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Bischof für"die Leute"

18 Jahre als Abt, 23 Jahre als Bischof: Die Diözese Linz und Österreichs Kirche sind Bischof Maximilian Aichern zu großem Dank verpflichtet.

Im elterlichen Fleischerbetrieb in Wien zu arbeiten, war Maximilian Aicherns erster Beruf. Die Probleme der Arbeitswelt und sein Kontakt zu "den Leuten" haben ihn aber auch später geprägt, als sich seine ganz andere Berufung herauskristallisierte: Er wurde Benediktinermönch und trat ins Stift St. Lambrecht ein. Dort zeigte sich sehr schnell sein Talent, eine kirchliche Gemeinschaft zusammenzuhalten: 1964, mit nicht einmal 32 Jahren, wurde er zu Abt-Koadjutor von St. Lambrecht gewählt, 18 Jahre sollte er das Stift in der Steiermark leiten, bis er im Dezember 1981 zum Bischof von Linz ernannt wurde.

Eine gute Überraschung

Eine Überraschung - und zunächst auch Enttäuschung - in der Diözese, denn viele, vor allem vom Konzil Bewegte, hatten den Linzer Weihbischof Alois Wagner als neuen Oberhirten erwartet. Doch Wagner, der unter anderem die Linzer Diözesansynode, die die Beschlüsse des II. Vatikanums in die Diözese implementierte, koordiniert hatte, war für jene Konservativen, die in Rom den angeblichen Liberalismus der Kirche Österreichs denunzierten, ein rotes Tuch. Wagner wurde an einen römischen Kurienposten weggelobt; nach Linz kam Maximilian Aichern.

Bis heute halten sich Gerüchte, dass damals auch schon der oberösterreichische Philosophieprofessor Kurt Krenn in den Startlöchern gescharrt habe - allerdings musste sich die spätere konservative Speerspitze noch fünf Jahre gedulden, bis seine Lobby in Rom erfolgreich war.

Wenn diese Lobby gehofft hatte, mit der Verhinderung von Weihbischof Wagner würde die Rückbesinnung auf eine glorifizierte vorkonziliare Volks- und Bischofskirche eingeleitet werden, hatte sie sich in Maximilian Aichern getäuscht.

Der neue Linzer Bischof wusste sich nämlich dem konziliaren Aufbruch verpflichtet, und zwar nicht, weil er besonders "liberal" war, sondern weil er dem vom II. Vatikanum neu ermutigten Volk Gottes viel Selbständigkeit zutraute. Dass Laienorganisationen wie die Katholische Aktion in diesem Linzer Klima bis heute sichtbar Kirche sind, ist Bischof Maximilian Aicherns Verdienst.

Für Laien und soziale Fragen

Aichern übernahm auch gesamtösterreichische Verantwortung für die Laien, unter anderem 1987 als Österreichs Vertreter bei der Bischofssynode über das Laienapostolat. Im Lauf der Jahre kamen die traditionellen Laienorganisationen durch die konservative Wende in Österreichs Kirche mehr und mehr in Bedrängnis - Aichern blieb aber bis zuletzt auch gegenüber seinen Amtsbrüdern ein beständiger und verlässlicher Anwalt für die Laien.

Das zweite, große Anliegen, für das sich Aichern über seine Diözese hinaus engagierte, waren Fragen der katholischen Soziallehre: Kirche und Arbeitswelt, soziale Gerechtigkeit ist Leib- und Lebensthema für ihn. Der Sozialhirtenbrief der österreichischen Bischöfe entstand 1989 unter seiner Federführung, auch mit dem zwischen 2000 und 2004 erarbeiteteten Ökumenischen Sozialwort, dem - weltweit einzigartigen - Projekt einer die Konfessionsgrenzen sprengenden Positionierung aller Kirchen eines Landes ist sein persönliches Engagement und Gewicht untrennbar verbunden. In den letzten Jahren schmiedete Aichern auch die "Allianz für den Sonntag", indem er Kirche und Gewerkschaften, aber auch manche Wirtschaftstreibende zur Verteidigung des "ältesten Sozialgesetzes der Welt", als das er das Gebot der Sonntagsruhe bezeichnet, zusammenschloss.

In Aicherns Diözese liegt auch das ehemalige kz Mauthausen und lebte der christliche, im Dritten Reich ermordete Kriegsdienstverweigerer Franz Jägerstätter: Für das Gedenken an diese Zeit aus christlicher Verantwortung trat Aichern ebenso ein wie für die Seligsprechung Jägerstätters, das diözesane Verfahren dazu brachte er vor einigen Jahren zum Abschluss.

"Bischof Maximilian" ist bei der überwältigenden Mehrheit in seiner Diözese beliebt und geachtet. Trotzdem wurde er von Anfang seiner Bischofszeit an von einer kleinen, aber lautstarken und vor Diffamierung nicht zurückschreckenden Gruppe äußerst Konservativer angegriffen. Aichern trug die Anwürfe geduldig und unaufgeregt.

Dennoch nahmen die Attacken vor allem in den letzten Monaten rund um eine sich als "katholisch" bezeichnende Internet-Zeitung an Rabiatheit zu: Beinah täglich wurden angebliche, bei näherem Hinsehen jedenfalls diffamierende Behauptungen von "Liturgieskandalen" in der Diözese Linz per E-Mail verbreitet und in rhetorische Fragen verpackt die Absetzung Aicherns durch Rom verlangt.

Unfaire Kampagne

Letzte Woche stellte Aichern wohl in Abrede, dass die Anwürfe etwas mit seinem Rücktritt zu tun hätten. Dem Beobachter konnte dennoch nicht verborgen bleiben, dass die in schrillem Ton und jedenfalls nicht in der Art zivilisierter Auseinandersetzung vorgebrachten Beschuldigungen letztlich zum "Erfolg", also zur Abberufung des beliebten Hirten geführt hatten. Aus Österreichs Kirchenleitung war jedenfalls kein Wort der Verteidigung gegen die unfaire Kampagne zu hören gewesen.

Auch im neuen Pontifikat bleibt Rom ob seiner Bischofsernennungs-Politik weiter im Gerede: Aichern ist nun als Apostolischer Administrator von Linz - auf Abruf - sein eigener Nachfolger.

41 Jahre als Abt und als Bischof: Österreichs Kirche ist Maximilian Aichern in vielerlei Hinsicht zu großem Dank verpflichtet.

Feldkirch

Elmar Fischer - der neue Bischof

Die Kirche solle nicht "von Opas" geleitet werden: So begründete Maximilian Aichern letzte Woche seinen Rückzug aus der Diözesanleitung von Linz. Im Fall von Feldkirch zeigte Rom aber, dass es anders denkt: Von den zwei kolportierten Kandidaten machte Generalvikar Elmar Fischer das Rennen. Der 68-jährige bisherige Stellvertreter des früheren Bischofs Klaus Küng ist nur wenig jünger als der abtretende Linzer Hirte. Der in Vorarlberg beliebte Pastoralamtsleiter Benno Elbs kam nicht zum Zug: mit 44 sei er zu jung fürs Bischofsamt, hieß es zuletzt. Immerhin wurde dem Wunsch Küngs und wohl auch der Vorarlberger nach einem Bischof aus der Diözese entsprochen, und nicht - wie zuletzt in St. Pölten, Innsbruck oder Salzburg praktiziert - ein Kandidat von außen geholt.

Fischer gilt - theologisch wie kirchenpolitisch - als ganz auf der Linie von Klaus Küng liegend. In den 90er Jahren geriet der damalige Generalvikar wegen unhaltbarer Aussagen zur Homosexualität in die Schlagzeilen. Fischer entschuldigte sich später dafür, wenn seine Aussagen Betroffene und Angehörige "verletzt" hätten.

In einem ersten Mail an seine Mitarbeiter hoffte der neu Ernannte "auf eine gute Zusammenarbeit". Elmar Fischer ist erst der dritte Bischof der Diözese Feldkich. ofri

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