Lesebriefe

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Leserbriefe bitte an leserbriefe@furche.at |

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Vorwiegend mit Intrigen und Selbstfindung beschäftigt

Wie die SPÖ Stadt findet Von Rudolf Mitlöhner Nr. 20, Seite 1

Rudolf Mitlöhner beobachtet und analysiert gut. Er beschreibt die Wiener SPÖ als Bollwerk gegen den neoliberalen und autoritären Zeitgeist und als "Herzmuskel" der Bundespartei. Ein Organ also, ohne dessen reibungsloses Funktionieren ein gutes Weiterleben nur schwer vorstellbar ist. Ferner stellt er damit einen hohen Anspruch an eine politische Partei, die vorwiegend mit der Bewältigung von Intrigen und Selbstfindung beschäftigt ist. Es ist eine Allegorie auf eine Landespartei und deren verantwortliche Leitung, die einen immensen Schuldenberg angehäuft und eine bislang nicht dagewesene Polarisierung der Gesellschaft zu vertreten haben. Deren machtgierige, zerstrittene, überbezahlte und wohlstandsverwahrloste Führung die überwiegende Schuld an den massiven Stimmenverlusten trifft und die eine Unzahl von teuren und schwierigen Problemen hinterlassen haben. Ich frage mich, was genau Herr Häupl mit "Haltung" meint und was die Höhepunkte seiner Amtszeit sind.

Die SPÖ überlegt bekanntlich schon sehr intensiv, wie sie ihre Rückkehr in die Regierung schaffen will. Die Lösungsfindung wird an junge Parteimanager delegiert. Können das die alten Profis, die so gerne regieren möchten, nicht? Aber vielleicht sind die programmatische Ausdünnung, die Unschärfe des eigenen Profils und die zunehmende Polarisierung in der Gesellschaft zu herausfordernde Themen -und stehen im Gegensatz zu den Interessen der satten und selbstzufriedenen SP-Millionäre und deren Entourage.

Josef Landlinger 1050 Wien

Stehlt diesem wunderbaren Papst nicht die Zeit!

Papst entscheidet Bischofsstreit (noch) nicht Von Gregor Maria Hoff Nr. 19, Seite 15

Ich bin bekennender evangelischer Christ, wobei ich die Betonung auf Christ lege, und lebe wegen meiner katholischen Frau seit rund vierzig Jahren in (freilich aufgeklärten) katholischen Biotopen, in von der Charismatischen Erneuerung geprägten Gebetskreisen und einer römisch-katholischen Pfarrgemeinde im Süden Wiens.

Kein einziger der katholischen Priester, die mich in Kenntnis meiner Konfession in allen diesen Jahren begleitet haben - ich könnte aus dem Stand mindestens zehn Namen nennen -ist auf die Idee gekommen, mir die Kommunion zu verweigern. Das gilt vor allem für die drei Pfarrer unserer Pfarrgemeinde, denen ich deshalb zu lebenslangem Dank verpflichtet bin.

Den wackeren Pharisäern auf den Bischofsthronen (nicht nur in Deutschland) kann ich nur zurufen: Stehlt diesem wunderbaren Papst, der euch und allen anderen Christen vom Heiligen Geist geschenkt worden ist, nicht mit euren hinterhältigen Anfragen die Zeit! Er braucht sie weiß Gott für die wirklichen Probleme unserer Gesellschaft und der Kirche.

Dr. Robert Krepp via Mail

Keine Rede davon : was hier alles weggelassen wurde

Israel und seine Siege Von Oliver Tanzer Nr. 20, Seite 11

Vorweg: Oliver Tanzers FURCHE-Beiträge schätze ich sehr, sie sind kompetent und gut geschrieben. Diesmal jedoch liegt es ganz anders. Da wird das Bild Israels als eines Landes entworfen, das eine Situation heraufgeführt hat, die "an Sinnlosigkeit nicht mehr überbietbar ist", und "das seit 70 Jahren". Das ist willkürlich und falsch und in der Rhetorik zumindest israelfeindlich. Es gehört weithin zum europäischen Mainstream, Israel als das Nahostproblem ausfindig zu machen. Das funktioniert unter der Bedingung wichtiger Auslassungen: Keine Rede davon, dass der Staat Israel auch eine Antwort der internationalen Gemeinschaft auf die Schoa war, auf die Judenvernichtung, die in Europa organisiert und durchgeführt wurde; keine Rede davon, dass im Großteil der arabischen Welt Geografie und Geschichte ohne Landkarten mit dem Staatsgebiet Israel gelehrt werden (und sei es nach den ursprünglichen Plänen); keine Rede davon, dass die politischen Absichten des Iran auf Destabilisierung Israels und seinen Untergang abzielen und dafür der Krieg in Syrien als Vorbereitung dient; keine Rede von den arabischen Doktrinen, man werde "Israel ins Meer treiben"; keine Rede davon, dass man bei Besuchen in Betlehem von katholischen Führern erfährt, dass es weder Israel noch die Juden gibt oder gegeben hat; keine Rede davon, dass der Großmufti von Jerusalem vor einem Dreivierteljahr wieder erklärt hat, der Felsendom stehe seit Anbeginn der Welt auf dem Tempelberg, einen jüdischen Tempel habe es nie gegeben. Im Vergleich zum jahrelangen Morden in Syrien ist die Sinnlosigkeit der Lage Israels nicht mehr zu überbieten? Auch nicht im Vergleich zum Chaos im Irak und der Christenverfolgung dort? Zur tödlichen Sippenpolitik in Libyen? Zur theokratischen Unterdrückung, die den Iran seit Jahrzehnten beherrscht? Zur iranischen Finanzierung von islamistischen Gewaltgruppen wie der Hisbollah? Zu den sinnlosen Kriegen in Syrien, im Jemen und den dort ausgetragenen muslimischen Hegemonieansprüchen? Meinungen sind immer pointiert, auch die FURCHE-Meinung. Grundsätzlich ist das kein Problem, solange der Fokus auf einen Punkt nicht mit der Ausblendung des Umfelds korrespondiert.

Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Treitler via Mail

Israel heute: Herzl würde sich im Grab umdrehen

wie oben

In seinem Kommentar beschreibt Oliver Tanzer die Realität: "Israel will alles. Und es bekommt tatsächlich alles." Aber ich frage: Um welchen Preis? Hat nicht Theodor Herzl für die "Heimstätte" Israel als einen Staat gekämpft, in dem vorbildhaft alle Bewohner in Frieden und gegenseitiger Achtung leben sollen, quasi als Vorgriff auf das messianische Reich, als Vorbild für die ganze Welt? Jetzt gäbe es die einmalige Chance Israels, aus einer Position der Stärke heraus die Palästinenser wirklich als Partner anzuerkennen und den Doppelstaat Israel-Palästina zu einem blühenden Land zu machen, in dem auch die Palästinenser tatsächlich an der wirtschaftlichen Entwicklung und am Wohlstand teilhaben. Dann könnte die Vision Herzls Wirklichkeit werden. Geschieht das nicht, dann ist der nächste Krieg und die nächste Vertreibung der Juden aus Israel vorprogrammiert, und diejenigen Juden bekämen Recht, die die Diaspora als ihr unterscheidendes Wesensmerkmal ansehen.

OSTR Dr. Paul Weitzer 1130 Wien

FURCHE-Lob

Unvermutet habe ich eine Ausgabe der FURCHE in die Hand bekommen. Was ich erleben durfte, war ein unerwarteter und überaus nachhaltiger Lesegenuss: aktuell, gültig, präzise, umfassend, lebendig, klar und vor allem gewichtig! Wie können Sie ein Printmedium dieser Qualität nur so streng geheimhalten? In Zeiten von inflationär überschwappenden Gratis-News (fake, irrelevant oder sonst was) sind qualitätsvolle Gedanken und Hintergrundanalysen, grafisch dezent und fein layoutiert, nicht selbstverständlich. Ich möchte daher dem gesamten FURCHE-Team herzlich danke sagen. Bitte machen Sie weiter so! Ich freue mich auf die nächste Ausgabe.

Martin Rührnschopf 1130 Wien

Erratum

Kopf an Kopf Nr. 20, Seite 2

Bischof Alois Schwarz folgt in St. Pölten nicht dem Schweizer Theologen Hans, sondern dem bisherigen Bischof Klaus Küng an der Spitze der Diözese nach.

In dieser Ausgabe der FURCHE finden Sie eine Beilage der RSD Service Deutschland GmbH.

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