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Lea Dohm über Klimaschutz: „Das muss man jetzt aushalten“

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Psychotherapeutin Lea Dohm von „Psychologists for Future“ über zunehmende Klimagefühle, Verzögerungsdiskurse und den verstörenden Aktivismus der „Letzten Generation“.

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Psychotherapeutin Lea Dohm von „Psychologists for Future“ über zunehmende Klimagefühle, Verzögerungsdiskurse und den verstörenden Aktivismus der „Letzten Generation“.

Lea Dohm arbeitet bei der Deutschen Allianz Klimawandel und Gesundheit (KLUG), die über die Folgen der Klimakrise aufklärt und die Transformation zu einer klimaneutralen Gesellschaft unterstützen will. Mit ihrer Kollegin Mareike Schulze gründete sie 2019 die „Psychologists/Psychotherapists for Future“, ein Netzwerk von europaweit ca. 1500 Psycholog(inn)en und Psychotherapeut(inn)en. DIE FURCHE traf sie letzte Woche bei der Fachtagung „Psyche in belastenden Zeiten“, veranstaltet von pro mente Wien in der Aula der Wissenschaften.

DIE FURCHE: Angesichts der Klimakrise erscheint die Menschheit wie ein Raucher, der zwar um sein gesundheitsschädliches Verhalten weiß, aber trotzdem nicht davon loskommt. Welche Gründe sind aus Sicht einer Psychologin dafür verantwortlich?
Lea Dohm: Die individuellen Gründe können wie beim Rauchen ganz unterschiedlich sein, die typischen „Verzögerungsdiskurse“ beim Klimaschutz sind aber schon gut erforscht: Da gibt es etwa die innere Kapitulation, wenn man glaubt, dass die Folgen des Klimawandels nicht mehr abgemildert werden können. Oder Vermeidung und das Abwälzen von Verantwortung, typisch dafür ist das sogenannte „China-Argument“: Solange in Asien weiter so viel CO2 in die Luft geblasen wird, können wir hier ohnehin nichts ausrichten. Dem ist freilich entgegenzuhalten, dass China bereits groß in Erneuerbare Energien investiert und die Pro-Kopf-Emissionen der Deutschen höher sind als jene der Chinesen!

DIE FURCHE: Sie haben ein Buch über „Klimagefühle“ (2022) geschrieben. Was weiß man über dieses emotionale Spektrum?
Dohm: Die Klimakrise löst in der Regel keine angenehmen Gefühle aus: Wichtig ist, diese dennoch nicht zu verdrängen. „Klimagefühle“ können zwischen Gefühlstaubheit und Überflutung, zwischen Gleichgültigkeit und Panik schwanken. Ein mittleres Gefühlsausmaß ist ideal, denn in diesem Bereich funktionieren wir am besten. Klimaangst ist vor allem unter Jugendlichen stark verbreitet. Dann gibt es auch Traurigkeit oder Schwermut, wenn man sieht, wie sich die Orte der Kindheit verändert haben; zudem auch Wut und Ärger mit Blick auf die großen Verschmutzer. Nicht zuletzt kann aber auch Freude entstehen, wenn man erfährt, dass etwas gelingen kann.

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