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Flirt mit dem Islam ist problematisch

1945 1960 1980 2000 2020

Dieser Aufsatz wird manche Leser schockieren Harte Kritik am Islam im Zeitalter der Ökumene? Aber der Autor, Anwalt universeller Menschenbegegnung im Gottesglau-Ben, ist ein unverdächtiger Zeuge. Was er verficht, ist wert, bedacht und diskutiert zu werden.

1945 1960 1980 2000 2020

Dieser Aufsatz wird manche Leser schockieren Harte Kritik am Islam im Zeitalter der Ökumene? Aber der Autor, Anwalt universeller Menschenbegegnung im Gottesglau-Ben, ist ein unverdächtiger Zeuge. Was er verficht, ist wert, bedacht und diskutiert zu werden.

Islamische religiöse Propaganda wirbt in ganz Westeuropa. Islamische Politiker werden mit hoher Reverenz und außerordentlichen Ehrenbezeugungen empfangen. Frankreich, das einst die Hugenotten (eine unersetzbare Substanz, wie die Geschichte zeigte) austrieb, hat heute mehr Islam-Gläubige als Protestanten.

Es bedarf keines besonderen Hinweises mehr darauf: Islamisches Geld kauft Schlösser in England, Schottland, an der Riviera, kauft sich in großen, europäischen Industrieunternehmungen ein. Die Angst vor einer Drosselung des islamischen Ols hat europäische — und sogar japanische Politiker in den vergangenen Jahren beseelt. Momentan ist sie etwas geringer geworden, da sich zeigt, daß auch die islamischen öltürme nicht in den Himmel wachsen.

Es mag hier einen Augenblick befremden, wenn von „islamischem öl", „islamischem Geld" geschrieben wird. Ist das öl nicht an sich weder islamisch noch christlich noch etwa gar jüdisch? Ist das Geld nicht international?

Nein! Für den kämpferischen arabischen Islam sind Ol und Geld und Waffen und Wirtschaft und Politik eines: Mittel, um den Gott des Islam, der als Gott aller Menschen verstanden wird, offensiv durchzusetzen!

In großem Maßstab scheint heute und morgen die islamische Eroberung zu gelingen, die der schwarze Mann vom Bosporus — der türkische Wallenstein, der sich ja ein eigenes Reich schaffen wollte -, Kara Mustafa, mit der Eroberung Wiens 1683 begründen wollte.

Sinnvollerweise wird beim Osterreichischen Katholikentag 1983 der Türken und des Islam gedacht —in friedvoller, in sehr ökumenischer Weise, wenn wir Ökumene ganz groß verstehen: als eine Weltgemeinschaft der Weltreligionen —ein mögliches Ziel, eine große Vision, fern jedoch der konkreten Wirklichkeit von heute.

Es waren katholische Islam-Forscher, die Außerordentliches geleistet haben für eine wissenschaftliche Erforschung des Islam, seiner Religion, seiner religiösen Bewegungen, seiner hochdifferenzierten geistigen Strömungen. Ich erinnere nur an den großen Louis Massignon in Frankreich, Begründer einer Schule von Islam-Forschern. Und ich erinnere an Pere de Foucauld, der in der Sahara lebte und seinen geistlichen Söhnen wie sich selbst jede Islam-Mission, jede „Bekeh-rungs"-Arbeit untersagte:

Christsein als reine Präsenz, reine Strahlung, ohne irgendeinen weltlichen, politischen, ohne irgendeinen geistigen, geistlichen Imperialismus, der so viel Schaden in außereuropäischen Kontinenten angerichtet hat.

Nun ist der Islam selbst, konkret der heutige arabische Islam (übersehen wir nicht ganz die Riesenmasse des nichtarabischen Islam, der für Europa keine besondere Rolle spielt, auch gar nicht spielen will!) eine imperiale, eine imperialistische Religion, die auf Welteroberung zielt, sie sich dabei ganz offen nur weit breiter und wirtschaftlich, politisch, kulturpolitisch, religiös ausfächernder vorstellt als die Scharen, die mit Mohammed, die mit seinen früh miteinander zerstrittenen Nachfolgern auszogen.

Eine imperiale, eine imperialistische Welt-Religion steht nicht nur im Tor Europas, sondern ist mitten unter uns. Diese Zeilen wollen nicht mißverstanden werden: Sie tragen keinen anti-islamischen Charakter, wollen nur Europäer zur Selbstbesinnung einladen.

Nichts gegen die Größe, die Schönheit, die Würde islamischer Kultur, nichts gegen außerordentliche Leistungen der Unna, des islamischen Heils-Kollektivs, das den Menschen von der Wiege bis zum Grabe birgt, oftmit einer Wärme und Intensität und Vitalität birgt, um die sie christliche Gemeinden beneiden dürfen.

Nichts auch hier, gerade in Wien, gegen ka'tholische Bemühungen um Begegnung mit dem Islam, wie sie - groß - Kardinal König etwa mit seinem Auftreten in der Al-Azhar-Universität in Kairo und die Philosophisch-Theologische Hochschule St. Gabriel in Mödling präsentieren.

Wohl aber ist einiges anzumelden gegen den Flirt mit dem Islam, den auch sehr prominente Männer der Kurie, so in Tagungen in Afrika, bekundeten, wobei sie sich eines Besseren belehren lassen mußten, ohne sich dies eingestehen zu wollen: Der heutige Islam ist integralistisch bis in die Knochen, in die Knochen seiner Seele.

Er versteht sich als ausschließlich und ausschließend - trotz aller Freundlichkeiten, die heute auch islamische Theologen bei Begegnungen an die Adresse ihrer christlichen Gäste richten, wobei Werbung, Werbung, Werbung für ihre heilige Sache ganz im Vordergrund steht!

Der Islam gestattet nicht, was heute selbst für römisch-katholische raquo;Forscher selbstverständlich ist: eine Untersuchung seiner Religion, des Koran, seiner Heilsgeschichte, mit den Mitteln und Methoden der Wissenschaft, so wie die europäisch-amerikanische Zivilisation sie versteht. Hier besteht eine Barriere, die unüber-tretbar ist: Der Islam entzieht sich in seinem Kern jeder Befragung, jeder Selbst-Hinterfragung, jeder kritischen Forschung, er wehrt sie ab, ob von innen oder außen kommend.

Er wehrt dadurch eine wirkliche Begegnung der Religionen ab, genauso wie er keine christlichen Schulen, keine christliche Mission in seinen Landen duldet.

Es kann also islamischerseits ebenso wenig eine kritische Koran-Edition geben wie eine Religionsgeschichte, wie eine Erforschung der islamischen Religion: also etwas, das auch nur von ferne zu vergleichen wäre mit der innerchristlichen Forschung, die — zwar vielbefehdet bis heute — die Basis, eine unersetzliche Basis für alle christliche ökumenftche Arbeit, für alle Begegnung im Christentum zwischen römischer Kirche, orthodoxer Kirche und den evangelischen Kirchen und Gruppen bildet - nicht zuletzt für die Begegnung mit dem Judentum.

Das ist zu sehen: Wer das nicht zu sehen wagt oder übersieht, ist ein Illusionist. Der imperiale, der imperialistische, der sich in seiner Exklusivität als welterobernde, zur Welteroberung verpflichtende Islam läßt eine Berührung, also auch eine Auseinandersetzung mit seiner Religion, die streng fundamentalistisch' verstanden wird, nicht zu.

Er fordert, fordert ein, ohne dieses eine geben zu können: eine kritische Selbsterschließung, die allein auf Dauer konstruktive Zusammenarbeit mit Christen und anderen Andersdenkenden ermöglicht.

Daß es auch im Islam Unterströmungen gibt, die sehr anders denken — seit dem 10. Jahrhundert zumindest sehr anders denken -, die eine große innere Offenheit bekunden, wie die großartige Mystik des Suf ismus, steht auf einem anderen Blatt.

Flirt mit dem Islam: Wer mit einer armierten Weltreligion flirtet, soll sich in acht nehmen. Er kann sich über Nacht prostituieren, ohne das zu wollen, ohne das zu sehen. In diesem Sinne wäre eine Revision in Europa zunächst als notwendig einzusehen, dann zu praktizieren.

Partnerschaft setzt Gleichberechtigung voraus. Diese ist auf absehbare Zeit vom heutigen in-tegralistischen, fundamentalistischen arabischen Islam nicht zu erreichen. Wenn sie übermorgen erreicht werden kann, dann sind heute bereits gerade christlicher-seits Vorarbeiten für sie nötig, die ohne Illusionen ständig den Islam einfordern, jene kopernikanische Wende zu vollziehen, die unsere Kirchen doch begonnen haben, zu leisten: in diesem unserem 20. Jahrhundert.

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