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Qualität? Aber sicher!

Auch hierzulande haben Professoren viele Freiheiten. Ein Problem? Welche Lösungen versprechen Evaluationen? Und: Die Studierenden sind informiert.

Dass es auch in Österreich Professoren gibt, die es sich in ihrem Beamtensessel bequem gemacht haben, bestreitet scheinbar niemand. Christiane Spiel, Professorin für Bildungspsychologie und Evaluation an der Universität Wien, meint etwa: "Schwarze Schafe gibt es in jeder Berufsgruppe - warum sollten die Hochschullehrer eine Ausnahme bilden?" Fügt jedoch hinzu: "Aber auf die Mehrheit der Professoren trifft das sicherlich nicht zu." Und Heinrich Schmidinger, Rektor der Universität Salzburg, sieht die Sache ähnlich: "Faule Professoren sind kein rein Deutschland-spezifisches Problem. Aber wir haben auch zahlreiche Professoren, die sich immens anstrengen."

Thomas Metschke kann das alles bestätigen. Er studiert an der TU Berlin und verbringt gerade ein Austauschjahr an der TU Wien. Bessere und schlechtere Vorlesungen gebe es in Wien genauso wie in Berlin. Ebenso den mit dem Ferrari vorfahrenden Professor, der sein Gehalt mit einer offensichtlich einträglichen Beratertätigkeit aufbessert. Das sei nicht unbedingt etwas Verwerfliches. "Professoren, die die Wirtschaft kennen, können auch leichter Absolventen für die Wirtschaft heranziehen", argumentiert er. Es sei wie so oft im Leben: Alles eine Frage des Maßes.

Gefahr oder Chance

Die maßlosen Hochschullehrer an ihre Pflichten zu erinnern, bleibt dabei eine besondere Herausforderung, ist es doch eine Eigenart von Wissenschaft, dass sie nur dort gedeihen kann, wo entsprechend große Freiheiten existieren. Kein Wunder also, dass manche Hochschulbediensteten (und hierzu zählen nicht nur die untätigen) die Einrichtung eines umfassenden Qualitätssicherungssystems, wie es das Universitätsgesetz 2002 verlangt, kritisch beäugen. Die Evaluationsexpertin Spiel sieht in der Evaluierung von Universitäten Chancen und Gefahren. Als große Chance betrachtet sie etwa, dass Personalentscheidungen in Zukunft gut überdacht werden. Eine ernsthafte Gefahr hingegen könnte sich aus dem Rückgriff auf leicht messbare Leistungsindikatoren wie Impact Faktoren und Zahlen über eingeworbene Drittmittel ergeben. Dazu Spiel: "Manche Geisteswissenschaften brauchen für ihre Art der Forschung nun mal nicht soviel Geld und der Fokus auf hohe Impact Faktoren kann Wissenschafter auch in Richtung Mainstream-Forschung drängen."

Neue Dienstverträge

Auch die neu geregelten Anstellungsverhältnisse bieten einige Vorteile. Dazu Rektor Schmidinger: "Jetzt kann vertraglich festgehalten werden, dass ein Hochschullehrer seine Haupttätigkeit an der Universität ausüben und dass er seinen Wohnort in Universitätsnähe haben muss." Spiel hofft gleichzeitig, dass Hausberufungen bald der Vergangenheit angehören. "Als Wissenschafter sollte man doch wenigstens einmal im Ausland gewesen sein."

Bleibt das Stiefkind Lehre. Auf die Karriere eines Wissenschafters hat sie nahezu keinen Einfluss. Die wissenschaftliche Leistung wird immer noch an den vorgelegten Publikationen gemessen. Trotzdem sieht Schmidinger eine wachsende Sensibilität für qualitativ hochwertige Lehre. Dazu beigetragen habe auch das über die Medien verbreitete CHE-Ranking. "In dieser Hochschul-Hitliste wird die universitäre Lehre berücksichtigt."

Eine Empfehlung wert

Für Metschke präsentierte sich die schwankende Unterrichstqualität als ein konkretes Problem im Studentenalltag. Als er, im siebten Semester studierend, immer noch nicht wusste, ob er eine bestimmte Wahlfach-Vorlesung belegen sollte oder nicht, hatte er mit vier Berliner Kollegen eine zündende Idee: Den Aufbau einer Webseite, auf der Studierende sich über Lehrveranstaltungen informieren und diese auch bewerten können. Heute nützen unzählige Studierende das Angebot von MeinProf.de (siehe Infokasten). Als Pranger im Cyberspace betrachtet Metschke das Projekt nicht: "Es gibt viele gute Lehrveranstaltungen, viele schlechte und viele, die in der Mitte liegen." Trotzdem wurde den Webseitenbetreibern mit Klagen gedroht - von einigen Lehrenden. Ob der rechtlich unklaren Situation, einigte man sich außergerichtlich. So verschwanden einige Bewertungen wieder. "Wenn man eine Vorlesung nicht beurteilen kann, werden sich die Studierenden ihren Teil schon denken", resümiert Metschke. Und fügt hinzu: "Uns geht es wirklich nicht um die Person, sondern um die Lehrveranstaltung. Ein Dozent in Berlin etwa hält zwei schlechte Vorlesungen, aber bietet ein wunderbares Praktikum an. Das will ein Student wissen."

Qualität für wen?

Schmidinger findet eine solche Bewertung trotzdem nicht in Ordnung. "Methodisch unsauber", so lautet seine Kritik. Und Spiel pflichtet bei: "Studenten können einiges bewerten, anderes aber nicht: Etwa, ob der Lehrende tatsächlich auf dem letzten Stand der Forschung ist, oder ob er einseitig gewichtet." Auch bilde die Evaluation von Lehrveranstaltungen nur eine Ebene, auf der Qualitätssicherung stattfinden müsse. Darüber hinaus gebe es andere wichtige Ebenen: "Eine umfassende Evaluierung berücksichtigt auch, wie gut das ganze Curriculum strukturiert ist, wie gut es für den Arbeitsmarkt rüstet und wie gut die Infrastruktur für die Lehrenden ist."

Die Studierenden würden ihr wohl beipflichten. Doch diese Daten können sie nicht liefern. Und die Evaluationsbögen, die sie stets am Ende einer Lehrveranstaltung ausfüllen, bekommen sie nie mehr zu Gesicht. So werden sie ihre Studienqualität weiterhin auf ihre Art sichern: Durch Mund-zu-Mund-Propaganda oder neu: Mit MeinProf.at.

MeinProf.at

Die Idee ist einfach und genial: Studierende können Lehrveranstaltungen bewerten und damit anderen Studierenden eine Orientierungshilfe bieten. Die Besucherzahlen sprechen für den Erfolg der Webseite. Auf MeinProf.de allein wurden bereits mehr als 217000 Bewertungen abgegeben. Mit MeinProf.at und MeinProf.ch wird zurzeit das Konzept auf den österreichischen und schweizerischen Hochschulraum ausgeweitet. Geplant ist auch ein eigener Bereich für Lehrende, damit sie sich mit den Studierenden austauschen können. Darüber hinaus soll es bald Literaturempfehlungen geben - inklusive online Kaufoption.

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