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Wie soll ein Bischof sein?

Wie soll ein Bischof sein? Darüber haben jüngst viele Menschen ernsthaft nachgedacht: die Teilnehmer an der Weltbischofssynode imVatikan und auch die Vertreter hunderter Reformgruppen, die in einer "Kirchenvolks-Synode" in Rom die offiziellen Beratungen kritisch begleiteten. In Wien beschäftigt sich diese Woche die Österreichische Bischofskonferenz mit den Ergebnissen der römischen Synode, und auch die Plattform "Wir sind Kirche" widmete eine "Kirchenvolks-Konferenz" in Wien einem zeitgemäßen Anforderungsprofil für Bischöfe.

Dass bei diesen Veranstaltungen unterschiedliche Ergebnisse herauskamen, wird niemanden verwundern, obwohl bei genauerem Hinsehen die Differenzen so dramatisch gar nicht sind. Bemerkenswerter ist vielmehr ein übereinstimmender Trend: In allen vier Foren wurde immer wieder ein stärkeres Mitspracherecht der Diözesen bei der Bestellung neuer Bischöfe gefordert. Der Bischof ist nicht nur ein Vertreter Roms gegenüber der Ortskirche, sondern auch ein Anwalt der Ortskirche gegenüber Rom. Er sollte daher nicht nur das Vertrauen des Papstes, sondern genau so das Vertrauen seiner Diözese haben.

Diese weitgehende Übereinstimmung im Denken ist an sich schon ein Reformerfolg und der Sache nach nichts anderes als eine Rückkehr zu einem schon im fünften Jahrhundert kultivierten Grundsatz der Kirche, dass, was alle angeht, von allen behandelt werden sollte. Bei den jüngsten Bischofsernennungen für Österreich war ein Bemühen des Vatikans, Provokationen zu vermeiden, deutlich erkennbar, auch wenn es bisher zu keiner kirchenrechtlichen Verankerung eines allgemeinen Mitbestimmungsrechtes gekommen ist.

Aber, so ließ Bischof Alois Kothgasser wissen, der Österreich bei der Synode in Rom vertrat, schon jetzt bestünden ja solche Möglichkeiten der Mitwirkung, die "besser, umfassender und objektiver genützt werden sollten". Da Bischof Kothgasser selbst einer Arbeitsgruppe vorstand, die dafür konkrete Vorchläge ausarbeitete, darf gehofft werden, dass er diese in Rom mit Nachdruck vertreten und auch die Bischofskonferenz dafür gewonnen hat.

Hubert Feichtlbauer ist freier Publizist und Vorsitzender der Plattform "Wir sind Kirche".

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