
Taufboom im Westen: Ein „Zeichen des Himmels“?
Über 18.000 Jugendliche und junge Erwachsene haben sich allein in der Osternacht dieses Jahr in Frankreich katholisch taufen lassen. Dies entspreche einem Anstieg von 45 Prozent bei den Erwachsenen im Vergleich zum Vorjahr, teilte die katholische Kirche in Frankreich mit. Ein solch signifikanter Anstieg von erwachsenen Menschen, die sich entschließen, Christin oder Christ zu werden – noch dazu im laizistischen Frankreich? Was sich auf den ersten Blick wie ein Fehler in der Statistik liest, ist tatsächlich korrekt. Die Grande Nation ist, was dieses Phänomen anbelangt, nicht allein: Auch die katholische Kirche in Großbritannien, den Vereinigten Staaten und auch hier in Österreich vermeldet einen starken Anstieg bei Katechumenen – also Menschen, die im christlichen Glauben unterrichtet werden und sich auf die Aufnahme in die Kirche durch die Taufe vorbereiten. Doch wie lässt sich dieser Trend erklären und ist er wirklich ein „Zeichen des Himmels“, als das ihn Frankreichs Bischöfe, aber auch viele konservative kirchliche Medien bezeichneten?
Tausende Taufbewerber
So haben sich dieses Jahr so viele Erwachsene in Frankreich taufen lassen wie seit Einführung der Zählung vor über 20 Jahren noch nicht. Innerhalb von zehn Jahren sei die Zahl der erwachsenen Taufbewerber in Frankreich von 3900 (im Jahr 2015) auf 10.391 (im Jahr 2025) gestiegen. Bei den neu zu taufenden Erwachsenen mache die Gruppe der 18- bis 25-Jährigen erstmals die größte Zahl an Täuflingen aus. Die Neu-Christen stammten vor allem aus dem studentischen Milieu, hieß es in einer Mitteilung der katholischen Bischofskonferenz. Die Verantwortlichen machten vor allem ihr Engagement in Werbung und Weitergabe des Glaubens für den Anstieg der Zahlen verantwortlich.
Aber auch viele katholische Diözesen in den USA, Kanada und Großbritannien verzeichneten heuer Rekorde an Taufbewerbern, wie die katholische Investigativplattform The Pillar vermeldete. In manchen US-amerikanischen Diözesen gab es demnach mehr als tausend Taufen und Firmspendungen. Über 1500 Katechumenen und Übertrittswillige verzeichnet demnach allein die Erzdiözese Washington D.C., nach 1350 im Vorjahr. Auch in Kanada habe etwa die Erzdiözese Vancouver heuer mit 720 Erwachsenentaufen den Vorjahresrekord verdoppelt. In Australien verzeichnet die Erzdiözese Sydney mit der Höchstanzahl von 384 Taufbewerbern ein Drittel mehr als 2024. In Großbritannien habe die Erzdiözese Westminster über 500 Katechumenen und Kandidaten gemeldet – immerhin ein Anstieg um ein Viertel gegenüber 2024. Ähnliche Zahlen gebe es auch in Birmingham, Liverpool, Southwark und Leeds.
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