Wirtschaftskrise: Die Kunst der Stunde

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Warum "Helikoptergeld" zur Ankurbelung der Wirtschaft nicht hilft - und es mehr Maß braucht.

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Warum "Helikoptergeld" zur Ankurbelung der Wirtschaft nicht hilft - und es mehr Maß braucht.

Beim Ausbruch von Krisen, die ganze Sozial- und Wirtschaftssysteme gefährden, sind rasche, lebensrettende Eingriffe gefragt. Was aber tun, wenn das Krankheitsbild neu ist und Vorerfahrungen fehlen? Dann kann – das hat die ­Finanzkrise 2008 schmerzlich gezeigt – die Lernkurve lange und teuer werden.

Zwar leisteten die Notenbanken damals wirksam Erste Hilfe, indem sie rasch für ­Liquidität sorgten und die Zinsen senkten. Als aber dann die Staatsschulden quer durch Europa massiv anstiegen und die immer weiter auseinanderklaffenden Anleihekosten der Schuldnerstaaten den Zusammenhalt der Eurozone gefährdeten, dauerte es quälend lange, bis man sich endlich zur Jahresmitte 2012 auf taugliche Instrumente einigen konnte. Die EZB festigt seither durch ihre Anleihekäufe das Gläubigervertrauen in Euro-Anleihen selbst hoch verschuldeter Eurostaaten.

Parallel dazu steht der permanente Schutzschirm ESM all jenen Ländern mit Überbrückungsfinanzierungen bei, die vorübergehend in budgetäre Schieflage geraten. Der zeitlich verzögerte Einsatz all dieser Maßnahmen erwies sich als kostspielig. Noch heute sind etwa die Budgets Italiens und Spaniens mit den überhöhten Zinskosten von damals belastet.

Als wäre das Geld abgeschafft

Nur gut, dass Regierungen und Notenbanken daraus gelernt und nach Ausbruch der Corona-Pandemie deutlich schneller gehandelt haben. Schon Mitte März ­erhöhte die EZB die Ankaufsvolumina für Staatsanleihen und ersparte uns damit ein neuerliches Aufflackern der Staatsschuldenkrise. Zugleich schnürten die Regierungen umfassende Rettungspakete, von Kurzarbeitshilfen über Garantien und Steuerstundungen bis zu Direktzuschüssen. Noch offen und durchaus zu Recht umstritten ist nun die Art und Weise, in der die Europäi­sche Union mit gemeinschaftlich aufgebrachten Geldern helfen soll.

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