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Psychologe Holcombe: „Wir müssen die Schummler herausfiltern“

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Ein stark wettbewerbsorientiertes System kann unehrliches Verhalten begünstigen, meint Alex Holcombe. Der australische Psychologe über Wissenschaftsbetrug und die Selbstreinigungskräfte in der Forschung.

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Ein stark wettbewerbsorientiertes System kann unehrliches Verhalten begünstigen, meint Alex Holcombe. Der australische Psychologe über Wissenschaftsbetrug und die Selbstreinigungskräfte in der Forschung.

Aufklären, was wissenschaftliches Wissen heißt; welche besondere Qualität dieses Wissen im Vergleich zum Alltagswissen hat; was wir alles innovativen Technologien verdanken – diese Aufgaben betonte Heinz Faßmann im Juli zu seinem Amtsantritt als Präsident der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW): „Diesen Bildungsauftrag müssen wir täglich erfüllen, so wie Sisyphos immer wieder den Stein hinaufgerollt hat.“ Der ehemalige Wissenschaftsminister hofft damit auch, der in Österreich verbreiteten Wissenschaftsskepsis entgegenzuwirken, obwohl es „nicht den einen Schalter gibt, den man umlegen muss“, damit diese Skepsis aus der Welt geschafft werde.

Wichtig ist hier vor allem das Zusammenspiel von Wissenschaft und Medien. Aber auch innerhalb der Wissenschaft gibt es Ansatzpunkte, um deren Transparenz und Selbstreinigungskraft zu verbessern. So kommt es gelegentlich vor, dass Betrug oder Inkompetenz zu falschen Studienergebnissen führen, die sowohl die Fachwelt als auch die Öffentlichkeit täuschen. Der Psychologe Alex Holcombe, der an der Universität Sydney in Australien forscht, beschäftigt sich seit über zehn Jahren mit der sogenannten Metawissenschaft, also der Wissenschaft von der Wissenschaft. Er will die Organisation der wissenschaftlichen Praxis so verbessern, dass sie benutzerfreundlicher wird und Schlampigkeit sowie Wissenschaftsbetrug bestmöglich verhindert werden. Die FURCHE hat ihn zum Gespräch getroffen.

DIE FURCHE: Es gibt seltene Fälle, in denen in der wissenschaftlichen Praxis etwas grundlegend schiefgegangen ist. Gerade in Ihrem Bereich, der Psychologie, gab es vor einigen Jahren einen spektakulären Fall: Der niederländische Universitätsprofessor Diederik Stapel gab nach Verdächtigungen zu, seine Forschungsdaten manipuliert und gefälscht zu haben. Welche Lektionen kann man heute daraus ziehen?

Alex Holcombe: Diederik Stapel war so etwas wie ein Star in der Wissenschaft. Er hat eine Menge von Publikationen mit attraktiv klingenden Ergebnissen veröffentlicht. Für Aufsehen sorgte etwa die Behauptung, dass Menschen, die daran denken, Fleisch zu essen, sich weniger sozial verhalten würden als andere Menschen. Am Ende jedoch kam heraus, dass er die Daten für seine Studien glatt erfunden hat.

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