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In memoriam Johann Weber

Bischof Johann Weber - © Foto: Gerd Neuhold / Sonntagsblatt
Religion

Johann Weber: Ein guter Hirte

1945 1960 1980 2000 2020

Als der Grazer Stadtpfarrer Johann Weber 1969 zum 56. Bischof von Graz-Seckau wurde, ahnte kaum einer, welche Turbulenzen Österreichs Kirchenschiff bevorstehen würden. Wie kaum ein anderer war Johann Weber, der 32 Jahre an der Spitze seiner Diözese stand, gefordert. Nun ist der „Herzbischof“ der Steirer 85 Jahre alt geworden.

1945 1960 1980 2000 2020

Als der Grazer Stadtpfarrer Johann Weber 1969 zum 56. Bischof von Graz-Seckau wurde, ahnte kaum einer, welche Turbulenzen Österreichs Kirchenschiff bevorstehen würden. Wie kaum ein anderer war Johann Weber, der 32 Jahre an der Spitze seiner Diözese stand, gefordert. Nun ist der „Herzbischof“ der Steirer 85 Jahre alt geworden.

Als der Grazer Stadtpfarrer Johann Weber 1969 zum 56. Bischof von Graz-Seckau wurde, ahnte kaum einer, welche Turbulenzen Österreichs Kirchenschiff bevorstehen würden. Wie kaum ein anderer war Johann Weber, der 32 Jahre an der Spitze seiner Diözese stand, gefordert. Nun ist der "Herzbischof“ der Steirer 85 Jahre alt geworden.

Die Begegnungen sind spärlich geworden. Das ist so, wenn einer nun schon elf Jahre als Emeritus nicht mehr in der ersten Reihe der Kirche steht. Und doch leibt und lebt Johann Weber, der am 26. April seinen 85. Geburtstag feiert, wie eh und je. Einschränkungen im Hörvermögen sind der augenfälligste Tribut, den der langjährige Grazer Bischof dem Alter zollt. Aber sonst bleiben die Gelassenheit, die Zuversicht und auch der realistische Blick auf Gesellschaft und Kirche, die Johann Weber so auszeichnen, ungebrochen. Bei der letzten persönlichen Begegnung - ein Symposion über Altenpastoral Ende Februar in St. Pölten - begeisterte Weber einmal mehr mit seiner einfachen wie klaren Sprache, gepaart mit hintergründiger Verschmitztheit.

In Momenten wie dem geschilderten blitzt auf, welches Potenzial der österreichische Episkopat jahrzehntelang bieten konnte - Lichtgestalten neben der langjährigen Lichtgestalt eines Kardinals König. Einige der großen Alten der katholischen Kirche im Land - Reinhold Stecher in Innsbruck, eben 90 geworden, Helmut Krätzl in Wien, gerade 80, Maximilian Aichern in Linz, Paul Iby in Eisenstadt - geben bis heute beredt Zeugnis von einer Ortskirche, die durchs Konzil geprägt wurde, der es jedoch von den übergeordneten Instanzen nicht leicht gemacht wurde, diesen Weg zu gehen. Als erster, weil dienstältester, dieser exemplarischen bischöflichen Gestalten ist Johann Weber zu nennen. Das pastorale Attribut "guter Hirte“ trifft genau auf einen Bischof wie ihn zu.

Troubleshooter und Volksbischof

Dabei waren es nicht pastorale Beschaulichkeiten, sondern zwei Feuerwehraktionen, welche das Wirken dieses Bischofs nachhaltig prägten. Die erste bildete schon den Grund seiner Ernennung im Jahr 1969. Denn damals - vier Jahre nach dem Ende des II. Vatikanums - war an der Mur der Richtungsstreit zwischen Vorwärtsstürmern und Bewahrern weit ausgeprägter als anderswo in Österreich. In seinem ersten FURCHE-Interview meinte Weber, die Steiermark wäre nicht das "österreichische Holland“. Wer käme heute auf die Idee, Graz-Seckau mit der niederländischen Unruhekirche zu vergleichen? Aber um 1968 eskalierten die Auseinandersetzungen zwischen den "wilden jungen Kaplänen“ und den Arrivierten im Klerus. Bischof Josef Schoiswohl warf entnervt das Handtuch - und der beliebte Pfarrer von Graz-St. Andrä, der im Umfeld der Katholischen Arbeiterjugend geistlich groß geworden war, Johann Weber eben, über- nahm den Bischofsstab. Schon bald gelang es ihm, die auseinanderdriftenden Lager wieder zu einen. Das steirische Klima wurde sprichwörtlich, der Aufruhr verlagerte sich in andere Kirchengegenden Österreichs.

Als der Grazer Stadtpfarrer Johann Weber 1969 zum 56. Bischof von Graz-Seckau wurde, ahnte kaum einer, welche Turbulenzen Österreichs Kirchenschiff bevorstehen würden. Wie kaum ein anderer war Johann Weber, der 32 Jahre an der Spitze seiner Diözese stand, gefordert. Nun ist der "Herzbischof“ der Steirer 85 Jahre alt geworden.

Die Begegnungen sind spärlich geworden. Das ist so, wenn einer nun schon elf Jahre als Emeritus nicht mehr in der ersten Reihe der Kirche steht. Und doch leibt und lebt Johann Weber, der am 26. April seinen 85. Geburtstag feiert, wie eh und je. Einschränkungen im Hörvermögen sind der augenfälligste Tribut, den der langjährige Grazer Bischof dem Alter zollt. Aber sonst bleiben die Gelassenheit, die Zuversicht und auch der realistische Blick auf Gesellschaft und Kirche, die Johann Weber so auszeichnen, ungebrochen. Bei der letzten persönlichen Begegnung - ein Symposion über Altenpastoral Ende Februar in St. Pölten - begeisterte Weber einmal mehr mit seiner einfachen wie klaren Sprache, gepaart mit hintergründiger Verschmitztheit.

In Momenten wie dem geschilderten blitzt auf, welches Potenzial der österreichische Episkopat jahrzehntelang bieten konnte - Lichtgestalten neben der langjährigen Lichtgestalt eines Kardinals König. Einige der großen Alten der katholischen Kirche im Land - Reinhold Stecher in Innsbruck, eben 90 geworden, Helmut Krätzl in Wien, gerade 80, Maximilian Aichern in Linz, Paul Iby in Eisenstadt - geben bis heute beredt Zeugnis von einer Ortskirche, die durchs Konzil geprägt wurde, der es jedoch von den übergeordneten Instanzen nicht leicht gemacht wurde, diesen Weg zu gehen. Als erster, weil dienstältester, dieser exemplarischen bischöflichen Gestalten ist Johann Weber zu nennen. Das pastorale Attribut "guter Hirte“ trifft genau auf einen Bischof wie ihn zu.

Troubleshooter und Volksbischof

Dabei waren es nicht pastorale Beschaulichkeiten, sondern zwei Feuerwehraktionen, welche das Wirken dieses Bischofs nachhaltig prägten. Die erste bildete schon den Grund seiner Ernennung im Jahr 1969. Denn damals - vier Jahre nach dem Ende des II. Vatikanums - war an der Mur der Richtungsstreit zwischen Vorwärtsstürmern und Bewahrern weit ausgeprägter als anderswo in Österreich. In seinem ersten FURCHE-Interview meinte Weber, die Steiermark wäre nicht das "österreichische Holland“. Wer käme heute auf die Idee, Graz-Seckau mit der niederländischen Unruhekirche zu vergleichen? Aber um 1968 eskalierten die Auseinandersetzungen zwischen den "wilden jungen Kaplänen“ und den Arrivierten im Klerus. Bischof Josef Schoiswohl warf entnervt das Handtuch - und der beliebte Pfarrer von Graz-St. Andrä, der im Umfeld der Katholischen Arbeiterjugend geistlich groß geworden war, Johann Weber eben, über- nahm den Bischofsstab. Schon bald gelang es ihm, die auseinanderdriftenden Lager wieder zu einen. Das steirische Klima wurde sprichwörtlich, der Aufruhr verlagerte sich in andere Kirchengegenden Österreichs.

Unvergesslich, wie am 6. April 1995 der Bischof aus der südlichen Provinz souverän der Weltpresse gegenübertrat und sich im Nu zum guten Gesicht der katholischen Kirche Österreichs mauserte.

"Meine Lehrmeister sind die Menschen des Volkes, vor allem die engagierten Katholiken“, erzählte Weber 1999 im FURCHE- Interview. Solch demütigen Zugang schätzten die Steirer zeit seines Wirkens. Unter Webers Ägide wurde Kirche als Institution auch öffentlich und erfahrbar - Großevents wie der "Steirische Katholikentag“ (1981), der "Tag der Steiermark“ (1993) oder die "Zweite Europäische Ökumenische Versammlung“ in Graz (1997) waren markante Zeichen für diesen Zugang. Der Salzburger Journalist Josef Bruckmoser hat über alle Facetten ein Buch verfasst ("Johann Weber. Kirche auf der Spur des Konzils“, Styria 2001), wo man viele Details nachlesen kann.

Unvergesslich auch die zweite Feuerwehraktion, zu der Johann Weber gezwungen war. Unvergesslich jene Tage in der Fastenzeit 1995, als das Nachrichtenmagazin profil mit Enthüllungen über den damaligen Wiener Kardinal Hans Hermann Groër aufwartete. Die Bischofskonferenz kürte - trotz der Aufregung - am 4. April Groër für eine weitere Periode zum Vorsitzenden. Doch schon tags darauf musste erneut gewählt werden, der öffentliche Druck war zu groß. Johann Weber, der in den Jahren davor die Zermürbungstaktik der rabiat-konservativen Stars unter den Bischöfen, allen voran St. Pöltens Kurt Krenn, hatte ertragen müssen, wurde zum neuen Vorsitzenden des Episkopats gewählt. Unvergesslich, wie am 6. April 1995 der - körperlich - kleine Bischof aus der südlichen Provinz souverän der Weltpresse gegenübertrat und sich im Nu zum guten Gesicht der katholischen Kirche Österreichs mauserte.

Er hatte danach eine Menge zu tun: Das Kirchenvolks-Begehren erreichte eine halbe Million Unterschriften; Johann Weber ließ sich Aktivität um Aktivität einfallen, um die Herde wieder in ruhigere Fahrwasser zu steuern. So lud er 1996 das Kirchenvolk zur "Wallfahrt der Vielfalt“ nach Mariazell (Motto: "Streiten und beten“) und erfand den "Dialog für Österreich“, der nach einem neuerlichen Aufflackern der Affäre Groër mit der Delegiertenversammlung vom 26. Oktober 1998 zum letzten großen katholischen Beratungs- und Diskussionsevent wurde. Seither gab es kein österreichweites Votum des Katholizismus mehr.

In die Seelsorge zurückgekehrt

Weber wusste: Wollte er den Kurs des Dialogs, den er in seiner Diözese so erfolgreich verankert hatte, auch österreichweit nachhaltig machen, musste er Christoph Schönborn, den eben zum Kardinal kreierten Wiener Erzbischof, mit ins Boot holen. Deshalb gab Weber im Juli 1998 den Vorsitz der Bischofskonferenz an Schönborn weiter. Doch am Vorabend der Delegiertenversammlung zum "Dialog für Österreich“ erkrankte Schönborn - und Weber musste als Vorsitzender der Versammlung einspringen. Dass diese mit überwältigen Mehrheiten für moderate, aber klare Anliegen der Kirchenreform votierte, war nicht überraschend. Doch trotz der souveränen Leitung durch Weber blieb der "Dialog für Österreich“ ohne Frucht, Kurt Krenn erklärte ihn kurz später gar für tot.

Drei Jahre später kam Weber (einmal mehr hatten Konservative gegen ihn Stimmung gemacht) um seinen Rücktritt ein. Am Weißen Sonntag 2001 übergab er den Bischofsstab an seinen Nachfolger Egon Kapellari.

In den elf Jahren im Ruhestand ist es um Johann Weber ein wenig stiller, aber niemals ruhig geworden. Der Emeritus ist in die Seelsorge zurückgekehrt, aus der er anno 1969 an die Diözesanspitze gehievt worden war. Wer ihm heute begegnet, hat nicht den Eindruck, dass er darüber unglücklich wäre. Im Gegenteil. Die Diözese Graz-Seckau hat mit ihrem "Herzbischof“ bereits am letzten Sonntag in seiner Wohnpfarre Graz- St. Leonhard den 85er gefeiert.