Vatikan Bischof Schönborn Krenn - © Bild von wendy CORNIQUET auf Pixabay

Schönborn und Krenn: Heikle Bischofsernennungen des Vatikan

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Die Gleichzeitigkeit der Ernennung von Kurt Krenn zum Diözesanbischof von St. Pölten und von P. Christoph Schönborn OP zum Weihbischof in Wien ist ein Beispiel ausgeklügelter vatikanischer Personalpolitik.

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Die Gleichzeitigkeit der Ernennung von Kurt Krenn zum Diözesanbischof von St. Pölten und von P. Christoph Schönborn OP zum Weihbischof in Wien ist ein Beispiel ausgeklügelter vatikanischer Personalpolitik.

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Katholische Insider, die noch vor kurzem mit anderen Personalentscheidungen in Wien und St. Pölten rechneten, haben sich nichts vorzuwerfen, denn auch der bisherige Bischof von St. Pölten, Franz Zak, unterlag im Zusammenhang mit der Ernennung seines Nachfolgers mehreren Irrtümern. Dass er die Nachricht aus dem Radio erfahren musste, nannte Zak selbst „empörend“ und „persönlich beleidigend“, was auch Bischof Krenn „gut verstehen“ konnte. Krenns Hinweis auf ein „Missgeschick“ – der Nuntius habe erst nach der Zustimmung des Ministerrates Zak verständigen können, aber da sei eben schon zuvor jemand gegenüber den Medien „indiskret“ gewesen – erklärte bestenfalls einen Teil von Zaks verständlicher und berechtigter Verärgerung.

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Er erklärt nicht, warum zugleich die gar nicht dem Ministerrat vorgelegte Ernennung des Dominikaners Christoph Schönborn bekannt wurde. War gar nicht – oder jedenfalls nicht nur – der Ministerrat Quelle der „Indiskretion“? Er erklärt nicht, warum Krenns Name laut Zak in Gesprächen mit dem Nuntius „eigentlich nie ins Kalkül gezogen“, wurde und, wenn Zak die Rede auf diesbezügliche Gerüchte brachte, ihm versichert wurde, „dass diese Gerüchte nicht stimmen“. Er erklärt nicht, warum Zak noch wenige Tage vorher bestätigt wurde, sein Nachfolger werde im September ernannt, sollte nicht „etwas Unterwartetes“ eintreten.

Wieder einmal erhalten Gerüchte Nahrung, es gebe seit Jahren eine Liste von sieben Leuten, die zu Bischöfen in Österreich ausersehen seien, und Nuntius Donato Squicciarini habe bei seinem Amtsantritt durchblicken lassen, die nächsten Ernennungen seien schon ohne sein Zutun so gut wie gelaufen. Sollte es mit der „Siebenerliste“ wirklich seine Richtigkeit haben und sollten die angeblich darauf befindlichen Namen stimmen (Hans Hermann Groër, Alfred Kostelecky, Kurt Krenn, Klaus Küng, Georg Eder, Christoph Schönborn, Andreas Laun), ist davon nur mehr ein Kandidat ohne Bischofssitz und daher als erster Anwärter auf einen solchen zu werten.

Rom platziert Vertrauensleute

Die jüngsten Ernennungen lassen vermuten, dass die bisherigen Linie fortgesetzt wird: Das heißt, Rom platziert seine Vertrauensleute nach eigenen strategischen Überlegungen, denen die Wünsche der jeweiligen Ortskirche und der bisherigen Amtsträger untergeordnet werden. Da der Informationsprozess vor Ort vertraulich, also geheim, durchgeführt wird, kann freilich auch niemand beweisen, dass sich der Papst über die Vorschläge der Ortskirche, und womöglich auch seines Nuntius, hinweggesetzt und von seinem Recht der freien Ernennung (Das fraglos besteht, aber nicht immer bestanden hat) Gebrauch gemacht hat.

Rom platziert seine Vertrauensleute nach eigenen strategischen Überlegungen, denen die Wünsche der jeweiligen Ortskirche und der bisherigen Amtsträger untergeordnet werden.

Österreichs Episkopat trägt die Handschrift dieses Papstes. Nur noch zwei österreichische Diözesanbischöfe, Stefan László in Eisenstadt und Johann Weber in Graz, wurden nicht von Johannes Paul II. ernannt. Man kann nur hoffen, dass dem gegenwärtigen Oberhirten des Burgenlandes die Erfahrungen seiner langjährigen Amtsbrüder Bruno Wechner und Franz Zak erspart bleiben.

Zeichnet sich auf der kirchlichen Landkarte in weiteren Gebieten eine innere Polarisierung ab? Wenn man sagt, dass Bischöfe heute kaum mehr als „konservativ“ und „progressiv“ unterscheidbar sind, ist das sicher richtig. Eher sind „Hardliner“ und Männer des Dialogs auseinanderzuhalten, uns insofern war die gleichzeitige Ernennung von Krenn und Schönborn ein ausgewogener Vorgang. Natürlich stehen beide von einem bestimmten Blickwinkel aus betrachtet in der „konservativen“ Ecke, aber die meisten, die beide kennen, versichern: „Zwischen den beiden liegen Welten.“

Was Krenn entgegenkommt

Bischof Krenn wird es in St. Pölten sicher schwer haben, seine Kritiker, wie er es vorhat, „zu gewinnen“, aber man soll nicht von vornherein ausschließen, dass er versucht, ein Bischof für alle zu sein. Entgegen kommt ihm der Umstand, dass Bischof Zak bewusst seine langjährigen Mitarbeiter bis jetzt im Amt belassen hat, damit sein Nachfolger ein neues Leitungsteam aufbauen und ohne Verwunderungen den bisherigen Führungsstab in Pension schicken kann. Sicher wird sich Krenn aufmerksam der ihm allein unterstellten Philosophisch-Theologischen Hochschule, die er von drei Semestern Lehrtätigkeit kennt, und dem Medien-Großunternehmen „Niederösterreichisches Pressehaus“ (zu 80 Prozent im Besitz der Diözese St. Pölten) widmen.

Die jüngsten Ernennungen lassen vermuten, dass die bisherigen Linie fortgesetzt wird.

Beim Thema Ministrantinnen wies Krenn auf die römischen Richtlinien hin, ließ aber seine Entscheidung offen. Sein Wort, er wolle nicht, dass Kinder zu „Opfern“ in solchen Konflikten werden, kann man als Andeutung verstehen, dass er sich Mädchen bis zur Pubertät im Altardienst vorstellen kann. Aber bringt es nicht katholische Feministinnen erst recht auf die Palme, wenn nur Kindlichkeit, aber nicht Fraulichkeit am Altar akzeptiert wird?

In Wien wird dem renommierten Theologen Christoph Schönborn, dessen Ernennung wesentlich positivere Reaktionen auslöste, seine Fähigkeit zum Dialog das schwere Krenn-Erbe (Hochschulgemeinde) erleichtern. Dass er in einigen Jahren die Nachfolge von Erzbischof Kardinal Hand Hermann Groër antreten kann, gilt zwar jetzt als wahrscheinlich, aber noch nicht als sicher. Und ob für Kurt Krenn St. Pölten Endstation bleiben oder ihn sein Weg noch nach Rom oder anderswohin führen wird, bleibt ebenfalls offen.

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