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Die Angst vor der Inflation

DISKURS
Industrie  - © Foto: iStock / Andreas Klug

Transformation: Alles nur schöne Worte?

1945 1960 1980 2000 2020

Europa und vor allem Deutschland haben sich in puncto Wirtschaft und Transformation viel vorgenommen. Doch durch Inflation und Energieknappheit droht baldige Ernüchterung. Ein Gastkommentar.

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Europa und vor allem Deutschland haben sich in puncto Wirtschaft und Transformation viel vorgenommen. Doch durch Inflation und Energieknappheit droht baldige Ernüchterung. Ein Gastkommentar.

Das vergangene Jahr brachte die Inflation zurück – und die beiden großen westlichen Zentralbanken, die Federal Reserve der USA und die Europäische Zentralbank (EZB), haben darauf unterschiedlich reagiert: Während die FED ihre Anleihekäufe zurückfahren will und den Markt auf drei Zinserhöhungen im Jahr 2022 eingestimmt hat, will die EZB zwar ihr Pandemienotfalls-Ankaufprogramm PEPP im März plangemäß beenden, dafür aber ihr langfristig angelegtes Ankaufprogramm APP ab April „vorübergehend“ erhöhen.

Die FED will also auf Preiserhöhungen so reagieren wie üblich – mit Verknappung des Geldumlaufs und steigenden Zinsen. Die EZB dagegen will an ihrer Nullzins-Politik festhalten. Damit hilft sie so manchen hoch verschuldeten europäischen Staaten. Doch schon im Vorjahr musste die EZB so viele Milliarden an Anleihen zur Wahrung des niedrigen Zinsniveaus ankaufen, wie insgesamt an neuen Staatsanleihen begeben worden ist. Wenn freilich rundherum die Zinsen steigen, wird der Druck, immer mehr kaufen zu müssen, immer größer werden.

Europas Zentralbank steckt daher in einem tiefen Dilemma: Folgt sie kommenden Zinserhöhungen der FED, dann steigen für die Staaten der EU die Kosten der Staatsschuld und damit die Defizite. Tut sie es nicht, so wird viel Anlagekapital aus Europa in Weltregionen mit höheren Zinsen abwandern. Dieses Problem lässt sich nicht auf Dauer mit schönen Worten zudecken.

Große Wünsche – und Schwächen

Derzeit braucht Europa dringend so viel Kapital wie schon lange nicht. Nehmen wir als Beispiel Deutschland, ein Land mit noch vergleichsweise geringer Staatsverschuldung – und zugleich beeindruckenden Exporterfolgen. Aber auch Deutschland steht vor gewaltigen finanziellen Herausforderungen: Die Bekämpfung von Corona in allen seinen Varianten war und ist unerlässlich – und die Infrastruktur bis hin zu Bahngleisen und Brücken ist in einem geradezu desolaten Zustand. Die demografische Entwicklung verschiebt das Verhältnis von Arbeitenden zu Rentnern schleichend zu Lasten der Arbeitenden, was den Rentenaufwand langsam, aber stetig steigert. Dazu kommen ehrgeizige Ziele im Arbeitsprogramm der neuen deutschen Ampelregierung: In der Digitalisierung will man den europäischen Rückstand gegenüber den USA und China (oder auch Taiwan und Südkorea) aufholen, den Konsumenten soll der Umstieg auf Elektroautos erleichtert, soll heißen gefördert werden, und vor allem will man gegen den Klimawandel ankämpfen: Nicht nur Atomkraftwerke, auch Kohlekraftwerke sind folglich in den nächsten Jahren zu schließen.

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