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Was Bischöfe besprechen

Eine deutsche Zeitung „enthüllte" kürzlich Details aus einem Protokoll der .österreichischen Bischofskonferenz. Die FURCHE dokumentiert diesen aufsehener- - regenden Beitrag .

Was bewegt Bischöfe, wenn sie hinter verschlossenen Türen tagen? Welche Informationen liegen ihnen vor, die der Normalgläubige nicht bekommt? Denken Oberhirten tatsächlich so einstimmig, wie die veröffentlichten Ergebnisse oft glauben machen wollen? Oder ringen auch Bischöfe um Einsichten? Wie gehen sie um mit dec Fragen der Menschen?

Dem „Rheinischen Merkur/Christ und Welt" liegen Auszüge aus dem Protokoll der Sitzung der Österreichischen Bischofskonferenz vor, die Anfang April dieses Jahres tagte. Das Dokument verdient Aufmerksamkeit, weil es auch Themen berührt, die selten an die Öffentlichkeit dringen, obwohl sie diese betreffen. Da wird beispielsweise vom Besuch des Apostolischen Nuntius, Donato Squicciarini, berichtet, der „zwei Dinge zu bedenken" gibt, „die er in Rom mit den zuständigen Behörden besprochen hat. Beide hängen mit der Ernennung von Professoren an den katholischen-theolpgischert Fakultäten zusammen, die an staatlichen Universitäten eingerichtet sind: L Zunahme von Laienprofessoren; 2. Unterzeichner der ,Kölner Erklärung'. "

Die Zahl der Laien als Professoren in Hauptfächern werde immer größer, eine „Sorge", die die katholische Kirche mit der orthodoxen Kirche teile. Mit den deutschen Bischöfen - so der Nuntius - sei �,diese Frage schon in Rom ????????rochen" wonien. Die Kirche wolle „Fakultäten an staatlichen Universitäten, um die Präsenz der Kirche in diesem Bereich zu sichern. Die Professoren fühlen sich jedoch oft mehr als Beamte des Staates denn als Vertreter der Kirche. Durch Laien scheint das Gewünschte nicht mehr garantiert. " Von den 75 Professoren in Hauptfächern, so wird ???????? dem Protokoll ergänzt, seien in Osterreich zur Zeit acht Laien und zwei Diakone. Der Nuntius bittet daher um „Gewinnung eines positiven Ansatzes".

Und welche Direktive bringt der Nuntius im Zusammenhang mit der sogenannten Kölner Erklärung (Januar 1 989) aus der Ewigen Stadt mit? Das Protokoll notiert: „Jene Unterzeichner, die schon als Pro-

fessoren im Amt sind, werden nicht berührt. Jene aber, die sich um ein Amt bewerben, werden laut römischer Entscheidung nicht zugelassen. Dies ist nicht einfach eine Disziplinierung, sondern entspringt der Sicht der Kirche als ,communio'. Die einzelnen müssen die ,communio' fördern, sei es gegenüber dem Papst wie gegenüber den Bischöfen. Journalisten et cetera mögen in dieser Hinsicht richtig instruiert werden. Das alleinige Ziel ist: daß Christus mehr erkannt und geliebt wird."

Offensichtlich haben die österreichischen Bischöfe an dieser Stelle nachgefragt, ob nicht „auch von seiten Roms bisweilen die Liebe verletzt worden wäre". Dazu erläuterte der Nuntius, „daß sicher jeder sich diese Gewissensfrage

stellen müsse." Aber bei allem gelte: „J edenfalls müssen wir der Welt ein Zeugnis für die Einheit geben. " Die Fragen gingen alle an: „Die Bischöfe sollen mitwirken, daß für die Hauptfächer Priester zur Verfügung stehen und auch mit den Laien entsprechend reden. Das Lehramt hängt jedenfalls mit der Weihe zusammen." Eine sofortige L,ösung sei nicht verlangt, aber die Bischöfe werden aufgefordert zum „ Überlegen" !

Der Tagesordnungspunkt 1 1 .2.2. sieht ein anderes Problemfeld vor: „ Verhalten der Bischöfe zur Frage der ,Ministrantinnen"'. Der Salzburger Erzbischof Eder referiert zunächst die Situation: Die Gesetzeslage sei „klar", die Praxis ;, weithin anders, ohne daß die Bischöfe die Regelung urgierten. Der Zusammenhang mit dem Priesternachwuchs muß gesehen werden. Ein deutlicher Hinweis der Bischöfe wäre angebracht." Im Gespräch, so notiert das Protokoll, „zeigt sich, daß kein Bischof die Ministrantinnen gefördert hat, sie werden geduldet, nicht zuletzt in der Erwartung einer möglichen Änderung der diesbezüglichen Vorschriften (es gibt verschiedene Andeutungen)."

Die Diskussionsmitschrift der österreichischen Bischöfe zum Thema „Ministrantinnen" im Wortlaut:

„Möglicherweise wird das Gesetz geändert (Kapellari). Trotz Ankämpfens nicht dl.irchgekommen (Weber). Geänderte Erziehungspraxis zu beobachten (Koeduka-• tion!) (Stecher). Kein Konnex mit der Weihe der Frau (Zak). Bei Einschreiten schwerwiegende Verletzungen (Stecher). Die Vorschrift muß urgiert werden (Krenn), man wird ständig darauf angesprochen. Zur ,Loyalität' gehört auch, die Schwierigkeiten in Rom vorzutragen (Krätzl). Verwobenheit mit der Typologie der westlichen Liturgie ist zu beachten - vielleicht Studientag (Kapellari). Klare Haltung der österreichischen Bischöfe wünschenswert (Krenn). Frage ist doch bedeutsam - Änderung di;?r Regelung ist nicht zu vermuten (Küng). Ständige Provokationen. Urgenz schwierig. Auf Anfrage klare Antwoi:t - niemanden wegschicken (Groer). .Enuntiation- im jetzigen Zeitp'unkt wäre Unklug (Moser). Es gib,t kaum Trotzhaltung, häufig pragmatische Gründe (zu• wenig Buben) (Weber). Es reicht das allgemeine Gesetz - keine Erklärung der Bischöfenötig (Zak). Ministrantinnen scheinen nicht . gegen . d3s Traditionsempf????den zu verstoßen, häufig in den erttleg????????ste'! Dörfern. Es gab bisher noch . keine einzige Beschwerde (Stecher). Das kla;re Vert?ot ist vielen t.inhekanμt (Grw). Zusamrlum.h????ng roit Diakonat der Frau '(Eder). Das Ziel ldar im Ange behalten???? mit Argumenten helfen. Doch keinen ,casus belli' daraus machen (Kapellari)."

Weil keine befriedigende Lösung dieser Frage in Sicht sei, wurde das Gespräch „abgeschlossen. Erzbischof Eder (Salzburg)' bedauert, keine Hilfe von den Bischöfen erhalten zu haben."

Danach beschäftigten sich die Bischöfe „ übergangslos aus dem vorigen Thema" mit dem TOP „Klarstellung zur Frage der Dia:.. konenweihe der Frau". Bischof

Stecher verwies darauf, „daß diese Frage mit den ,Ministrantinnen' nicht zu vergleichen sei; weibliche Diakone könnten nicht ,per viam facti' eingeführt werden." Ein Bischof (Küng) stellte in seiner Diözese „eine Bewegung fest, die diese Frage vorantreiben will. Man möge klar sagen, daß Diskussionen zu diesem Thema verlorene Zeit seien. Bischof Aichern berichtet von der letzten Bischofssynode (über die Laien): „Es sei vereinbart gewesen, die Frage ,Diakonen weihe der Frau' nicht zu berühren, trotzdem habe man immer wieder damit angefangen. "

Auch die „Causa Drewermann" beschäftigt die Bischöfe. Das Buch „Kleriker" sei in der Bundesrepublik Deutschland „beim. jungen Klerus fast ein ,Kultbuch"', berichtet Bischof Weber. „Dazu käme

die Schwierigkeit, daß der Priester in seiner Lebensform von der Gemeinde oft nicht mehr getragen würde." Eine Arbeitsgruppe aus Bischöfen, Regenten, Professoren und jungen Priestern solle gebildet werden und möglichst bis zum Sommer schon Ergebnisse vorlegen. Ein „Fachmann in Sachen Tiefe;n psychologie" solle hinzugezogen werden, da Drewermann selbst „keine psychologische Ausbildung" habe. Der Antrag „In kirchliche Häuser ist Drewermann nicht einzuladen. Dies soll nicht öffentlich verkündet werden, sondern ist den Bildungshäusern, Schulamtsleitern und kirchliChen Medien in geeigneter Form mitzuteilen" wird schließlich „einstimmig angenommen" („Votum 15:0:0").

Und noch eine Erkenntnis aus dem Protokoll des österreichischen Episkopats: So problematisch es offensichtlich für einige Oberhirten ist, wenn Mädchen den Altardienst vertichten, . so nützlich scheiit· die· Hilfe- von Laien in ei???? nem ganz anderen Fall (TOP 1 1.6). Denn die „Dechantenkonferenz der Diözese Linz hat an den Bischof die Bitte gerichtet, die Möglichkeit einer Zulassung von Laien zum Begräbnisdienst zu prüfen beziehungsweise um diese Erlaubnis einzukommen. Besonders in den größex:en Städten wäre dies ei????e große Erleichterung für den Klerus. Für Wien wurde die Erlaubnis von Rom gegeben."

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