Kirche und Fundamentalismus
DISKURS
„ordo amoris“: Kulturkampf zwischen Trump und Papst Franziskus
Dass die Berserker-Administration der Regierung Trump II mit der Linie von Papst Franziskus über Kreuz ist, verwundert kaum – auch wenn der neue Alte im Weißen Haus Katholikinnen und Katholiken in Spitzenpositionen hievt wie kaum in einer Administration zuvor. Allerdings handelt es sich dabei meist um (sehr) Konservative des katholischen Spektrums. Trump nominierte bereits im Dezember, also vor dem Amtsantritt, mit Brian Burch einen rechtsgerichteten Katholiken und Kritiker von Papst Franziskus als US-Botschafter beim Heiligen Stuhl.
Aber auch Franziskus schlug seine Pflöcke ein: Der Papst transferierte Kardinal Robert McElroy von San Diego in Kalifornien auf den Erzbischofsstuhl der US-Hauptstadt Washington. McElroy gehört zur Minderheit der Liberalen im US-Episkopat, die sich lautstark gegen Trumps Abschiebungsfantasien gegen illegale Migranten ausgesprochen hatte. Und vor wenige Tagen ernannte Franziskus Edward Weisenburger zum Erzbischof der Metropole Detroit. Weisenberger war bis dahin Bischof von Tucson in Arizona, wo er gleichfalls als Anwalt der Migranten ohne Papiere bekannt wurde.
Ein „Brandbrief“ des Papstes
Vonseiten der Trump-Administration tat sich dann der zum Katholizismus konvertierte Vizepräsident J. D. Vance hervor, der die Kritik auch katholischer Bischöfe an den Deportationsplänen mit schmalspurtheologischer Argumentation erwiderte. Er bezog sich auf das bei Augustinus oder Thomas von Aquin vorfindliche Konzept eines ordo amoris und empfahl seinen Kritikern, das Wort zu googeln. Außerdem warf er den katholischen US-Bischöfen vor, sie seien deswegen gegen die Pläne Trumps, weil sie über 100 Millionen Dollar staatlicher Mittel zur Betreuung illegaler Migranten erhalten würden. Die US-Bischofskonferenz wies die Vorwürfe zurück: Die von der Kirche selbst aufgebrachten Mittel für die Migranten würden die staatlichen Zuschüsse übersteigen.
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