Inmann - © Foto: Privat
Politik

„Etwas zurückgeben“

1945 1960 1980 2000 2020

Die Zahl der Start-ups ist rückläufig. Startups aber, bei denen junge Unternehmer mit anderen Playern an Sozialprojekten arbeiten, florieren. Interview mit einer Vernetzerin.

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Die Zahl der Start-ups ist rückläufig. Startups aber, bei denen junge Unternehmer mit anderen Playern an Sozialprojekten arbeiten, florieren. Interview mit einer Vernetzerin.

Barbara Inmann führt im Team das Netzwerk „Impact Hub“, eine globale Plattform für Social Entrepreneurs mit 16.000 Mitgliedern weltweit. Ein Gespräch über verschmähten Reichtum, globale Herausforderungen und spielerische Lösungen für Konflikte.

DIE FURCHE: Start-ups hängt der Ruf an, innovative Jungunternehmer schnell zu Millionären zu machen. Der Impact Hub versucht, sozialen Start-ups zum Erfolg zu verhelfen. Das klingt nach dem Gegenteil von Reichtum.
Barbara Inmann: Ja, man steckt für gewöhnlich schon zurück. Aber wir sind mit der Globalisierungskritik groß geworden. Wir wissen, dass es uns sehr gut geht. Und dass es anderen in der Gesellschaft sehr schlecht geht. Lokal und global gesehen. Wahrscheinlich ist es so: Wir haben eigentlich zu viel, und irgendwie muss man was zurückgeben, man ist eigentlich verpflichtet dazu.

DIE FURCHE: Und was kann nun das Start-up da tun – und wozu braucht es einen Impact Hub, also eine Drehscheibe?
Inmann: Start-ups bestehen aus kleinen Teams, die viel schneller Probleme lösen können. Sie machen schneller Fehler, korrigieren sie aber auch viel schneller. In diesen Strukturen können Dinge probiert werden, die einer großen Organisation nicht möglich wären. Der Impact Hub unterstützt sie inhaltlich durch Inkubationsprogramme, vernetzt sie mit Unterstützern, Finanziers und Institutionen und auch untereinander. Als wir begannen, hieß es, soziales Unternehmertum ist ein Hype und braucht es nicht, dafür haben wir den Sozialstaat. In den vergangenen 10 Jahren haben wir 300 soziale Start-ups unterstützt und umgesetzt – und es hat ein Umdenken eingesetzt.

DIE FURCHE: Sie sprechen von Vernetzung, was wäre denn ein konkretes Beispiel dafür.
Inmann: Ein öffentlich sehr bekanntes Beispiel sind „Shades Tours“, bei denen Obdachlose, Geflüchtete und Personen mit Abhängigkeitsvergangenheit durch ihre Welt führen und Aufmerksamkeit für ihre Lebensumstände schaffen. Durch die Arbeit mit Schulen und der Öffentlichkeit schafft man Verständnis für soziale Anliegen und Notlagen. Dabei werden nicht nur Jobs gechaffen, sondern auch sozialpolitisch gebildet und systemisch überlegt, wie man die Herausforderung lösen kann. Solche Start-ups arbeiten auch oft mit Partnern im NGO-Bereich, der Privatwirtschaft oder auch Ministerien oder Gemeinden zusammen. Wir als Impact Hub bringen die unterschiedlichen Interessengruppen an einen Tisch und versuchen, etwas Gemeinsames zu schaffen. Wir haben auch laufend Veranstaltungen wie die Impact Days, wo Leute aus verschiedenen Bereichen einander treffen.