"Betroffene müssen eingebunden sein"

Werbung
Werbung
Werbung

Ex-Wissenschaftsminister Caspar Einem über Eckpunkte der geplanten Universitätsreform.

die furche: Die Uni-Reform wird als "Meilenstein", aber auch als "Reform des Schreckens" bezeichnet. Was sehen Sie darin?

einem: Sie ist zur Hälfte ein Schritt in eine vernünftige Richtung und zur anderen der Versuch, mehr Einfluss auf die Universitäten zu gewinnen - durch die Beseitigung der Mitbestimmungsrechte von Studierenden, Mittelbauvertretern und dem Senat bzw. durch eine Reduktion der universitären Autonomie.

die furche: Wie viel Autonomie ist für die Universitäten Ihrer Meinung nach gesund?

einem: Universitäten sind etwas anderes als Wirtschaftsunternehmen. So sehr es legitim ist, mit einer Art Aufsichtsrat zu operieren, so sehr zählt es zu den traditionellen Kulturelementen der Universitäten, dass sie sich ihren Rektor selber wählen. Das andere ist die Frage, ob der vorgesehene Bestellmechanismus für den Unirat der Weisheit letzter Schluss ist oder ob man nicht einen etwas größeren Aufsichtsrat vorsehen kann, bei dem verschiedene gesellschaftliche Gruppen Vertreter entsenden können. Ich danke dabei an Leute aus der Universität selbst, aber auch an Absolventen der Universität. Es wäre auch sinnvoll, die Arbeitgeber- und Arbeitnehmerseite hineinzunehmen. Natürlich bin ich auch offen für einen Vertreter des Ministeriums, weil von dort auch weiterhin das Geld kommen wird.

die furche: In der ORF-Pressestunde vom 7. April hat Bildungsministerin Elisabeth Gehrer die über 200 "Kommissionen und Kommissiönchen" an der Universität Graz kritisiert. Ist so viel Mitbestimmung nicht lähmend?

einem: Nein. Ich denke auch, dass eine solche etwas abschätzige Charakterisierung demokratischer Prozesse nicht wirklich angemessen ist. Es geht einfach darum, sicher zu stellen, dass die Betroffenen auf eine angemessene Weise in die Entscheidungen eingebunden sind.

die furche: Nach Meinung vieler Uniangehörigen sei es bei der Unireform nicht zur versprochenen "offenen Planung" gekommen. Lässt sich eine radikale Reform überhaupt unter Mitsprache aller Betroffenen durchführen?

einem: Im Prinzip ja, aber nicht so schnell. Es ist ja vorgesehen, dass dieses Gesetz ins Parlament kommt und nach zwei Unterausschusssitzungen beschlossen werden soll. Die Universitätsreform 1975 unter Firnberg ist zwei Jahre lang im Parlament diskutiert worden. Warum? Weil es notwendig ist, ein gemeinsames Verständnis zu entwickeln, damit die Reform von allen Beteiligten mitgetragen wird. Jetzt aber ist ein Prozess in Gang, wo das Reden primär dazu dient, Dampf abzulassen, aber zu keiner wirklichen Veränderung führt.

die furche: Im Rahmen der Unireform soll es auch zur Ausgliederung der medizinischen Fakultäten kommen ...

einem: Rein technokratisch kann man das positiv sehen. Die Frage ist, ob es auch gescheit ist, denn gerade heute ist es notwendig, möglichst enge Beziehungen zu anderen Fachgruppen herzustellen, weil in der Kombination unterschiedlicher Blickwinkel der größte Erkenntnisgewinn zu erzielen ist.

die furche: Es scheint zur integrativen Aufgabe eines Wissenschaftsministers zu gehören, die Universitäten zu reformieren. Warum ist es unter Ihrer Patronanz zu keiner Reform gekommen?

einem: Was jetzt als Vollrechtsfähigkeitskonzept daherkommt, ist ja in den Grundzügen in meiner Zeit erarbeitet, wenn auch später, etwa bei der Mitbestimmung, deutlich verändert worden. Gehrer hat nicht bei null angefangen, sondern auch ich war der Meinung, dass man manches an den Strukturen verändern kann. Es hat zwei Jahre relativ intensive Vorarbeiten gegeben. Dann ist aber der Regierungswechsel eingetreten und es war nicht mehr möglich, die Reform zu realisieren.

Das Gespräch führte Doris Helmberger.

Caspar Einem war von 1997 bis 2000 Wissenschaftsminister und ist nun SPÖ-Europasprecher sowie Mitglied des EU-Konvents.

Ein Thema. Viele Standpunkte. Im FURCHE-Navigator weiterlesen.

FURCHE-Navigator Vorschau
Werbung
Werbung
Werbung