
Nicht nur neue Technologien - ein neuer Lebensstil wird nötig
Der Computer ist eine der jüngsten Erfindungen in der Geschichte der Menschen. Sie unterscheidet sich gegenüber den bisherigen Errungenschaften der Technik dadurch, daß sie nicht nur zur Verstärkung und Nutzung der energetischen Kräfte dient, sondern die Unterstützung der geistigen Kräfte in heute noch kaum faßbarem Ausmaß anstrebt.
Was aber hat dieser moderne Industriezweig mit Religion oder einer zweitausendjährigen Institution wie der Kirche zu tun? Die Verantwortung für die Menschen unserer Zeit ist es, die uns verbindet und eint. Sie tragen diese Verantwortung als Fachleute einer technischen Entwicklung, von der viele meinen, daß sie das Leben der Menschen mehr verändert als jede technische Entwicklung je zuvor. Wir tragen diese Verantwortung als Bewahrer und Verkünder geistiger Werte, auf denen unser Menschsein zu allen Zeiten beruht. Unsere Aufgabe ist es, diese bleibenden Wahrheiten auf die konkreten Zustände der jeweiligen geschichtlichen Situation anzuwenden.
Der Gedanke, daß es in Zukunft eine Selbstverständlichkeit sein wird, alles über alles in Erfahrung zu bringen und das nicht nur zu einem bestimmten Zeitpunkt durch eine einmalige Erhebung, sondern dauernd durch eine ständige begleitende Beobachtung, das ist faszinierend und beängstigend zugleich.
Die Utopie im Computer
Nicht selten wird der Erklärungswert von Computerergebnissen in einer Art Computergläubigkeit überschätzt. Sie als Fachleute sind über eine solche Computergläubigkeit erhaben. Aber ist es auch bei denen der Fall, die dieses Wissen zur Anwendung bringen? Führt nicht manchmal ein Verständnis des Computers als perfektes Werkzeug zu einem Glauben an strenge Gesetze auch dort, wo sie gar nicht so streng sind - zu einer Unflexibilität gegenüber Ausnahmen und zu einem Resignieren der kreativen Kräfte, wenn der Computer einmal eine Aussage gemacht hat? Sie alle kennen diese Schwierigkeiten. Es wurde von ihren Fachleuten daraufhingewiesen, daß die Ratschläge eines Computers unter Umständen geradezu hinterhältig sein können. Manche Laien aber träumen von einer besseren Welt, in der der Computer alles gut macht, was die Menschen verdorben haben.
In unserer Zeit scheint aber eine besondere Nüchternheit am Platz zu sein. Zeigen nicht zuletzt viele Computerberechnungen im Zusammenhang mit verschiedenen Weltmodellen, daß große Probleme auf die Menschheit zukommen, für deren Lösung der Computer von großem Nutzen sein wird, bei denen es aber vor allem von den Menschen abhängt, ob und wie sie die Probleme meistern.
Es wird sicher notwendig sein, Betriebsstrukturen und vielleicht auch staatliche Strukturen und Ordnungen zu verändern, so daß der Einsatz von Computern rentabel und sinnvoll wird. Wenn wir das Wort „computergerechte Organisation“ hören, wird vielleicht mancher an den vor Jahren gebrauchten Ausdruck der „autogerechten Stadt“ erinnert werden. Ein Ausdruck, der jetzt mehr und mehr von der Forderung nach einer menschengerechten Stadt abgelöst wird.
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