Seeräuber - <strong>Turban vs. Rüstung</strong><br />
Den Zusammenprall zweier Welten symbolisieren Versatzstücke wie dieser prunkvolle ­Turban aus dem 16. Jahrhundert und sein dort ebenso gezeigter Gegenpol, der vergoldete eiserne Helm Kaiser Karls V. - © KHM-Museumsverband
Ausstellung

Von Seeräubern zu Helden

1945 1960 1980 2000 2020

Die aktuelle Ausstellung auf Schloss Ambras erzählt spannend und erfreulich unparteiisch von einer Zeit, in der Orient und Okzident im Kampf um den Mittelmeerraum aufeinanderprallten.

1945 1960 1980 2000 2020

Die aktuelle Ausstellung auf Schloss Ambras erzählt spannend und erfreulich unparteiisch von einer Zeit, in der Orient und Okzident im Kampf um den Mittelmeerraum aufeinanderprallten.

Schloss Ambras lädt diesen Sommer zu einer Abenteuerreise in eine Zeit ein, in der berüchtigte Freibeuter mit Kaisern und Sultanen im Kampf um die Vorherrschaft im Mittelmeerraum gemeinsame Sache machten.

Die Gefahr, mit Piraten unfreiwillig Bekanntschaft zu machen, ist heute im Gegensatz zu vor 500 Jahren minimal. Die Fantasie von Menschen jeden Alters beflügeln diese Freibeuter der Meere allerdings noch immer, wie nicht zuletzt die „Fluch der Karibik“-Filme beweisen, die sicher nicht nur darum so erfolgreich sind, weil Johnny Depp so hübsch ist. Von der Rolle, die Piraten in dem im 16. Jahrhundert auch im Mittelmeer zwischen dem Habsburgischen und Osmanischen Reich blutig ausgetragenen Konflikt gespielt haben, erzählt die heurige Sommerausstellung auf Schloss Ambras. Wie alljährlich ist ­diese mit exzellenten Kunst- und Kunstkammerstücken hauptsächlich aus hauseigenen beziehungsweise aus Beständen des Kunsthis­torischen Museums ausgestattet.

Galeerensklaven und Haremsdamen

Wobei es in der von Matthias Pfaffenbichler kuratierten Schau nicht nur um die Piraten beider Seiten geht, sondern auch um die von ihnen beim Kapern von Schiffen gemachten Sklaven. Viele von ihnen landeten schließlich auf Galeeren, sofern für ihre Freilassung kein Lösegeld erpresst werden konnte. Wobei die Freikäufe zum gro­ßen Teil von den während der Kreuzzüge gegründeten religiösen Bruderschaften organisiert wurden – um ganz nebenbei auch so etwas wie diplomatische Funktionen zu übernehmen. Die gekaperten Frauen landeten dagegen meist auf Sklavenmärkten, wo sie verkauft wurden und als billige Arbeitskräfte in nobleren christlichen Haushalten oder in morgenländischen Harems landeten. Wie etwa die schöne rothaarige Roxelane (1506–58), die als Lieblingsfrau von Sultan Süleyman dem Prächtigen und Mutter des Thronfolgers so etwas wie eine Karriere machen sollte.

Erfreulich ist, dass die übersichtlich in Kapitel gegliederte Schau jedes Freund-Feind-Schema vermeidet, womit bald klar wird, dass sich beide Seiten in Sachen Grausamkeit und religiös verbrämtem Fanatismus nichts schuldig geblieben sind. Orientierung verschafft zu Beginn der im stimmungsträchtigen Ambiente des Ambraser Hochschlosses zelebrierten Zeitreise eine große Karte des Habsburgischen Reiches Anfang des 16. Jahrhunderts sowie eine Tafel mit historisch wichtigen Daten. Beginnend mit der Eroberung Granadas 1492 durch die Katholischen Könige, womit die Reconquista abgeschlossen, die Juden und Araber aus Spanien vertrieben und weite Teile Nordafrikas erobert wurden. Gleichzeitig begaben sich aber auch die Osmanen auf Eroberungsfeldzug, wodurch massive Konflikte entstanden, die nicht selten auf dem Mittelmeer ausgetragen wurden, und in denen Piraten eine entscheidende Rolle gespielt haben.

In der von Matthias Pfaffenbichler kuratierten Schau geht es nicht nur um die Piraten beider Seiten, sondern auch um die von ihnen beim Kapern von Schiffen gemachten Sklaven.

Die in der Ausstellung zu sehenden Objekte demonstrieren eindrucksvoll das dramatische Geschehen. Etwa in einem um 1546/50 in den Niederlanden entstandenen Karton für eine Tapisserie, in der detailverliebt vom blutigen Tunis-Kriegszug von Kaiser Karl V. erzählt wird. Von der Qual der Galeerensklaven wird hier visuell genauso berichtet wie vom dramatischen Kampf zwischen kaiserlichen Soldaten und Osmanen an Land, von Sklavenmärkten oder Genreszenen aus dem Lagerleben. Den Zusammenprall zweier Welten symbolisieren auf höchst reizvolle Weise Versatzstücke potenzieller Kontrahenten, wie ein kunstvoll gewickelter osmanischer Turban beziehungsweise der teilweise vergoldete eiserne Helm und die Handschuhe, die der Augsburger Plattner Desiderius Helmschmied Kaiser Karl V. auf den Leib geschmiedet hat. Dessen um 1548 von Tizian gemaltes Porträt hängt in der Schau dem seines erbitterten Feindes Sultan Süleyman I. gegenüber. An Entschlossenheit, für die richtige Sache zu kämpfen, lassen die ernsten Mienen des noblen Rüstung- sowie des nicht minder stolzen Turban-Trägers keinerlei Zweifel aufkommen.

Schlacht bei Lepanto

Ein wichtiges Kapitel der Schau ist der dramatischen Seeschlacht von ­Lepanto 1571 gewidmet, die trotz osmanischer Übermacht mit einem Sieg des von Don ­Juan de Austria angeführten christlichen Heeres endete. Sie verloren 8000 Mann, die vom türkischen Admiral Ali Pascha befehligten Osmanen mehr als 30.000. Dies war die letzte große Seeschlacht im Mittelmeer, die auf Galeeren und mit der Hilfe von ­Piraten ausgefochten wurde.

Furche Zeitmaschine Vorschau