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Was leisten die Universitäten?

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Leistungsevaluierung an den Universitäten soll mehr Effizienz, aber auch mehr Budget für die Wissenschaft bringen.

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Leistungsevaluierung an den Universitäten soll mehr Effizienz, aber auch mehr Budget für die Wissenschaft bringen.

Wissenschafter, die keine entsprechende Forschungsleistung erbringen, sollte man in ein kleines Kammerl sperren” und ihnen - bis sie die geforderten Leistungen erbringen - „weder ein Budget, noch einen Stab von Assistenten” zugestehen, forderte der Präsident des Forschungsförderungsfonds der gewerblichen Wirtschaft, Werner Frantsits, bei einer Podiumsdiskussion in der Akademie der Wissenschaften. Die Universitäten dürften dabei nicht als „geschützte Werkstätten” betrachtet werden, sondern auch hier müßte mit Hilfe der Leistungsevaluierung mehr Effizienz und eine Kosten-Nutzen-Abwägung, „wie es sie in der angewandten industriellen Forschung längst gibt”, einziehen. Die 18 größten außeruniversitären Forschungseinrichtungen wurden in den letzten Jahren bereits auf ihre Leistungen hin analysiert, ab diesem Semester sollen nach dem Wunsch des Wissenschaftsministers auch die meisten Universitäten Rechenschaft über ihre Leistungen in Forschung und Lehre ablegen. In die Beurteilung einfließen sollen dabei unter anderem die Anzahl der Fachpublikationen, die Betreuung von Diplomarbeiten und Dissertationen, die Bewertung der Qualität der Forschungstätigkeit durch externe Fachleute, aber auch die Prüfungstätigkeit und die Beurteilung der gehaltenen Lehrveranstaltungen durch die Studenten.

Nicht Apfel mit Birnen vergleichen

Nun ist es allerdings so, daß nicht alle Institute die gleiche Ausgangsposition haben: Für ein umfangreiches Werk über die lateinischen Kirchenväter läßt sich naturgemäß nicht so gut finanzielle Unterstützung von Firmen und Industriebetrieben auftreiben, wie für die Forschung im Bereich der Gentechnik oder der Atomphysik. Auch was den gesellschaftlichen Nutzen der unterschiedlichen Forschungsbereiche anbelangt, wäre es fatal, hier sozusagen Äpfel mit Birnen zu vergleichen, wenden Kritiker der Evaluierung ein. Das heißt aber nicht, daß Leistung im Bereich der Geisteswissenschaften nicht zu beurteilen sei, stellt die Romanistikprofessorin Friederike Hassauer klar, sie müsse lediglich „mit unterschiedlichen Methoden” beurteilt werden.

An der Universität für Bodenkultur in Wien hat man im Vorjahr schon einen Evaluierungs-Probelauf gestartet. Fragebögen wurden von den Studenten ausgefüllt und im Rektorat ausgewertet. Auf freiwilliger Basis seien die Studenten „sehr kooperationsbereit” gewesen, erklärt Monika Schlosser vom Studiendekanat der BOKU Wien. Wie groß die Bereitschaft in diesem Semester - „wenn es Pflicht wird” - ist, werde man sehen. Von technischer Seite ist man am Dekanat mit speziellen Computerprogrammen und Scannern auf die Datenflut bestens vorbereitet. Ob auch die einzelnen Institute dem bürokratischen Aufwand, der in Form von laufenden Arbeitsberichten und Selbstbeschreibungen auf sie zukommt, gewachsen sind, wird sich noch zeigen. Es sei darauf zu achten, „daß der Aufwand nicht größer als der Ertrag” ist, warnt Peter Paschen, der Rektor der Montanuniversität in Leoben, der sich schon wiederholt zum Thema Leistungsevaluierung zu

Wort gemeldet hat, vor zuviel Daten-fetischismus. Doch der Ansporn zu mehr und effizienterer Leistung würde sich langfristig sicher bezahlt machen, so Paschen.

Diese Ansicht vertritt man auch an der Akademie der Wissenschaften, wo seit einiger Zeit bereits Evaluierungsteams an der Arbeit sind. Fachleute aus dem Ausland erstellen anhand der Arbeitsberichte der Institute, einer Begutachtung der Arbeitsbedingungen und Einzelgesprächen mit den Mitarbeitern einen Zwischenbericht, zu dem die Betroffenen Stellung nehmen können. Im Rahmen eines Symposions werden die vorläufigen Ergebnisse der Evaluierung mit Fachkollegen, Vertretern von Industrie, Wirtschaft und Medien diskutiert und in einem Schlußbericht verarbeitet - ein Vorgang, der sich alle fünf Jahre wiederholen soll. Die Kosten für die Evaluierung machen mit zwei Millionen Schilling etwa ein halbes Prozent des Jahresbudgets für die Forschungsein-richtungen aus. Ein Einsatz der sich lohnt, findet Thomas Breuer, der für die Leistungsevaluierung an der Akademie der Wissenschaften zuständig ist. „Dafür gewinnen die einzelnen Institute aufgrund der Anregungen und Analysen durch außenstehende Fachleute mehr Manövrierfähigkeit” und man verfüge über eine „solide Grundlage für Entscheidungen” -etwa über die Schließung oder Zusammenlegung von Instituten. Beispiele dafür wären etwa die Einführung der Studienrichtung Mecha-tronik (eine Kombination aus Maschinenbau, Elektrotechnik und Informatik) an der Universität Linz oder das Auslaufen der Studienrichtung Philosophie, Pädagogik und Psychologie (Lehramt) an der Universität Klagenfurt. Ein Schuß, der bei Mißbrauch allerdings nach hinten losgehen könne, schränkt Breuer ein, denn aus dem Ausland gebe es einige Beispiele, daß mit Hilfe der Evaluierung bereits vorgefaßte Absichten zur Schließung eines Institutes legitimiert werden sollten.

Gefahr droht jedoch auch von der Gegenseite, dem Mangel an Konsequenzen. „Bei relativ vielen Evaluierungen fragt man sich nachher, wo die Konsequenzen bleiben”, beklagt Breuer, „nichts wird verändert, niemand bekommt mehr oder weniger Geld, Stellen werden weder gestrichen noch geschaffen und alles bleibt beim alten.” Vor allem an den Universitäten besteht diese Befürchtungen zu Recht, sind doch die meisten Professoren pragmatisiert und gegen ihren Wunsch nicht einmal versetzbar. Auch die Evaluierungsverordnung des Wissenschaftsministeriums sieht für den Fall einer mehrmaligen negativen Beurteilung der Leistungen eines Lehrenden als Sanktion lediglich eine Besprechung mit dem Studiendekan über die Gründe der negativen Beurteilung und mögliche Maßnahmen zur Verbesserung vor. Wirksam würden die Evaluierungsergebnisse jedoch bei Nachbesetzung von Posten. „Wenn ein Abteilungsleiter ausscheidet und man hat zwei gute Nachfolger an der Hand, wird man sich natürlich die Evaluierungsbögen ansehen”, sagt Bektor Paschen. Doch warum soll man sich beim Evaluieren auf die Leistungen der Professoren und Assistenten beschränken, fragt Romanistikprofessorin Hassauer. Sie plädiert dafür, auch im Bereich der Verwaltung und der Wissenschaftspolitik im ganzen eine Beurteilung der Leistungen vorzunehmen.

Ziel der Leistungsevaluierung ist, neben einer Steigerung der Effizienz in der Forschung, nicht zuletzt eine Imageverbesserang der Wissenschaft. Es könne schließlich nicht schaden, wenn „der kleine Mann auf der Straße sieht, daß der Wind der Konkurrenz auch um die sogenannten Elfenbeintürme der Wissenschaft weht”, glaubt Rektor Peter Paschen. Ein Standpunkt, den die meisten seiner Kollegen teilen, ortet man doch allgemein, daß sich Wissenschaft und Forschung in diesem Land, was die gesellschaftliche Akzeptanz anbetrifft, im Abseits befinden. Wenn es der Wissenschaft durch mehr „Programm”, also durch die „öffentliche Bekanntmachung” ihrer Arbeit gelänge, „zu Arbeitsvorhaben zu kommen, die unseren Zeitgenossen einleuchten”, dann brauche man sich keine Sorgen zu machen, woher man in Zeiten der Sparpakete das Geld für solche Vorhaben nehmen könnte, glaubt der Präsident der Österreichischen Akademie der Wissenschaften Werner Welzig: „Es wird uns, wage ich zu sagen, gegeben werden.” Daß mehr Transparenz auch einenipositi-ven Einfluß auf das Wissenschaftsbudget haben könnte, glaubt auch Thomas Breuer von der Akademie der Wissenschaften: „Denn wenn die Steuerzahler, Minister und Firmen sehen, daß sie nachverfolgen können, was mit ihrem Geld passiert, werden sie uns hoffentlich auch in Zukunft verstärkt unterstützen.”

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