Es gibt einen hartnäckigen Witz über das britische Selbstverständnis, dessen Inhalt bloß aus einem Titel der Londoner Times aus den 50er-Jahren besteht: "Über dem Kanal dichter Nebel. Kontinent drei Tage abgeschnitten." Unabhängig davon, ob es diesen Titel je gab, beschreibt er die gegenwärtige Lage: Über der Welt liegt dichter Nebel und Europa befindet sich in Isolation. Nach dem Brexit wendet sich London von Europa ab, Moskau war nie ein besonderer Anhänger der EU (im Gegenteil halten sich Gerüchte, wonach es versucht, Europa zu spalten). Und in den vergangenen Tagen haben wir mit der Wahl Donald Trumps auch noch einen anderen Mitstreiter verloren: Washington. Europa befindet sich also in Isolation, ohne dazu einen Beitrag geleistet zu haben. Und nun steht drei große Einheiten, Moskau, London und Washington, gegen die EU. Und gewogenere Häfen findet das Schiff Europa bloß in Kanada, Neuseeland, Australien, vielleicht auch Japan.

Der Mitunterzeichner der Charta 77, Petr Pithart, fragte einmal, ob die Idee von Europa für Tschechien nicht zu groß wäre. Und tatsächlich scheint das so. Aber noch mehr fragt sich, ob nicht die Idee von Europa auch zu groß für die Europäer ist. Und auf einer weiteren Ebene und angesichts der isolationistischen Schritte der USA: Ist nicht auch die Welt zu groß für die USA? Und weiter noch, ist nicht also die Welt zu groß für die Welt? Scheint es nicht so, als sei die Welt der Welt zu groß geworden?

Die Errungenschaften der jüngsten beiden Generationen in Europa, die Werte der Toleranz und der Offenheit, der Glaube daran, dass die Welt ein Ort ist, wo man in Frieden und ohne Beleidigungen leben kann, ist in keinem stabilen Zustand. Dieser Zustand ist. Diese Situation kann freilich auch positiv gesehen werden. Je mehr um die Werte Europas gestritten wird, desto klarer treten sie hervor.

Der Autor ist Professor für Ökonomie an der Karlsuniversität Prag

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