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Kann Milch die Arbeitsleistung erhöhen ?

Die älteste bisher bekannte Rezeptsammlung der Welt, die auf zweiseitig beschriebenen Ton- tätelchen in sumerischer Keilschrift rund ein Dutzend Verordnungen aufweist, wurde bei Nippur im Irak gefunden. Sie stammt ungefähr aus dem Jahre 4000 v. Chr. und führt neben anderen Grundstoffen auch die Milch an, womit bewiesen ist, daß also vor rund 6000 Jahren dieselbe sicher nicht nur ein Nahrungsmittel darstellte, sondern ihr auch im Rahmen der da-, maligen medizinischen Erkenntnisse besonders wertvolle Eigenschaften zuerkannt wurden.

Der modernen Zeit jedoch blieb es Vorbehalten, die Zusammenhänge zwischen Milch und Gesundheit zu klären. Die Ergebnisse der .chemischen und biologischen Untersuchungen der Milch waren dabei so überzeugend, daß der Londoner Ernährungsbeirat in seinem ersten Bericht im Jahre 1937 bereits folgende Erklärung abgab: Milch besitzt einen derart überragenden Nährwert, daß der Genuß einer genügenden Menge davon als der Schlüssel zu einer günstigen Ernährung angesehen werden kann. Eine solche aber ist nicht nur für unser Leistungspotential, sondern darüber hinaus auch für unsere Lebensfreude und Lebenserwartung von ausschlaggebender Bedeutung.

Das immer rasanter werdende Lebens- und Arbeitstempo unserer Zeit, mit seinen gesteigerten Anforderungen an Arbeits- und Nervenkraft, schafft Bedingungen, die es ratsam erscheinen lassen, von unserer vielfach einseitig gewordenen „überzivilisierten“ Ernährungsweise wieder abzugehen, sollen nicht schon durch sie allein gesundheitliche Schäden gefördert werden.

Ein besonderes Kapitel stellt dabei die Ernährung älterer Leute dar, die auf Grund besonderer Arbeitsbedingungen sowie im Rahmen einer zunehmenden Vergreisung der Bevölkerung länger als in früheren Zeiten beruflich tätig sind. Auch für sie ist eine zweckmäßige Ernährung von größter Wichtigkeit.

Fragen wir uns nun ganz allgemein nach einer solchen, so müssen wir feststellen, daß man mit Begriffen wie Geschmacks-, Sättigungs- und Volumwert derselben allein nicht das Auslangen finden wird. Dabei soll das Volumen einer Nahrung im Vergleich zu seinem biologischen Nährwert weder zu groß noch zu klein sein.

Maßgeblicher für unsere Gesundheit ist jedoch der Gehalt unserer Nahrung an Eiweißstoffen, von denen eine bestimmte Menge neben Kohlehydraten und Fetten zur Erhaltung von Arbeitskraft und Wohlbefinden unbedingt benötigt werden und die man kurz als Nährstoffe bezeichnet. Ferner Wirkstoffe, auch Vitalstoffe genannt, zu denen Vitamine, Mineralstoffe und Fermente gehören.

Dient das Eiweiß der Nahrung dem Aufbau der Zellen, so werden Kohlehydrate (Stärke, Zucker) und Fette (Oele) für den sogenannten Betriebsstoffwechsel (Bewegung und Körperwärme) benötigt. Das Eiweiß soll dabei aber hochwertig sein, das heißt es soll nicht nur einzelne, sondern alle lebenswichtigen Eiweißverbindungen enthalten, die in ihrer Gesamtheit erst zu einem Gleichgewicht in der Ernährung führen.

In früheren Zeiten nahmen die Menschen eine gemischte Kost zu sich, die vorwiegend auf vegetabilischen Grundlagen, Milch und Milch produkten, Fleisch und Fett in geringerem Maße und wenig Gewürzen aufgebaut war. Das Abgehen von dieser Ernährungsform hat zweifelsohne zu einem stärkeren Ansteigen der „Zivilisationskrankheiten" geführt, zu denen zum Beispiel Herz- und Kreislauferkrankungen, Krebs, Rheuma, Magen- und Darmerkrankungen, Zahnfäule (Karies) sowie Leber- und Gallenleiden in steigendem Maße gehören.

Die „moderne Zeit" hat nicht nur die Ernährung geändert, sondern vielfach auch die natürlichen Bedingungen, die diese Nahrung hervorbringen, sowie auch die Methoden, Nahrungsmittel zu konservieren.

Ist es da ein Wunder, wenn heute wieder dem Verzehr voj} lėEensfriščher Nahrung'das Wort geredet wiri?

Zu einer solchen aber gehört in erster Lime auch die Milch, die speziell für Arbeitnehmer in Fabriken, Werkstätten und sonstigen Betrieben von nicht zu unterschätzender Bedeutung ist.

Sie wirkt nämlich;

1. Stärkend und erfrischend durch Geschmack und Vitamingehalt.

2. Beruhigend durch das in ihr enthaltene Lecithin und Vitamin Bx (Energievitamin).

3. Entgiftend, da sie, speziell in saurem Zustand, in giftgefährdeten Betrieben, schädlichen Bestandteilen der Luft durch Emulsionsbildung weitgehend entgegenwirkt.

4. Teilweise gegen die schädlichen Wirkungen des Rauchens.

5. Infektionskrankheiten hemmend (Vitamin C, B-Gruppe).

6. Verdauungsfördernd und harmonisierend auf den Stoffwechsel.

7. Vorbeugend gegen Aufbrauchkrankheiten in späteren Jahren, wie zum Beispiel Knochenentkalkung.

8. Günstig bei Magengeschwüren, Darm- und Leberleiden, auch bei Erkältungszuständen in heißem Zustand mit Honig oder Mineralwasser (Gleichenberger, Emmaquelle).

9. Nach neuesten Forschungen entfaltet sie auch eine bedeutende Schutzwirkung gegen Gefäßerkrankungen, besonders Herzkranzgefäßerkrankungen und Managerkrankheit.

10. Bei täglichem Genuß von einem Liter tagesbedarfdeckend für Kalk (Ca), Phosphor, Vitamin Ba (Atemferment) und Bu (gute Eiweißverwertung und Bluterneuerung). Ferner enthält Milch die wichtigen Vitamine A, E, F und K sowie Eisen.

11. Als wichtiger Träger höchstwertigen Eiweißes.

Milcheiweiß von Milch oder Milchprodukten soll übrigens, nach Dr. B. P. Sandler (North- Carolina, USA1 und seinen Erfahrungen, auch bei vorbeugender Ernährung gegen spinale Kinderlähmung einen großen Platz einnehmen, was wiederum besonders für jugendliche Arbeitnehmer wichtig ist.

Erhaltung von Arbeitskraft und Lebensfreude ist ebenso wie Leistungssteigerung durch richtige Vollwertnahrung immer möglich. Zu einer solchen aber gehört, wie Beobachtungen und Erfolge beweisen, unbedingt die Milch.

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