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Michael Köhlmeier: Märchen sind die „Primzahl der Literatur“
Die Großmutter erzählte magisch, der Vater aufklärerisch: Michael Köhlmeier ist mit verschiedenen Erzählweisen aufgewachsen und diese haben seinen Blick auf Literatur geprägt. Im Café Sperl sprach er mit der FURCHE über die wundersamen Eigenheiten der Märchen.
DIE FURCHE: In Ihrem Buch „Von den Märchen“ erwähnen Sie, dass Ihnen Ihre Großmutter viel erzählt hat.
Köhlmeier: Sie hat mir ständig Märchen erzählt, auch erfundene, obwohl sie gar nicht der Meinung war, dass es erfundene Märchen waren. Sie hatte, weil sie zwei Weltkriege erlebt hat und den Hunger, zum Essen eine ganz persönliche Beziehung. Sie hat gesagt: „Du musst aufpassen beim Sellerie, der ist unheimlich neidisch. Man sagt, wenn man ins Püree ein bisschen Sellerie reintut, das ist gut, aber ja nicht zu viel. Und wenn er das hört, dann ist er gekränkt und ärgert sich und stellt alle möglichen Sachen an.“ Sie hat nur leise geredet über den Sellerie. Oder: „Es hat eine Zeit gegeben, da habe ich sieben kleine Kartoffeln ins Wasser getan und habe sie gekocht. Nach einer gewissen Zeit habe ich den Deckel weggenommen, da waren vierzehn große drin. Und dann habe ich einen großen Fehler gemacht: Ich habe das weitererzählt. Dann war es nicht mehr.“ Sie hat auch mit ihrem eigenen Schatten geredet. Für sie war alles belebt.
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