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Rechtzeitig gegen Verhetzungen auftreten

Pazifismus, schön und gut. Mir aber ist Rationalismus, Pragmatismus und Realismus um einiges näher und wesentlicher.

Ja, der Pazifismus - dieser Begriff hat es in sich! Natürlich bin ich, wie wohl die überwiegende Mehrheit aller Menschen, gegen den Krieg und für den Frieden, wenn möglich überall in der Welt gleichzeitig. Nur liegt das Problem darin, dass der Begriff sich an eben solche Menschen wendet und trotzdem keinen Krieg verhindert hat. Und das auch gar nicht kann. Denn - ebenso wie die Mehrheit der Menschen keinen Krieg will, ebenso unausweichlich zeigt unsere Menschheitsgeschichte, dass es trotzdem immer wieder und überall eine noch so geringe, aber stets ausreichende Minderheit von Menschen gibt, die Kriege anzetteln, "ihren" Krieg wollen, weil sie Ziele anstreben, die sie ihrer Ansicht nach nur durch einen Krieg erreichen können. Solchen Leuten fehlen die Argumente nicht, sie berufen sich gar nicht selten darauf, durch diesen bestimmten Krieg "dem Frieden zu dienen" und ähnliches mehr. Man höre und staune gerade in diesen Wochen, welch edle Motive einen Slobodan MilosÇevic´ geradezu gezwungen haben, andere Leute auf die grausamste Art davon zu überzeugen, dass nur sein Volk ein Lebensrecht auf einem bestimmten Stück Erde, seiner "Scholle" habe, und er berufen sei, ihm um jeden Preis dieses Recht zu sichern.

Menschen seines Schlages hat es immer gegeben und es gibt keinen Anlass zu meinen, es würde sie in Zukunft nicht mehr geben. Vielleicht nennt sich der eine oder der andere unter diesen Typen sogar selbst einen "Pazifisten", denn "sein" Krieg ist natürlich ein "heiliger Krieg" und deshalb erlaubt.

Mit anderen Worten: Der Begriff Pazifismus deckt ein Bekenntnis, stellt auch eine Forderung, artikuliert eine Ideologie, nämlich das Ziel einer gewaltfreien Welt. Mir aber ist Rationalismus, Pragmatismus und Realismus näher und wesentlicher. Für mich ist es wichtig, sehr wichtig, dazu beizutragen, dass es zu einer Bewusstseinsänderung kommt. Nicht bei der gesamten Menschheit - es wäre schon schön, wenn das im kleinsten Umfang gelingen könnte! Wenn viele Leute dieses Ziel haben, wird die Quantität entsprechend grösser und so weiter und sofort...

Ungemein wichtig erscheint mir, alle nur erdenklichen Methoden zu entwickeln, mit denen frühzeitig Warnsignale empfangen und weitergegeben werden, um kommende Kriege, beziehungsweise jeden bestimmten Krieg rechtzeitig, wenn möglich zu verhindern. Wiederum ohne Illusion weltweiten Erfolges - aber schon ein Krieg weniger wäre wunderbar. Für eine derartige Aufgabe ist eine Internationalisierung denkbar - "Globalisierung" wäre das Modewort - denn sie wendet sich an jene Mehrheit der Menschen, die weiß, dass Krieg nur Zerstörung von Körpern, Seelen und Materie bedeutet. In diesem Zusammenhang steht ganz zweifellos "am Anfang das Wort". Also geht es darum, die Bedeutung von hetzerischer Terminologie in der Gesellschaft frühzeitig zu erkennen - und zu korrigieren.

Medien und Medienbeobachtung, ngos vor allem in Entwicklungsländern auf allen Kontinenten, Pädagogen, Psychologen, Therapeuten sind gefragt. Schriftsteller, tv- und Radioprogrammmacher müssen verstehen lernen, dass nicht Gewalt und "action" unseren Bedürfnissen entsprechen, sondern die Sorgfalt im Umgang miteinander, mit der Natur (Beispiel die Fernsehsendung "Universum"), mit den Dingen dieser Welt (es gibt auch hier gelungene Ansätze, vielleicht nicht immer zielbewusst genug). "Respekt vor dem Leben an sich" wäre eine Devise, die allgemein verständlich ist - vielleicht sogar für den einen oder den anderen Politiker.

Die Autorin ist Journalistin und Herausgeberin der Zeitschrift "Balkan - Südosteuropäischer Dialog".

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