Momo - © Foto: Martina Konrad Murphy
Gesellschaft

Kinderhospize: Versorgung noch ausbaufähig

1945 1960 1980 2000 2020

In Österreich gibt es einen Mangel an Hospiz- und Palliativ- ein richtungen. Die Finanzierung bleibt weiterhin ein Knackpunkt.

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In Österreich gibt es einen Mangel an Hospiz- und Palliativ- ein richtungen. Die Finanzierung bleibt weiterhin ein Knackpunkt.

Rund 5000 Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene leiden in Österreich jährlich an schweren, lebensverkürzenden Erkrankungen, von denen zumindest ein Fünftel professionelle Hilfe benötigen würde, schätzt der Dachverband Hospiz Österreich. Eine Behandlung von 1000 jungen Patienten in den dafür vorgesehenen Einrichtungen haben sich Bund, Länder und Sozialversicherung zum Ziel gesetzt. Tatsächlich waren es 2018 weit weniger, wie aktuelle Zahlen vom Dachverband zeigen. Die überwiegende Mehrheit der Patienten wurde durch Mobile KinderPalliativteams (438 Patienten) und Kinder-Hospizteams (182) versorgt. Mittlerweile gibt es zwar in allen Bundesländern mobile Angebote, die Erkrankte und ihre Familien bei Bedarf begleiten und betreuen.

Hinzu kommen auch pädiatrische Palliativbetten und stationäre Kinder-Hospize. Die bundesweite Bedarfsdeckung ist jedoch bei weitem nicht erreicht, sowohl im mobilen wie auch im stationären Bereich, kritisiert der Dachverband, der mehr als 330 Hospiz-und Palliativeinrichtungen für Erwachsene sowie 30 für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene vertritt. Aktuell stehen in Österreich 14 mobile Kinder-Palliativteams in acht Bundesländern (Ausnahme Vorarlberg) sowie 12 Kinder-Hospizteams in allen Bundesländern zur Verfügung. Mit dem „Sterntalerhof“ gibt es ein stationäres Kinderhospiz mit psychosozialer Ausrichtung im Burgenland, darüber hinaus bestehen österreichweit sieben Palliativbetten am LK Mödling (3), Klinikum Klagenfurt (2) und an der Uniklink Innsbruck (2). Tatsächlich bräuchte es solche Betten dringend an allen 43 Kinder- und Jugendabteilungen in Österreichs Spitälern, heißt es vom Dachverband.

Finanzierung bleibt Knackpunkt

Seit 2013 verfügt Österreich zwar über ein im Auftrag des damaligen Sozial- und Gesundheitsministeriums ausgearbeitetes Konzept zur pädiatrischen Hospiz- und Palliativversorgung und war damit ein internationaler Vorreiter. Doch obwohl seit 2017 die diesbezügliche Versorgung auch im österreichischen Strukturplan Gesundheit verankert ist, bleibt die Finanzierung noch ein Knackpunkt. Während die Bundesländer Niederösterreich und Steiermark für die pädiatrischen Hospiz- und Palliativangebote aufkommen, gibt es in Wien und Vorarlberg noch keine zielgerichtete Unterstützung durch die öffentliche Hand. In den anderen Bundesländern werden die Angebote zumindest teilweise vom Land finanziert.

Rund 5000 Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene leiden in Österreich jährlich an schweren, lebensverkürzenden Erkrankungen, von denen zumindest ein Fünftel professionelle Hilfe benötigen würde, schätzt der Dachverband Hospiz Österreich. Eine Behandlung von 1000 jungen Patienten in den dafür vorgesehenen Einrichtungen haben sich Bund, Länder und Sozialversicherung zum Ziel gesetzt. Tatsächlich waren es 2018 weit weniger, wie aktuelle Zahlen vom Dachverband zeigen. Die überwiegende Mehrheit der Patienten wurde durch Mobile KinderPalliativteams (438 Patienten) und Kinder-Hospizteams (182) versorgt. Mittlerweile gibt es zwar in allen Bundesländern mobile Angebote, die Erkrankte und ihre Familien bei Bedarf begleiten und betreuen.

Hinzu kommen auch pädiatrische Palliativbetten und stationäre Kinder-Hospize. Die bundesweite Bedarfsdeckung ist jedoch bei weitem nicht erreicht, sowohl im mobilen wie auch im stationären Bereich, kritisiert der Dachverband, der mehr als 330 Hospiz-und Palliativeinrichtungen für Erwachsene sowie 30 für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene vertritt. Aktuell stehen in Österreich 14 mobile Kinder-Palliativteams in acht Bundesländern (Ausnahme Vorarlberg) sowie 12 Kinder-Hospizteams in allen Bundesländern zur Verfügung. Mit dem „Sterntalerhof“ gibt es ein stationäres Kinderhospiz mit psychosozialer Ausrichtung im Burgenland, darüber hinaus bestehen österreichweit sieben Palliativbetten am LK Mödling (3), Klinikum Klagenfurt (2) und an der Uniklink Innsbruck (2). Tatsächlich bräuchte es solche Betten dringend an allen 43 Kinder- und Jugendabteilungen in Österreichs Spitälern, heißt es vom Dachverband.

Finanzierung bleibt Knackpunkt

Seit 2013 verfügt Österreich zwar über ein im Auftrag des damaligen Sozial- und Gesundheitsministeriums ausgearbeitetes Konzept zur pädiatrischen Hospiz- und Palliativversorgung und war damit ein internationaler Vorreiter. Doch obwohl seit 2017 die diesbezügliche Versorgung auch im österreichischen Strukturplan Gesundheit verankert ist, bleibt die Finanzierung noch ein Knackpunkt. Während die Bundesländer Niederösterreich und Steiermark für die pädiatrischen Hospiz- und Palliativangebote aufkommen, gibt es in Wien und Vorarlberg noch keine zielgerichtete Unterstützung durch die öffentliche Hand. In den anderen Bundesländern werden die Angebote zumindest teilweise vom Land finanziert.

Kinder und Jugendliche werden zwar in Krankenhäusern untergebracht, nicht aber in den für sie geeigneten Zimmern.

„Unser Bereich fällt sowohl in die Abteilung Gesundheit als auch Soziales weil er sowohl medizinische und therapeutische als auch pflegerische und psychosoziale Tätigkeiten umfasst. Er ist also nicht eindeutig einem Etat zuzuordnen, was eine Regelfinanzierung erschwert“, sagt Projektleiterin Claudia Nemeth vom Dachverband Hospiz Österreich. Insbesondere die mobilen Teams seien nach wie vor „relativ neue Dienste, die nicht ins bestehende System passen“.

Diesen Eindruck hat auch Erich Borovnyak, Leiter des Mobilen Caritas Hospiz für Erwachsene: „Spezialisierte Hospiz- und Palliativversorgung für Erwachsene gibt es etwa seit 30 Jahren. Damals war das völlig neu – bis die Angebote anerkannt und schließlich finanziert wurden, hat es einige Jahre gedauert.“ Im pädiatrischen Bereich sei das wohl ähnlich, denn dieser ist noch viel jünger: Das „Hospiz für Kinder (HoKi)“ in Bregenz wurde 2006 als eines der ersten gegründet, mobile Dienste entstanden noch später, wie etwa „MOMO“ im Jahr 2013 in Wien. Angesichts der Erfahrungen im Erwachsenen-Hospizbereich ist Borovnyak also optimistisch, dass sich auch in diesem Bereich noch Verbesserungen ergeben werden.

Dennoch: Warum ist die Finanzierung österreichweit so ungleich? „Die Versorgung im stationären Bereich ist ja gesichert“ – das ist das Argument, das von der Politik immer wieder vorgebracht wird. Tatsächlich gibt es etwa in Wien keine deklarierten pädiatrischen Palliativbetten – betroffene Kinder und Jugendliche werden zwar in den Krankenhäusern untergebracht, aber – mit Ausnahme des hochspezialisierten St. Anna Kinderspitals – nicht in geeigneten Zimmern. So kommt es vor, dass Patienten mitunter nach Mödling ausweichen müssen, denn dort gibt es, anderes als in Wien, immerhin drei pädiatrische Palliativbetten. Die Stadt Wien beruft sich auf FURCHE-Nachfrage auf die vorhandene Förderung von MOKI in Höhe von 1,1 Millionen Euro im Jahr 2018, „womit 19.300 Stunden diplomierte Hauskrankenpflege ermöglicht wurden“, sowie auf die Förderung mobiler Palliativteams für Erwachsene. Im laut Dachverband noch unterfinanzierten pädiatrischen Bereich hat die Stadt aber offenbar den Handlungsbedarf erkannt, den kürzlich fand ein erstes Gespräch mit MOMO über eine etwaige künftige Förderung statt.

Vom Sozialministerium wiederum heißt es, dass die „Kinderhospiz- und Kinderpalliativbetreuung als Priorität bei der Umsetzung innovativer Maßnahmen festgelegt“ wurde. Verbindlich vereinbarte Planungen gebe es derzeit noch nicht. Mit Sicherheit wird die Regelfinanzierung vom künftigen Regierungsprogramm abhängen, das aber wohl nicht vor Jahresende zu erwarten ist. Der Wille von Ländern, Bund und Sozialversicherung sei mittlerweile aber immerhin erkennbar, wie die betroffenen Organisationen erklären.