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Gesellschaft

Menschen ohne Internet: Die verwehrte Chance

1945 1960 1980 2000 2020

Das Internet ist in der Corona-Krise für die meisten Menschen ein Segen. Dennoch haben 1,6 Millionen Österreicher(innen) den digitalen Anschluss verpasst. Ein Einblick in die Offline-Welt.

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Das Internet ist in der Corona-Krise für die meisten Menschen ein Segen. Dennoch haben 1,6 Millionen Österreicher(innen) den digitalen Anschluss verpasst. Ein Einblick in die Offline-Welt.

Wer dieser Tage versucht, Paula Treimel anzurufen, hat es schwer. Meist ertönt nur der Besetztton. Während der Ausgangsbeschränkungen ist ihr Telefon – sie besitzt ausschließlich einen analogen Anschluss – ihre einzige Verbindung zur Außenwelt, zu ihren Freunden und zu ihren Kindern. „Ich hatte schon immer eine Abneigung gegen alles, was mit dem Internet und Computern zu tun hat“, sagt Paula Treimel, die eigentlich anders heißt, ihren Namen jedoch nicht in der Zeitung lesen will. „Deshalb habe ich mich nie damit auseinandergesetzt. Ich kenne mich überhaupt nicht aus.“

Die Salzburgerin zählt zu den 1,6 Millionen Österreicherinnen und Österreichern, die laut deutschen Vergleichsstudien von „digitaler Exklusion“ betroffen sind. Ein Begriff, den Experten verwenden, wenn Menschen mit neuen Technologien nicht oder in geringem Ausmaß in Berührung kommen. Während für die einen Digitalisierungsprozesse sozialen Austausch, neue Geschäfts­ und Arbeitsmodelle sowie Zugang zu Informations­, Dienstleistungs­- und Unterhaltungsangeboten ermöglichen, bleiben jenen, die „offline“ sind, diese digitalen Chancen verwehrt.

Überforderung statt Unterstützung

„Digitale Exklusion betrifft meist ohnehin benachteiligte Menschen, Armuts­betroffene, ältere Menschen und Personen mit niedriger formaler Bildung“, sagt Schifteh Hashemi, Geschäftsführerin von „arbeit plus“. Das Netzwerk gemeinnütziger sozialer Unternehmen in Österreich widmet sich dem Thema schwerpunktmäßig. Oft hätten Betroffene im Laufe ihres Lebens kaum oder nur schlechte Lern­erfahrungen gemacht, sagt Hashemi. „Wem es an Basiskompetenzen wie sinnerfassendem Lesen, Schreiben und Informationsverarbeitung mangelt, für den wird es auch in der digitalen Welt schwieriger, mithalten zu können. Dann kann das Digitale in seiner Komplexität schnell überfordern und Scheu aufbauen.“ Auffallend sei, dass immer mehr Schüler von digitaler Ausgrenzung betroffen sind – vor allem jene aus bildungsferneren Schichten.