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US-Senat verantwortlich für rotes Angola

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Die amerikanische ACSA-Stiftung verfolgt den Zweck, die politischen, wirtschaftlichen und rassischen Phänomene im südlichen Afrika genauestem zu studieren, um der bisher sehr mangelhaft unterrichteten Öffentlichkeit in den USA zuverlässige Informationen zu liefern.

Der nunmehr vorliegende Bericht über das Drama in Angola zeigt mit schonungsloser Offenheit, auf welche Weise in unseren Tagen welthistorische Entscheidungen getroffen werden. Die zwar trockene, aber ungemein spannende Darstellung des Ablaufes der Ereignisse beweist, daß das Kapitel Angola kein Ruhmesblatt in der Geschichte der Vereinigten Staaten ist. In der Stunde einer ganz großen Entscheidung gaben im Kapitol von Washington Mutlosigkeit, Verzagtheit und „ein vollkommener Mangel an Nervenstärke“ den Ausschlag.

Zuerst wird da Licht in die Vorgeschichte des Krieges gebracht: 1956 gründeten portugiesische Kommunisten die MPLA, die unter der Führung des schwarzen Intellektuellen Ago- stinho Neto 1969 mit den Sowjets einen Geheim vertrag schloß, in dem sich die UdSSR als Gegenleistung für tatkräftige Unterstützung das Recht auf die Errichtung von Stützpunkten in Angola sicherte. Nach dem Staatsstreich in Portugal vom April 1974 förderte sogar der letzte portugiesische Hochkommissar, der „rote Admiral“ Cou- tinho, die sowjetischen Waffenlieferungen an die MPLA.

Obwohl erst der 11. November 1975 Angolas Unabhängigkeitstag sein sollte, standen sich schon zu Beginn des Jahres die gut gerüsteten MPLA und die vom Westen nur mangelhaft ausgerüsteten Bewegungen UNITA und FNLA kampfbereit gegenüber. Aber es zeigte sich bald, daß die MPLA- Truppen trotz waffentechnischer Überlegenheit wegen ihrer Disziplinlosigkeit keine Chance hatten, der Gegner Herr zu werden.

Da entschloß sich der Kreml, Fidel Castro zu veranlassen, ein starkes Aufgebot von Kubanern nach Angola zu entsenden. Die Azoren, Algerien und Kongo-Brazzaville dienten als Zwischenstationen für den Transport von 15.000 Soldaten und wahren Massen an Ausrüstungsmaterial und Waffen. Welche Bedeutung dieser Aktion in Moskau zugemessen wurde, geht daraus hervor, daß die Sowjets, dem Bericht zufolge, nicht nur die Rechnung begleichen wollten, sondern die geheime Zusicherung gaben, direkt einzugreifen, falls die Amerikaner intervenieren würden; sie hielten diese Eventualität jedoch für äußerst unwahrscheinlich.

Zur gleichen Zeit ersuchten die USA und mehrere schwarzafrikanische Führer, mit Jonas Savimbi von der UNITA an der Spitze, die Republik Südafrika um die Entsendung von Truppen. Finanzielle Hüfe, Waffentransporte und moralische Unterstützung in Schwarzafrika und bei den Vereinten Nationen sollten die Gegen leistungen sein. Südafrika nahm das Angebot an und ließ 1500 Mann mit Panzern die Grenze überschreiten. Im Spätherbst 1975 entbrannte bei dieser Konstellation der offene Krieg. Trotz ihrer zahlenmäßigen Unterlegenheit kamen die Streitkräfte des Westens gut voran und drangen auf die Hauptstadt Luanda vor.

Da schaltete sich der US-Kongreß ein. Der Bericht geißelt die „Anti- CIA-Raserei“ und fährt dann fort: „Das Vietnamgespenst ging im Kapitol von Washington immer noch um. Mißtrauen gegenüber geheimen Aktionen der Regierung, Furcht vor einer Konfrontation mit der UdSSR, Furcht vor Verwicklung in einen Dritten Weltkrieg herrschten vor.“ Der Ausschuß f& iail&Hfvärtige Beziehungen, ln dem Männer wie Dick Clark, John Tunney, Hubert Humphrey und George McGovern saßen, sprach sich einstimmig gegen müitärische Hilfe an irgendeine Partei in Angola aus. Am 17. Dezember 1975 wurde diese Entscheidung zum Senatsbeschluß erhoben.

Diese fatale Weichenstellung durch den eingeschüchterten US-Senat brach das Rückgrat des westlichen Widerstandes gegen die Machtübernahme durch die Sowjets und Kubaner in Angola. Die südafrikanischen Truppen zogen sich im Jänner 1976 zurück und beschränkten sich auf den Schutz des Calueque-Staudammes. Vor den Vereinten Nationen wurde die Republik Südafrika als Aggressor gebrandmarkt und nicht einmal der US-Delegierte gab eine Gegenstimme ab. FNLA und UNITA zogen sich in den Busch zurück und besonders die UNITA behauptet sich unter Anwendung geschickter Guerillataktik immer noch.

Der Bericht hält die Niederlage in Angola für noch verhängnisvoller als die Katastrophe in Vietnam. Es habe sich nicht nur das Kräfteverhältnis in Afrika in entscheidender Weise zugunsten der Sowjetunion verschoben, sondern das Ansehen des Westens und insbesondere der Vereinigten Staaten bei den schwarzen Politikern jener Region habe schwersten Schaden gelitten. Dieser Umschwung ist nicht zuletzt bei Präsident Kaunda von Sambia festzustellen. Es ist heute kaum zu glauben, daß Premierminister Vorster diesen Mann noch vor zwei Jahren mit Fug und Recht seinen „Freund“ nennen konnte.

Die Schlußfolgerung des Berichtes besteht in herber Kritik an der amerikanischen Außenpolitik: Dem Kommunismus und den marxistischen „Befreiern“ in Afrika werde nicht entschieden genug entgegengetreten, die Freunde Amerikas aber würden im Stich gelassen, in die inneren Angelegenheiten Südafrikas und Rhodesiens mischten die USA sich ein, um diesen Ländern die von den UN verlangten Lösungen aufzuzwingen, Lösungen, die wieder nur im Interesse der Ausbreitung des Kommunismus lägen.

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