwa derzeit argumentativ an der „Inversion der Zinsen“ ab, die für kurzfristige und langfristige Staatsanleihen aufgenommen werden. Kurzfristige Anleihen werfen im Allgemeinen weniger Rendite ab als langfristige Staatspapiere. Das deshalb, weil in Schönwetterzeiten das Risiko, einen Verlust zu erleiden auf kurze Sicht kleiner ist als auf lange Sicht. Nun hat sich das im August umgekehrt. Die Anleger kurzfristiger Papiere bekommen nun höhere Zinsen als jene, die langfristige Anleihen kaufen. Für viele ist das ein Anzeichen, dass es im Verlauf der kommenden 24 Monate zu einem Wirtschaftseinbruch kommen wird.

Auch 2008 vor der jüngsten globalen Krise war es so. Muss es so sein? Nicht zwingend, denn auch die Zinssätze drücken die Erwartungen von Investoren aus, die fehlerhaft sein können. Aber selbst wenn sie irren, bleibt die Tatsache, dass das Klima auf den Märkten noch nie in den vergangenen zehn Jahren so schlecht war wie heute. Dabei stellt sich nicht mehr die Frage, ob eine Krise passiert, sondern wann und wo sie ihren Auslöser finden wird.

Was ist, wenn es keinen großen Knall gibt und keinen plötzlichen Einbruch auf den Finanzmärkten, sondern einfach einen unaufhaltsamen schleichenden Verfall?

Das China-Syndrom

Seit Monaten sagt der deutsche „Mr Dax“ Dirk Müller einen Zusammenbruch voraus, der in China sein Epizentrum hat. Sein Punkt: Verzweifelt würde China eine ungeheuere Blase im Immobilien- und Infrastrukturbereich am Platzen hindern. „China ist die größte Blase, die die Weltwirtschaft je gesehen hat.“ Wenn Müller mit seinen drastischen Schilderungen auch nur teilweise recht hat, dann ist der derzeitige Handelskrieg zwischen den USA und China wie ein Angriff von Nadeln auf einen Luftballon. Er schränkt Chinas Wachstum ein und damit die wirksamste Hilfe gegen den Ausbruch einer Krise. Hat US-Präsident Trump deshalb kurz nach dem ersten Einbruch der Aktienmärkte am 15. August seine Zollpolitik gegenüber China zum Teil ausgesetzt? Wenn die Verhinderung einer Krise der Hintergrund der Milde war, dann könnte sich hier eine Trendwende im Protektionismus ankündigen, den Trump bisher verfolgt hat.

Sicher ist, dass Trump alles dazu tun muss, den Fluss von Geld und Kredit im eigenen Land am Laufen zu halten und Schocks von außen zu vermeiden. In diesem Sinn sind nicht nur seine Reaktion auf die Angriffe auf Saudi-Arabiens Ölquellen zu verstehen (Öffnung der US-Ölreserven, kein militärisches Vorgehen gegen den Iran). Auch seine immer neu uns schärfer vorgetragene Kritik an der Zinspolitik der US-Notenbank müssen so verstanden werden. Die Fed hatte zuletzt die Kredite durch die Anhebung der Leitzinsen verteuert. Dieses Vorgehen zeigt die Sorge der Administration, eine schwächelnde Wirtschaft würde dem Präsidenten Wähler abspenstig machen und so seine Wiederwahl im kommenden Jahr verhindern.

Auf der Schattenseite der billigen Zinsen stehen allerdings neue Schulden der Staaten und laut dem Wirtschafts-Thinktank Agenda Austria ein neues Hoch an aufgeblähten Bankbilanzen, zumindest in Europa. So gesehen halten wie auch in den vergangenen Jahren allein die Konsumenten und ihre Ausgabenfreude das Wachstum aufrecht, so wie das auch in den Jahren der Krise nach 2008 der Fall war.

Nur ist die Gemengelage heute eine schwierigere als damals. Im vergangenen Jahr, als dem Zusammenbruch von Lehman Brothers vor zehn Jahren gedacht wurde, war der einhellige Tenor unter den Experten, dass das System einen zweiten solchen Schock nicht so glimpflich überstehen würde. Zudem scheint das Wachstum ohnehin schon auf realwirtschaftlich tönernen Füßen zu stehen, auch das ein Unterschied zu 2008.
An diese Sorge knüpft sich auch das vielleicht gefährlichste Szenario. Was ist, wenn es keinen großen Knall gibt und keinen tiefen Fall auf den Finanzmärkten, sondern einfach einen unaufhaltsamen Verfall, den zu tief verschuldete Staaten nicht mehr auf Dauer stoppen können? Gemessen an solchen Dystopien sind die Märkte noch erstaunlich stabil.