
Atomkraft: Ethisch nicht vertretbar
Nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl haben sich Unsicherheit und Angst unter den Menschen ausgebreitet. Bedrückt sind vor allem die Jugendlichen sowie die schwangeren Frauen und die Mütter und Väter, die sich um die Entwicklung und Entfaltungsmöglichkeiten ihrer Kinder sorgen. Ich fühle mich als Bischof diesen Menschen tief verbunden. Nach gemeinsamen Überlegungen mit den Diözesanverantwortlichen der Katholischen Aktion und der Seelsorge sehe ich mich zu folgenden Aussagen veranlaßt: Die Ereignisse von Tschernobyl haben uns wachgerüttelt, weil sie uns gezeigt haben,
• daß die Atomtechnik heute nicht sicher genug beherrschbar und vor allem menschliches Versagen niemals auszuschließen ist. Auf diese Weise sind Mensch und Natur in die Zukunft hinein belastet und in ihrer Existenz bedroht;
• daß von den Auswirkungen eines größeren Atomunfalles nicht nur die unmittelbare Umgebung einer Anlage betroffen ist, sondern praktisch die ganze Welt;
• daß uns im Grunde Erfahrung und Wissen fehlen, in welcher Weise den Folgen eines Unfalles begegnet werden könnte.
Aus dieser Erkenntnis heraus erscheinen unter heutigen Gegebenheiten Bau und Betrieb von Atomkraftwerken und ähnlichen Anlagen ethisch nicht mehr vertretbar. Deshalb ist es auf jeden Fall notwendig und sinnvoll, sich von der Vergeudungs- und Wegwerfwirtschaft abzuwenden.
Konkrete Maßnahmen sind vor allem: Vermeidung von Energievergeudung in Produktion, Haushalt und Verkehr, Verbesserung der Wärmedämmung bei Gebäuden, Nutzung der Abwärme und alternativer Energiequellen.
Als konkreter Beitrag der Diözese sollen die kirchlichen Gebäude auf Möglichkeiten der Energieeinsparung untersucht und entsprechende Maßnahmen gesetzt werden.
Ich glaube, daß in der nun gegebenen Situation ängstliche Panik fehl am Platze ist, weil sie unsere Gedanken lähmen und in die Sackgasse der Resignation oder Radikalisierung führen könnte.
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