Das neue Superfood Kimchi - Abbildung von einer fermentierten Speise namens „Kimchi“, ein Salat in Gläser eingelegt.  - © Adobe Stock / vaaseenaa
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Vom Skeptiker zum Kimchi-Fan: Tim Spector und die Kraft der Fermentation

Tim Spectors „Die Wissenschaft der Fermentation" erklärt, warum fermentierte Lebensmittel so ungeheuer gesund sind – und macht Lust auf eigene Experimente.

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Antibakterielle Seifen, hochpasteurisierte Joghurts, Reinigungsmittel, die stolz 99,9 Prozent aller Keime von unseren Küchen fernhalten – all das gehört zum Standardrepertoire westlicher Hygienekulturen. Mikroben gelten als Gefahr; als etwas, das man besser auf Abstand hält. Dass dieselben Mikroben im Darm eine unserer wichtigsten Gesundheitsressourcen darstellen und wir jahrtausendelang genau auf diese Kraft gesetzt haben, ist eine Wahrheit, die in der Breite der Gesellschaft erst langsam ankommt. Tim Spector möchte das beschleunigen.

Kein Ratgeber zum nächsten Superfood-Trend

„Die Wissenschaft der Fermentation“, Untertitel: „Die lebensverändernde Kraft der Mikroben", heißt das jüngste Buch des sachbuchschreibenden britischen Epidemiologen, Mediziners und Mikrobiom-Experten, der als Mitgründer des Ernährungsforschungsunternehmens ZOE vor allem im englischsprachigen Raum bekannt geworden ist. Sein Buch ist kein Ratgeber zum nächsten Superfood-Trend, sondern ein anwendungspraktisches, kenntnisreiches und dabei äußerst lesbares Werk, das den Stand der Forschung mit Spectors persönlichen Erfahrungswerten rund um Fermentiertes kombiniert.

Freimütig lässt er dabei wissen, dass auch er erst 2010 – mit Beginn seiner Darmmikrobiom-Forschungen – begonnen hat, sich für fermentierte Lebensmittel zu interessieren. Damals kannte er Kimchi nicht, hielt Kombucha für „scharfes eingelegtes Zeug, von dem man lieber die Finger lässt", und wusste nicht, dass der Stilton-Blauschimmelkäse, den er so gerne aß, in seiner typischen Marmorierung gesundheitsfördernde Pilzkulturen enthält.

Bericht eines neugierigen Wissenschaftlers

Die autobiografische Offenheit, mit der Spector seinen Erkenntnisweg nachzeichnet, macht das Buch gleichermaßen charmant wie leicht zugänglich. Man begleitet auch nicht den Auftritt eines erleuchteten Food-Gurus, sondern den Bericht eines neugierigen Wissenschaftlers – zumal eines, der zwischenzeitlich zuhause ein solches Durcheinander aus fermentierenden Produkten anrichtet, dass er sein Buch seiner „leidgeprüften Frau Veronique" widmet, „die das Chaos in unserem Kühlschrank ertragen muss." Daher Achtung! Dieses Buch zu lesen, kann zu eigenen Fermentationsexperimenten führen! Das ermöglicht allein schon der ausführliche Anleitungs- und Rezeptteil am Buchende.

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