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Wer will?

Kristallkugel - <strong>Blick in die Glaskugel</strong><br />
Eine Wahl ohne Prognosen und Hochrechnungen ist kaum mehr vorstellbar. Wir wollen die Zukunft kennen und dazu ist uns jedes Mittel recht. - © Rainer Messerklinger
Politik

Politischer Blick in die Sterne

1945 1960 1980 2000 2020

Vorhersagen von Wahlergebnissen erfreuen sich enormer Beliebtheit – sogar wenn sie völlig unseriös sind. Ein Gastkommentar.

1945 1960 1980 2000 2020

Vorhersagen von Wahlergebnissen erfreuen sich enormer Beliebtheit – sogar wenn sie völlig unseriös sind. Ein Gastkommentar.

Die SPÖ wird es schwer haben; Sebasti-an Kurz wird Probleme bei der Bildung einer Koalition bekommen, Norbert Hofer muss sich und die FPÖ verändern und die Grünen werden zu den Gewinnern zählen. So lautete eine Prognose von Barbara Weninger zur Nationalratswahl. Sie ist allerdings keine Politikwissenschaftlerin, sondern Astrologin. Die Probleme der SPÖ hat sie – laut der in der Kronen Zeitung am 25. September 2019 veröffentlichten „Vorhersage“ – aus der Position des Planeten Saturn im Sternbild Steinbock abgelesen. Für Kurz’ Koalitionsschwierigkeiten ist Uranus verantwortlich und die Grünen sind Gewinner, weil die Partei gegründet wurde, als die Sonne gerade im Sternzeichen der Fische stand.

Um so eine Prognose abzugeben, muss man aber nicht unbedingt in die Sterne schauen und es ist auch nicht überraschend, dass das Ergebnis der Wahl der astrologischen Vorhersage entspricht. Die Aussagen der Astrologin hätte auch jede andere Person treffen können, die einigermaßen über die politische Situation in Österreich informiert ist. Die Astrologie hat uns hier keine neuen und überraschenden Informationen geliefert, sondern nur das Offensichtliche in astrologisch-mystische Sprache verpackt. Wesentlich konkreter waren da schon die echten Wahlforscherinnen und -forscher, die mit ihren Vorhersagen und Hochrechnungen das Ergebnis der Wahl – vielleicht mit Ausnahme des Absturzes der FPÖ, der doch deutlicher ausfiel als prognostiziert – ziemlich genau getroffen haben. Das ist kein Wunder, denn bei solchen Prognosen ist jede Menge Mathematik, Modellierung und Statistik involviert. Oder anders gesagt: echte Wissenschaft!

Die Politikwissenschaft fragen?

Eine Wahl ohne Prognosen und Hochrechnungen ist kaum mehr vorstellbar. Wir wollen die Zukunft kennen und dazu ist uns jedes Mittel recht. Der heute immer noch so beliebte Blick zu den Sternen hat eine lange Tradition als Prognoseinstrument. Früher wusste aber auch noch niemand, worum es sich bei den Lichtpunkten am dunklen Himmel handelt, warum sich manche davon bewegten und manche nicht. Aber man war sich sicher, dass sie in einer direkten Verbindung zu den Menschen standen. Wer den Himmel versteht, versteht den Willen der Götter und damit das Schicksal der Menschen, so die Überzeugung.

Heute wissen wir: Die persönliche Zukunft lässt sich, ebenso wie das Wahlergebnis, durch einen Blick in den Himmel nicht vorhersagen. Wer das behauptet, hat die Fortschritte der letzten Jahrhunderte verschlafen und hängt noch dem irrationalen Aberglauben der Astrologie an, mit der sich – wie die „Analyse“ von Barbara Weninger demonstriert – aber immer nur das schon Bekannte „vorhersagen“ lässt. Die Astrologie hat schon lange nichts mehr mit der Naturwissenschaft der Astronomie zu tun – die wie keine andere Disziplin in der Lage ist, in die Zukunft zu blicken!

Übrigens auch in die Vergangenheit: Das Licht der Sterne, die wir am Nachthimmel betrachten können, ist jahrhundertelang durch die unvorstellbaren Weiten des Kosmos bis zu uns unterwegs. Und das, was wir sehen, ist immer ein Bild aus früheren Zeiten. Aus politischer Sicht mag der Blick in die Vergangenheit für die Fans gewisser Ideologien durchaus verlockend erscheinen. Richtig spannend ist aber die Vorhersage dessen, was noch passieren wird.