Esoterik Pandemie corona Energie - © Foto: iStock/pressureUA

Wissenschaftsvermittlung: Vom Glauben und vom Wissen

Wir wissen, dass Homöopathie nur als Placebo wirkt, Astrologie Unsinn ist. Das auch zu vermitteln, ist schon schwieriger. Ein Gastkommentar.

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Astronomie? Das ist das mit den Horoskopen, oder?" Ich bin Astronom. Und wie die meisten meiner Kolleginnen und Kollegen bin ich solche Sätze gewohnt. Aus meiner Sicht ist die Sache absolut eindeutig. Astronomie ist eine seriöse und faszinierende Naturwissenschaft, die Planeten, Sterne, Galaxien und das Universum erforscht. Astrologie dagegen ist uralter Aberglaube und esoterischer Unsinn. Und es ärgert mich, wenn andere Menschen diesen Unterschied nicht erkennen. Aber eigentlich könnte es mir egal sein. Ich muss mich nicht mit Astrologie beschäftigen, um astronomische Forschung zu betreiben. Ich könnte den ganzen Unsinn einfach ignorieren.

Das würde mir jede Menge Ärger und anstrengende Gespräche ersparen. Ich würde allerdings auch einen zentralen Aspekt der wissenschaftlichen Arbeit ignorieren. Denn die besteht nicht nur aus der reinen Forschung. Mindestens ebenso wichtig wie die Forschung selbst ist die Vermittlung der Forschungsergebnisse an die Öffentlichkeit. Die Wissenschaft ist Teil der Gesellschaft und sie darf sich nicht von der Gesellschaft abgrenzen. Wissenschaftskommunikation ist wichtig und wer Wissenschaft vermitteln will, sollte sich auch mit dem beschäftigen, was so tut als wäre es Wissenschaft, es aber nicht ist. Und mit dem, was der Wissenschaft aktiv entgegen steht.

Rationales Denken fällt uns schwer

Esoterik und Pseudowissenschaft sind also nichts, was man einfach ignorieren sollte. Aber wie geht man vernünftig damit um? Aus wissenschaftlicher Sicht ist die Sache eigentlich recht einfach. Im Laufe der Jahrhunderte haben wir jede Menge Methoden entwickelt, um zwischen objektiven Erkenntnissen über die Welt und Unsinn zu unterscheiden. Wir Menschen sind zwangsläufig subjektiv; unsere Gedanken sind voller kognitiver Verzerrungen und rationales Denken fällt uns schwer. Wenn zwei Dinge hintereinander passieren, dann können wir fast nicht anders, als das eine als die Ursache des anderen zu betrachten. Kopfschmerzen verschwinden, nachdem man ein paar Globuli geschluckt hat? Dann müssen die Globuli dafür verantwortlich gewesen sein: Homöopathie wirkt also! Man bekommt eine Impfung und wird danach krank? Dann muss die Impfung die Krankheit verursacht haben: Impfungen sind gefährlich!

Aber so einfach ist die Realität nicht. Es passieren ständig Dinge; auch wenn man Kopfschmerzen hat. Dann schluckt man ja nicht nur Globuli, sondern trinkt vielleicht auch ein Glas Wasser oder isst irgendwann mal einen Apfel. Man könnte also ebenso behaupten, es wäre das Glas Wasser gewesen, das die Kopfschmerzen geheilt hat. Und unmittelbar bevor man zur Impfung beim Arzt erschienen ist, hat man vielleicht zum Frühstück eine Tasse Kaffee getrunken und eine Schüssel Müsli gegessen. Beides könnte man nun ebenso für die Krankheit verantwortlich machen wie die Impfung.

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