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Notizen

Die diesjährige Weihnachtsseelsorgertagung, die unter dem Thema „Die Pfarre, Gestalt und Sendung“ im Kloster, Wien VII, Kaiserstraße, Referate von P. Alois Schrott, Dr. Karl R. Dorr, Bischof Dr. Josef Schoiswohl, Dr. Ferdinand Klostermann, Dir. Hermann Pfeiffer, Chorherr Petra» Tsdrinkel, Pfarrer Josef Mayer, Msgr. Dr. Jo»ef Huber, Doktor Erwin Hesse, Kaa. Eugene Fischer und Doktor Michael Pfliegler bracht«, wurde am 9. d. nachmittag abgeschlossen. In Anwesenheit ron Kardinal Innitzer, Erzbischof Rohracher, Erzbischof-Koadjutor Jachym, Bischof Schoiswohl und Bischof-Koadjutor König faßte der Veranstalter und Leiter der Tagung, Domkapitular Dr. Karl Rudolf, einige der Erkenntnisse der Tagung zusammen: Die Pfarre al» der Ort, wo di« große Weltkirche in ihrer Chrittusbezogenheit sichtbar wird; der Kult als Mittelpunkt der Pfarre, wo sich zeigt, daß die liturgische Bewegung noch nicht zum Stillstand gekommen i»t, und die Bildungsmächtigkeit der Seelsorge, die über die ureigenen Mittel der Kirche verfügt. In der abschließenden Segensandacht unterstrich Kardinal Innitzer die Wichtigkeit der lebendigen Pfarrgemeinde und bat die Anwesenden um Vertrauen sowohl untereinander wie zu ihrem Bischof

In Konstanz findet vom 4. bis 9. Mai 1953 der vierte Kongreß des „Bureau International Catholique de l'Enfance“ «tatt, der unter der Devise „Kindheit und Familie“ steht. Da» Arbeitsprogramm des Kongresses wird in sieben Kommissionen spezialisiert behandelt, in denen namhafte Fachleute au» in- und außereuropäischen Ländern das Wort ergreifen werden.

Bocholt hat zwar nur 98.000 Einwohner, aber kluge Stadtväter. Dort hat man auch von Schmutz und Schund gehört, von den Bestimmungen und dem Für und Wider eines neuen Gesetzes, dem man in Bocholt offenbar keine große Wirkung zutraut. Selbsthilfe erschien den Männern erfolgreicher. Also forderte man die jungen Bürger auf, 15 Schmöker dieser Wildwest-, Kriminal- und' Liebes-Fließbandindustrie gegen ein gutes Buch umzutaujchen. Das war ein guter Plan der Bochoiter Stadtväter. Noch besser war, daß der Plan einichlug. Die Jugendlichen stürmten — ihre Pakete unter dem Arm — da» Rathaus. Ganz Schlaue kauften »ich für 6 Mark 15 dieser wertlosen Tauschobjekte, um sie gegen ein Buch im Wert von 12 Mark einzuhandeln.

Auf ein« ernste, bisher aber «o gut wie überhaupt nicht beachtete Frage des Volke rrechts kommt der Chc-fkorrespondent der Hearst-Presse im „New York Journal American“ im Zusammenhang mit der deutschen Wiederbewaffnung zu sprechen. „Was Rußland anbelangt, so bleiben die Klauseln des Potsdamer Vertrages über die Abrüstung und die bedingungslose Kapitulation Deutschlands in Kraft. Jedenfalls ist dies die Auffassung der Sowjetunion. Viele juristische Experten vertreten die Auffassung, daß sich im bestehenden Völkerrecht hierfür eine Grundlage bietet und daß gefangene deutsche Soldaten, wegen Verletzung der Bedingungen des Waffenstillstandes als ,V o g e 1 f r e i e' gehängt oder erschossen werden könnten. Dieses Problem ist so schwierig, so dornenvoll und ungewiß, daß man in Deutschland, England, Frankreich oder in den Vereinigten Staaten nur wenig hierüber sagt oder schreibt.“

Zahlreiche Studenten aus den „volksdemokratischen“ Ländern besuchen die Universitäten und Hochschulen der Tschechoslowakei. Die Studenten aus der Sowjetunion bevorzugen die philologische, die bulgarischen und albanischen Studenten die medizinische Fakultät. Studenten aus Nordkorea und China sind vorwiegend an den technischen Fakultäten immatrikuliert, während Rumänien seine Studenten hauptsächlich an der Hochschule für Bergbau studieren läßt. Bei .den aus Ungarn und der deutschen Sowjetzone kommenden Studenten läßt sich kein ausgesprochener Studien-»chwerpunkt feststellen.

Ueber die Sorgen volksdemokratischer Clowns berichtet „News Behind the Iron Curtain“: Ein ungarischer Varietedirektor fragt in der Zeitschrift „Szinhaz es Filmmüveszet“, wen und was die Clowns in den Zirkussen und Varietes veralbern «ollen, da „die Verulkung der Kulaken und Aristokraten bereits abgedroschen sei“. — Das Prager „Komödientheater“ behilft sich mit der Veralberung der Amerikaner. Für das Niveau ist die Inhaltsangabe der Satire „Hallo Freddie!“ kennzeichnend: Im Mittelpunkt steht eine amerikanische Filmproduzentin. Ihre Tochter und andere Amerikaner sind dermaßen ungebildet, daß sie endlos darüber herumzanken, ob Chopin ein Rennpferd, eine Automarke und so fort aei, Während ihres Streites geht ein Orang-Utan aum Klavier und spielt Kompositionen von Chopin. Zum Schluß kündigen alle der Filmproduzentin ihren Dienst, weil sie einen Film über die Flucht eines Artisten aus der Volksdemokratie Polen drehen will.

1 Di« letzte noch in Slowenien erscheinende katholisch« Wochenschrift „Osnanilo“ mußte auf Anordnung der Behörden ihr Erscheinen einstellen, obwohl verschiedene Priester, die der regierungsfreundlichen „Vereinigung der hl. Cyrillus und Methodius“ angehören, sich gegen das Verbot ausgesprochen hatten.

Das Sekretariat der „Union d la Press« Catholique“ (Paris XVIIe, 163 Boulevard Malesherbes) legt über sein erstes Geschäftsjahr einen Rechenschaftsbericht, der diese Institution in entschiedenem und planvollem Aufbau zeigt. Sie steht mit mehr als hundert katholischen Blättern der ganzen Welt in ständiger Verbindung und führt alle wissenschaftlichen Nachrichten über dieselben in Evidenz. Eine Sammlung aller wesentlichen Publikationen über Probleme des katholischen Pressewesens wurde angelegt. Ein Ehrenkodex der Journalisten ist in Ausarbeitung. Das Sekretariat gibt allmonatlich inhaltsreiche „Bulletins“ heraus, die Anregungen, Nachrichten und oft auch die artikelmäßige Behandlung wichtiger Ereignisse im katholischen Raum vermitteln. Ein reger Kontakt besteht zu den entsprechenden Stellen der UNESCO. Die Arbeit des Sekretariats vollzieht sich in engem Einvernehmen mit jener der Organisationen der katholischen Herausgeber und der katholischen Journalisten. Wie weit der Tätigkeitsbereich dieser Stelle gespannt ist, zeigt die fetzte Rundfrage, in der die Stellungnahme der Mitgliedsblätter zu den Fragen des religiösen Nachrichtendienstes erbeten wird. Das Sekretariat steht unter der sachkundigen und initiativen Führung von M. J. P. Dubois-Dumee, dessen Name den Lesern der „Furche“ durch mehrere gehaltvolle Veröffentlichungen in Erinnerung sein wird.

Der Bischof von Malaga, Dr. Herrera, beschäftigte sich in einem Hirtenbrief eingehend mit dem Priestermangel in Spanien. Es gebe Ortschaften, die seit zehn Jahren keinen Priester gesehen hätten, in anderen Gemeinden, die ebenfalls nur ungenügend betreut werden konnten, hätten nicht einmal sieben Prozent der Gläubigen die Ostersakramente empfangen.

Die Zeitung der französischen Sozialisten, „Le Populaire“, hat in einem Aufruf auf der ersten Seite die Parteimitglieder zu Geldspenden aufgerufen, „ohne die die Zeitung ihr Erscheinen einstellen muß. Die Auflage der Zeitung ist von 278.000 im Jahre 1945 auf 28.000 Exemplare gefallen, die jetzt außerhalb von Paris — nur noch vier Seiten stark — gedruckt werden, da die Herstellungspreise in Nordfrankreich billiger sind. Vor einiger Zeit hat bereits die Zeitung der katholischen Volksrepublikaner

(MRP), „L'Aube“, wegen Geldschwierigkeiten ihr Erscheinen eingestellt. Die Auflageziffer der Kommunistenzeitung „L'Humanite“ liegt bei 174.000, die der rechtsgerichteten „Le Parisien Libere“ bei 527.000, „Le Figaro“ bei 446.000 und „L'Aurore“ bei $32.000. Verlust der Mitte...

Le Corbusier wurde neulich von der „Gesellschaft zur Wahrung der Schönheiten Frankreichs“, einer Art Heimatverein, wegen seines Wohnblocks „die strahlende Stadt“ in Marseilles verklagt. Die Gesellschaft war der Meinung, dieses große Haus sei „unästhetisch“ und verschandele das Landschaftsbild von Marseille. Man wollte 20 Millionen Franc Schadenersatz. Das bemühte Gericht hat die Klage abgewiesen.

Die literarischen Lorbeeren, die Winston Churchill durch seine schriftstellerische Arbeit in den sechs Jahren der Opposition errang, wirken anspornend. Nun sind einige Exminister des abgetretenen Labour-Kabinetti, emsig am Bücherschreiben. B e v a n hatte einen Vorsprung vor seinen Kollegen, da er schon früher aus seinem Amt schied. Sein Buch „One way only“ ist bereits Mittelpunkt politischer Diskussionen. Der ehemalige Schatzkanzler Hugh Gaitskell ist mit einem wirtschaftspolitischen Werk bereits weit fortgeschritten. Hugh Dal ton, der um ein Haar 1945 an Stelle Bevins Außenminister geworden wäre, schreibt ein autobiographisches Werk. Sein Kollege, der ehemalige Kriegsminister Strachey, beabsichtigt jetzt, einen Roman „The Frontiers“ („Die Grenzen“) zu veröffentlichen —> die Geschichte eines britischen Fliegers im besetzten Frankreich, die Strachey bereits während des Krieges schrieb, als er selbst in der RAF diente —, aber bisher aus militärischen Sicherheitsgründen zurückhielt. Auch arbeitet er an einem neuen Werk, einer umfassenden Analyse der gegenwärtigen Situation der britischen Labouf-Bewegung und ihrer Zukunft sowie an einem Sammelband für die Fabier-Gesellschaft. Der ehemalige Minister für Commonwealth-Angelegenheiten, Patrick Görden-

Walker, hat ein umfassendes Buch über die Ent-wicklungsprobleme des britischen Commonwealth geschrieben. Der mit Bevan zusammen zurückgetretene ehemalige Handelsminister Wilson hat sich mit dem Verleger Victor Gollancz zu der „Vereinigung für Weltfrieden“ zusammengeschlossen und bereitet für diese Vereinigung einen umfassenden Bericht übet die Welternährungslage vor. Das interessanteste der Ex-Minister-Bücher dürfte jedoch aus der Feder Herbert Morrisons kommen. Morrison bereitet eine umfangreiche Studie über die Maschinerie der britischen Regierung vor, die sich im besonderen mit der Arbeitsmethode des Kabinetts und den Beziehungen zwischen Kabinett und Unterhaus befaßt, wie sie sich während der letzten zehn Jahre entwickelt und herausgebildet haben. Der einzige, von dem fürs erste kein Buch zu erwarten ist, ist der ehemalige Premierminister Clement Attlee selbst. Seine Tätigkeit als Führer der Opposition Ihrer Majestät scheint ihm nicht genug Zeit zu lassen. Das ist schade. Denn er ist ein so guter Schriftsteller. Sein im Jahr 1937 erschienenes Buch „The Labour Party in Perspective“ ist noch heute in guter Erinnerung.

In fünf Jahren wird, wenn die Eisenbahnpläne Ibn Sauds Wirklichkeit werden, eine transarabische Eisenbahn das Rote Meer mit dem Persischen Golf verbinden. Zwischen dem Persischen Golf und Er Riad, der Hauptstadt Saudiarabiens, ist schon eine rund 500 km lange Strecke in Betrieb. Amerikanische Fachleute haben nun soeben König Ibn Saud den Kostenvoranschlag für den Bau einer 1200 km langen Eisenbahnlinie von Er Riad bis Dschidjah am Roten Meer vorgelegt. Eine Seitenbahn von dieser Strecke wird nach Mekka und Medina führen. Die Kosten dieser insgesamt 2000 km langen Bahnbauten werden auf 200 Millionen Dollar veranschlagt. Mit dem Bau soll bereits im nächsten Jahr begonnen werden.

Die Feierlichkeiten zu Ehren des Apostels Thomas und des hl. Franz Xaver, die Ende Dezember in

Ernakulam (Malabarküste, Indien) unter dem Vorsitz de» Päpstlichen Legaten Kardinal Gilroy, Erz» bischof von Sydney, stattfanden, wurden am 31. Dezember durch «ine in englischer Sprache gehalten« Radiobotschaft Pius' XII. abgeschlossen. Im Hinblick «uf die Gegenwart erklärte der Heilige Vater, daß die Mächte des Guten und des Bösen heute einen harten Kampf um die Seele Asiens kämpfen. Da bedarf es der Einheit, die über alle Verschiedenheiten der Riten und Lebensgewohnfieiten alle in sich schließt. In diesem Zusammenhang erneuerte der Papst die Einladung an die „getrennten Bruder“, zur Einheit zurückzukehren. Im weiteren erklärte der Heilige Vater, daß die Kirche von niemandem verlangt, daß et seine einheimischen Sitten, Gebräuche und Lebensgewohnheiten aufgebe. „Die Kirche gehört zum Osten wie tuch zum Westen. Sie ist an keine bestimmte Kultur gebunden. Sie ist überall dort -zu Hause, wo man die Gebote Gottes achtet. Was mit der gottgeschaffenen menschlichen Natur übereinstimmt, was gut und einfach menschlich ist, wird von der Kirche bejaht, gefördert, geadelt und geheiligt.“ Die indischen Christen mögen die Erkenntnis fördern, daß alles, „was in anderen Religionen wahr und gut ist, seine tiefer« Bedeutung und Vollendung in Christus findet.“

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