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Parteiloser Verfechter der "Volluniversität“

Er war immer einer, der gegen den Trend fuhr. Schon als Karlheinz Töchterle im Oktober 2007 den Rektorsposten an der Universität Innsbruck bezog, legte er ein umfassendes Bekenntnis zur "Volluniversität“ ab. Er sprach sich für interne Vernetzung sowie die interdisziplinäre Forschung und Lehre aus. Er setzte sich dafür ein, möglichst viele Studien und Forschungsprojekte "vor Ort“ zu haben: Das sei regionalpolitisch argumentierbar - junge Menschen werden entsprechend weniger zur Abwanderung gedrängt - und mache die Universität insgesamt stärker.

In diesem Sinn prägte Töchterle ein Gegenprogramm zur damals noch nicht lange aus dem Amt geschiedenen Ministerin Elisabeth Gehrer, die gemeint hatte, dass man Standorte gleicher Studienrichtungen zusammenlegen sollte, um Kosten zu sparen. Töchterle widersetze sich aber auch dem Geist des früheren Finanzministers Karl-Heinz Grasser, der mit der legendären Frage, wofür man denn gewisse "Orchideenstudien“ überhaupt brauche, die kaum einen volkswirtschaftlichen Mehrwert versprechen, für Diskussionen gesorgt hatte. Diesem Verständnis von Wissenschaft und Kultur setzte der Innsbrucker Uni-Rektor, selbst Klassischer Philologe, den mittlerweile erfolgreich umgesetzten Plan entgegen, das Altgriechisch-Studium wieder einzuführen. Das war erst im Jahr vor seinem Antritt abgeschafft worden - aus Kostengründen.

Die Bundesvorsitzende der Österreichischen Hochschülerschaft (ÖH), Sigrid Maurer, ließ sich am Tag vor Töchterles Präsentation über den Kurznachrichtendienst Twitter vorsichtig positiv aus, was seine - zu diesem Zeitpunkt noch als Gerücht gehandelte - Bestellung zum Nachfolger von Beatrix Karl betrifft. Er wäre "ein Fortschritt“, höre zu, binde alle ein und "versteht die Autonomie der Unis als Autonomie der Senate“. Kurzum: Es gibt vermutlich eine Gesprächsbasis, die zwischen der ÖH und Karl spätestens nach dem gescheiterten Hochschuldialog 2010 völlig zerstört war.

Natürlich werden es die Studierendenvertreter, die sich momentan im Wahlkampf befinden, auch einem Karlheinz Töchterle nicht billig geben. So führte Maurer in einem offiziellen Statement der ÖH aus, dass für ihr neues Gegenüber nach den Vorgänger/-innen Elisabeth Gehrer, Johannes Hahn und eben Karl "die Latte nicht sehr hoch“ liege: "Eine viel schlechtere Performance kann man nicht leisten“, so Maurer. Sie erlebe "den dritten Minister innerhalb von zwei Jahren“ und "erwarte endlich Taten anstatt reiner Ankündigungspolitik“.

Die Rektor/-innen der anderen staatlichen Unis sehen Töchterles Bestellung als die eines "Verbündeten“, wie die APA vermeldet. Der parteilose Kollege - der schon im Jänner 2010 als Nachfolger von Johannes Hahn im Gespräch war - wisse, "wie der Hase läuft“ und müsse sich nicht erst einarbeiten. Hans Sünkel, Präsident der Universitätenkonferenz und Rektor der TU Graz, stellte aber umgehend klar, dass auch der Innsbrucker Kollege mit massiven Forderungen konfrontiert werde. Zuletzt hatte Sünkel 300 Millionen Euro mehr für die Unis gefordert, um deren Betrieb zu garantieren -und zwar pro Jahr.

Der in Kürze zum Beschluss stehende Bundesfinanzrahmen würde damit, unter Töchterles Beteiligung, zu einer "historischen Chance für die neue Bundesregierung“, mahnte Sünkel politischen Mut ein. Vielleicht kann der neue Wissenschaftsminister ja am 13. Mai, wenn er seinen 62. Geburtstag begehen wird, tatsächlich bereits einen ersten, großen Erfolg verbuchen.

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