Josef Marketz - © Vincenc Gotthardt
Religion

„Hirte, der nach Herde riecht“

1945 1960 1980 2000 2020

Nun ist die Ernennung des Kärntner Caritas-Direktors Josef Marketz zum Bischof von Gurk-Klagenfurt offiziell. Viele in und außerhalb Kärntens sind sich einig: Der Ernannte ist einer nach dem Geschmack von Papst Franziskus.

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Nun ist die Ernennung des Kärntner Caritas-Direktors Josef Marketz zum Bischof von Gurk-Klagenfurt offiziell. Viele in und außerhalb Kärntens sind sich einig: Der Ernannte ist einer nach dem Geschmack von Papst Franziskus.

„Ein authentischer Priester, einer mit dem Herz am rechten Fleck.“ So charakterisiert Gerda Schaffelhofer den bisherigen Kärntner Caritas-Direktor Josef Marketz, dessen Ernennung zum 66. Bischof von Gurk am Dienstag vom Vatikan offiziell gemacht wurde. Schaffelhofer, langjährige FURCHE-Geschäftsführerin und als Präsidentin der Katholischen Aktion Österreich bis 2018 „obers­te Laiin“ in der katholischen Kirche des Landes, ist Mitbegründerin des „Forums Mündige Christen“, zu dem sich Anfang Sommer 2019 in Kärnten aktive Katholiken zusammengeschlossen hatten, um gegen die „Verschleppung“ der Causa des früheren Gurker Bischofs Alois Schwarz zu protestieren.

Schaffelhofer hatte diesbezüglich auch an den Papst geschrieben und Anfang August eine Antwort von Franziskus erhalten: Er habe den Brief aufmerksam gelesen und verstehe die Bedeutung des Pro­blems. Er werde mit dem Präfekten der Bischofskongregation die Situation besprechen und beurteilen und nach einer Lösung suchen, so der Papst im Brief an Schaffelhofer.

Päpstliches Anforderungsprofil

Franziskus scheint sich nach Einschätzung nicht nur Schaffelhofers nun tatsächlich eingemischt zu haben. Das Engagement von Marketz für Arme und Migranten, für Menschen an den Rändern sei sehr überzeugend, so Schaffelhofer zur FURCHE. Außerdem sei ihm Klerikalismus „absolut“ fremd und er könne gut mit Laien zusammenarbeiten. Von daher passe Marketz in das Anforderungsprofil des Papstes für einen Bischof.

In ein ähnliches Horn stoßen viele: „Bischof ganz im Sinne von Papst Franziskus“, nannte Caritas-Präsident Michael Landau den neuen Kärntner Hirten. Marketz zeichne sich durch „einfachen Lebensstil und persönliche Bescheidenheit aus“, zudem kenne er ihn als „Mann des Dialogs“.

Auch die künftigen Amtsbrüder, allen voran Kardinal Christoph Schönborn, freuten sich über Marketz’ Ernennung: Es sei dies eine „gute, erfreuliche Entscheidung“, so der Vorsitzende der Österreichischen Bischofskonferenz gegenüber Kathpress. Er glaube, dass Marketz „sehr positiv“ in Kärnten als Bischof aufgenommen werde. Auch der Salzburger Erzbischof Franz Lackner, der Marketz am 2. Februar die Bischofweihe erteilen wird, zeigte sich „hoch erfreut“. Lackner, der Anfang des Jahres von Rom als Apostolischer Visitator nach Kärnten geschickt wurde, um in der kirchlichen Unruheprovinz nach dem Rechten zu sehen, erklärte weiter, er selbst habe den künftigen Bischof als „besonnenen und auf Ausgleich bedachten Priester in der Diözesanleitung erlebt, auch in unruhigen Zeiten“. Der Prüfbericht über die Diözese und das Wirken des früheren Bischofs Alois Schwarz, den Lackner im März nach Rom geschickt hatte, ist allerdings bis dato unveröffentlicht.

Und das Klagenfurter Domkapitel mit Dompropst Engelbert Guggenberger, der ob der allzu kritischen Abrechnung mit der Ära Schwarz Ende Juni als Diözesadministrator abgelöst worden war, versicherte dem Neuernannten „Unterstützung und Loyalität“. Die Kärntner Domherren sehen den neuen Bischof gleichfalls als einen „ganz im Sinne von Papst Franziskus für eine Kirche, die von Jesus Christus her für den Menschen da ist“. Nachsatz des Domkapitels: „Möge es dem neuen Bischof gelingen, das Vertrauen in das Bischofs­amt wiederherzustellen.“ Auch der amtierende Apostolische Adminis­trator von Gurk, Militärbischof Werner Freistetter, versicherte, dem neuen Bischof einen guten Start ermöglichen zu wollen „und ihn – bis zur seiner Weihe – mit den mir zur Verfügung stehenden Kräften zu unterstützen“.

Der 1955 im zweisprachigen St. Philippen ob Sonnegg/St. Lips geborene Marketz gehört der slowenischen Volksgruppe an. Nach Theologiestudien in Salzburg und Ljubljana wurde er 1982 in Klagenfurt zu Priester geweiht. Zuvor war ein Jahr in Ecuador als Dia­kon tätig. In Wien dissertierte er bei Paul Zulehner, der Marketz gegenüber dem ORF mit: „Er wird ein Hirte sein, der nach der Herde riecht“, bejubelte. 1992 machte Bischof Egon Kapellari Marketz zum Leiter der Slowenischen Abteilung des Seelsorgeamtes, 2009 berief ihn Bischof Alois Schwarz zum Leiter des Seelsorgeamtes. Seit 2014 steht Marketz der diözesanen Caritas vor. Den Großteil dieser Jahre war der neue Bischof auch in der Pfarrseelsorge tätig.

Fürstbischöfliches Gehaben ade

In einer ersten Stellungnahme erklärte Marketz, er habe sich „lange allein schon gegen den Gedanken gewehrt, dass das Amt mir anvertraut werden könnte ... Nun ist es trotzdem soweit gekommen.“ Dass es nicht einfach sein wird, lässt Marketz in dieser Wortmeldung anklingen.
Das sieht auch Gerda Schaffelhofer vom „Forum Mündige Christen“ so: Sie hofft, dass Marketz, der sich in den Kärntner Auseinandersetzungen des letzten Jahres bedeckt gehalten habe, mit dem Domkapitel zusammenwirkt und die Ära Schwarz aufarbeitet. Denn diese Causa sei weiter unaufgeklärt. Außerdem sei die Leitung einer Diözese an sich schon eine gewaltige Herausforderung.