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Die neuen Bischöfe

Innerhalb Jahresfrist hat Österreich drei neue Bischöfe erhalten. Die Umstände der Bestellung waren im Fall Linz heftig umstritten. Die Entscheidung ist aber auch dort mit freundlicher Zustimmung aufgenommen worden. Bedeutende Hoffnungen begleiten alle drei Oberhirten.

Im Falle Reinhold Stechers ist die Hoffnung schon im ersten Amtsjahr zur Gewißheit geworden. Am 20. Dezember 1980 war der neue Bischof von Innsbruck vorgestellt worden.

In den Herzen seiner Diözesa-nen ist der schlichte Oberhirte, dem die Last der neuen Würde weder den Humor noch die Wanderbegeisterung und auch nicht die Lust zum Radfahren geraubt hat, rasch heimisch geworden.

„Der Mensch sehnt sich nach Beheimatung", sagte Bischof Stecher vor einigen Monaten in einem Gespräch mit der FURCHE und zitierte u.a. Peter Handke. Mit Christine Busta korrespondiert er.

Wo hat es seit langem einen Bischof gegeben, dem moderne Literatur ein Anliegen ist, der als Religionspädagoge mit dem Lehrstand in engstem Erfahrungsverhältnis steht und der handschriftlich „Ich hoffe, daß mich die Würde nicht frißt!" einem Tiroler Briefpartner anvertraut?

Feinsinniges Kunstverständnis teilt Bischof Stecher mit Egon Kapellari, dem künftigen Bischof von Gurk-Klagenfurt, der am 24. Jänner die Bischofsweihe empfangen wird, aber schon am 3. Jänner sein Amt als Diözesanvor-steher antreten mußte, nachdem sein Vorgänger Joseph Köstner unerwartet verschieden war.

Als „Pionier der Versöhnung zwischen Deutsch und Slowenisch sprechenden Kärntnern" würdigte Kardinal König den heimgegangenen Diözesanvater, und sein Nachfolger Kapellari wird ihm in diesem Punkt nicht nachstehen: Schon am Neujahrstag sprach er ein geistliches Wort im Radio in slowenischer Sprache.

Bischof Kapellari, FURCHE-Lesern als häufiger Gastautor vergangener Jahre vertraut, kann mit Studenten, Akademikern, Künstlern umgehen, besitzt darüber hinaus ein außerordentliches Organisationstalent und hat sich als Studentenseelsorger nicht zuletzt durch soziale Umsicht und tätige Weltsolidarität ausgewiesen: ein Glücksfall für Kärnten, wie Stecher für Tirol einer ist.

Am schwersten muß der Amtsantritt dem bisherigen Benediktiner-Abtpräses Maximilian Aichern fallen, dem Kardinal König am 17. Jänner in Linz die Bischofsweihe erteilen wird. Aber auch ihm wurde von den Katholiken Oberösterreichs bereits ein herzlicher Willkomm zuteil: Man weiß, daß er ganz bestimmt nicht an den widrigen Umständen der Bischofsbestellung schuld ist.

Diese Umstände glaubt man, heute ein wenig besser als bisher durchschauen zu können. Nach den ersten massiven Stellungnahmen für Weihbischof Alois Wagner hatten die Verfechter eines zweiten Kandidaten den (irrigen) Eindruck im Vatikan zu erwecken vermocht, daß es in Oberösterreich zwei „Lager" gäbe und die Ernennung des einen oder des anderen Exponenten die Diözese spalten würde.

Seither suchte Rom nach einem dritten Kandidaten, handelte sich aber, wie man zu wissen glaubt, mehrere Absagen (wie es heißt, auch eine des nunmehr doch Ernannten) ein — alle aus Loyalität gegenüber Wagner.

Diese Loyalität war am Platz gegenüber einem Mann, der sich in seiner Treue zu Papst, Kirche und Diözese bis zum letzten Tag der eineinhalbjährigen Wartezeit nicht beirren ließ und nun auch noch Mitkonsekrator des neuen Bischofs sein wird.

Daß Weihbischof Wagner künftig eine Spitzenfunktion im Päpstlichen Entwicklungsrat Cor Unum in Rom einnehmen wird, ist nicht nur eine volle Rehabilitierung des Vielgeprüften, sondern eine sachlich wohl begründete Entscheidung: Kaum ein zweiter brächte dafür die Erfahrung eines Alois Wagner und dessen Hingabe an die Sache der Weltkirche mit.

Bischof Aichern aber (übrigens der sechste von elf Diözesanbi-schöfen, die nicht aus Oberösterreich stammten) wird als guter Seelsorger, guter Prediger und guter Wirtschafter der Diözese Linz auch ein guter Hirte sein.

Ende gut, alles gut? Nein. Denn die Erkenntnis bleibt, daß die Geheimniskrämerei um Bischofbestellungen heutigem Kirchenverständnis nicht mehr entspricht.

Das neue Kirchenrecht sieht im Kanon 228 wie bisher zwei Arten der Ernennung vor: Bestellung durch den Papst oder päpstliche Bestätigung eines „rechtmäßig Gewählten".

Eine Bischofswahl war bis ins hohe Mittelalter in der ganzen Kirche üblich und ist es in verschiedener Form noch heute da und dort. Dennoch wird niemand eine Demokratisierung" der Bischofsbestellung fordern.

Aber wenn es im neuen Codex heißt, daß die Bischöfe für die Erstellung von Dreiervorschlägen Priester und „kluge Laien" dazu befragen „können", dann muß man doch mit aller Deutlichkeit die Bitte äußern, diese Bestimmungen beizeiten im Sinne innerkirchlicher Menschenrechte zu konkretisieren.

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