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Mut zur Angst

Corona Angst - © Illustration: Florian Zwickl (unter Verwendung von iStock / Dedy Setyawan)
Gesellschaft

Angst vor Corona: „ ... in die enge Welt hinein“

1945 1960 1980 2000 2020

Das Coronavirus versetzt der Globalisierung einen fatalen Stoß. Treibend ist dabei aber nicht die Krankheit selbst, sondern die Angst vor ihr. Eine Fehleranalyse.

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Das Coronavirus versetzt der Globalisierung einen fatalen Stoß. Treibend ist dabei aber nicht die Krankheit selbst, sondern die Angst vor ihr. Eine Fehleranalyse.

In dem Bürogebäude, in dem auch die FURCHE-Redaktion untergebracht ist, wurden vor einigen Tagen Verlautbarungen affichiert, die aus psychologischer Perspektive hochinteressant sind. Denn da wurden einerseits die geeigneten Umgangsformen mit dem Coronavirus recht sachlich dargestellt (Hände waschen, nicht schütteln etc.). Aber über all dem thronte in fetten Lettern: „Keine Panik!!!“ Wer also nicht schon vorher Angst hatte, durfte nun sicher sein, dass Panik hochoffiziell mit drei Ausrufezeichen niedergehalten werden musste.

Dagegen reißen wir uns ganz ohne Rufzeichen zusammen und forschen auf den kommenden Seiten an der Angst und ihren Folgen – anstatt ihr zu folgen. Auf den meisten Schauplätzen dominieren ja schon die Krisenpropheten die Bühnen und Schlagzeilen. Nicht nur jene, die da meinen, dass nun Millionen Menschen sterben werden. Auch die Weltwirtschaftskrise, seit Monaten (und ganz ohne Corona) schon herbeigedacht und eifrig auf dem Nachrichtenherd gekocht und abgeschmeckt, scheint nun servierfertig. Die Aktienkurse geben nach und der Dr. Doom der Ökonomen, Nouriel Roubini, raunt über den Spiegel in einen Äther voll Unsicherheit: „Diesmal wird es ein Desaster“ – kriegsähnliche Konflikte inklusive, angezettelt als Ablenkung durch China.

So zeigt sich also das Coronavirus (Covid-19) zwei Monate nach seinem ersten Auftreten auf einem Markt in der chinesischen Provinz Hubei: Es führt nicht mehr nur Erkrankungen und Tod, sondern auch schon Krieg und Krisen mit im Tross. Und damit steckt nun zwar nicht das Virus, aber die Angst vor ihm in allen dominierenden Geweben der Weltgesellschaft: im privaten Erleben, im Erwerbsleben, in der Politik und in der Weltkonjunktur, die nach jüngsten Vorhersagen in ihrem Wachstum halbiert werden könnte. Die Angst vor dem Virus ist pandemisch, bevor das Virus pandemisch ist – und sie ist folgenreich.