Carbon Farming - © Foto: iStock / valio84sl

„Carbon Farming“: Die Klima-Wunderwaffe in der Landwirtschaft

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Die EU setzt große Hoffnungen in das „Carbon Farming“, eine Methode, bei der Kohlenstoff klima-unschädlich gemacht wird. Das Allheilmittel sei dieses aber nicht, meint der Agrarexperte Axel Don.

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Die EU setzt große Hoffnungen in das „Carbon Farming“, eine Methode, bei der Kohlenstoff klima-unschädlich gemacht wird. Das Allheilmittel sei dieses aber nicht, meint der Agrarexperte Axel Don.

Die EU-Kommission will den Sektor Land- und Forstwirtschaft bis 2035 klimaneutral gestalten. Dabei soll das „Carbon Farming“ helfen. Axel Don, stellvertretender Institutsleiter des Thünen Instituts für Agrarklimaschutz in Braunschweig, erklärt, wie „Carbon Farming“ funktioniert, wie effektiv es ist und warum es dennoch größere Umwälzungen in der Landwirtschaft bräuchte.

DIE FURCHE: Die Landwirtschaft ist EU-weit, je nach Definition, für zehn bis 20 Prozent der Treibhausgasemissionen verantwortlich. Wie könnte man diesen Wert konkret senken?
Axel Don:
Es gibt drei große Emittenten. Erstens: die Stickstoffdüngung. Indem man Stickstoff auf Ackerflächen ausbringt, entsteht Lachgas, das 300- mal so klimaschädlich ist wie CO2. Weniger Stickstoffdünger einzusetzen, hilft also dem Klima. Der zweite große Hebel ist die Tierhaltung, vor allem die Haltung von Rindern. Diese emittieren Methan. Hier müssen wir uns fragen: Wie können wir weniger Rinder halten und den Methanausstoß der verbliebenen reduzieren? Der dritte Hebel sind Moorböden. Entwässert man Moorböden für die landwirtschaftliche Nutzung liegt Torf trocken. Dadurch wird dieser abgebaut und verursacht immense Emissionen. In Deutschland machen entwässerte Moorböden nur sechs Prozent der landwirtschaftlichen Fläche aus, sind aber für 40 Prozent der landwirtschaftlichen Emissionen verantwortlich. Moore müssen also wieder nass gemacht werden.

DIE FURCHE: Die EU-Kommission hat große Ziele. Bis 2035 soll der Sektor Land- und Forstwirtschaft und Landnutzung klimaneutral sein. Bis 2026 will man 310 Millionen Tonnen CO2-Äquivalent einspeichern. Dabei soll auch „Carbon Farming“ helfen. Was ist das?
Don:
Übersetzt heißt „Carbon Farming“ Kohlenstofflandwirtschaft. Es bezieht sich auf die Möglichkeit, Kohlenstoff aus der Luft zu binden und klima-unschädlich zu machen. Das können die Landwirte mit Hilfe von Humus. Dieser besteht zu 58 Prozent aus Kohlenstoff. Wenn Landwirte ihn auf ihren Böden aufbauen und einspeichern, entfernen sie damit Kohlenstoff aus der Atmosphäre und helfen dem Klima. Das ist allerdings nur die enge Definition von „Carbon Farming“. Eigentlich geht es darum, die Landwirtschaft insgesamt klimafreundlicher zu machen.

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