
Wie christliche US-Lobbyisten in Österreich Fuß fassen
Wer schulpflichtige Kinder hat, weiß, dass die neunwöchigen Sommerferien lang werden können. Viele Berufstätige sind auf externe Kinderbetreuung angewiesen, zum Beispiel in Form von Feriencamps. Besonders Angebote mit religiösem Inhalt boomen – so sehr, dass sich sogar der diesjährige Sektenbericht mit religiös-fundamentalistischen Sommercamps beschäftigte. So würden viele freikirchliche Anbieter versuchen, pädagogisch bedenkliche Inhalte und fehlende Transparenz zu verschleiern, warnte die im Bundeskanzleramt angesiedelte Bundesstelle für Sektenfragen. Doch wie schaut es im katholischen Bereich aus? DIE FURCHE hat beim Jugendtreffen Kremsmünster nachgefragt, einem Sommercamp, das von 15. bis 20. Juli im oberösterreichischen Benediktinerkloster Kremsmünster stattfindet. An dem Treffen, das 1992 erstmals im oststeirischen Pöllau stattfand, nehmen jedes Jahr um die 400 Jugendliche ab 14 Jahren teil. Betreut werden die Kinder und Jugendlichen von rund 60 ehrenamtlichen Personen.
Spirituelle Gewalt
Es gebe seit mehreren Jahren ein Kinder- bzw. Jugendschutzkonzept, welches mit den zuständigen Diözesanstellen kontinuierlich weiterentwickelt und jährlich akkreditiert werde, teilen die Organisatoren mit. So würden alle ehrenamtlichen Mitarbeitenden eine mehrstündige Schulung erhalten. Die Teilnehmenden würden zudem am Beginn des Treffens in das Schutzkonzept eingeführt, auf den erarbeiteten Verhaltenskodex hingewiesen, und Präventionsbeauftragte stünden während des gesamten Treffens für Gespräche zur Verfügung. Auch die Verhinderung sogenannter spiritueller Gewalt – die Bischofskonferenz arbeitet derzeit an österreichweit gültigen Richtlinien – sei in das Präventionskonzept eingeflossen. Bei spiritueller Gewalt geht es um die Ausnutzung geistlicher Autorität zur Beeinflussung und Kontrolle – unter dem Deckmantel von Seelsorge. Wie schwierig es ist, spirituelle Gewalt zu erkennen, auch für die Betroffenen selbst, ist naheliegend.
In die Kritik geriet das Jugendtreffen vor einigen Jahren aufgrund seiner konservativen Ausrichtung insbesondere in Fragen der Sexualmoral und Abtreibung. So war bis 2022 noch ein sogenanntes Reinheitsgebet Teil des Treffens, bei dem die Jugendlichen Keuschheit gelobten. Der deutsche katholische Missbrauchsexperte Klaus Mertes kritisierte dies scharf und erkannte in solchen Praktiken eben jene manipulativen Muster, wie sie bei spirituellem Missbrauch angewendet werden. Der Grazer Bischof Wilhelm Krautwaschl hatte angeregt, das Reinheitsgebet künftig zu streichen. Bei den Organisatoren legt man Wert auf die Feststellung, dass es sich hierbei nicht um eine Untersagung gehandelt habe, vielmehr habe man selbst entschieden, das Reinheitsgebet nicht mehr anzubieten.
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