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Bangladesch versinkt im Meer - Palmen an der Ostsee

Ein finnisches Forscherteam hat eine Studie über eine mögliche Ertragssteigerung für die Forstwirtschaft erstellt. Fazit: Finnlands Rauern, und ganz besonders die Forstwirte, gehören zu den „Gewinnern" des weltweiten Treibhauseffektes. Die Wissenschafter gehen bei ihren Annahmen von einer globalen Erwärmung von 0,4 Grad Celsius pro Jahrzehnt aus. Rereits im Jahre 2050 würde dann die Landwirtschaft derjeniger von Nord-, deutschland und Südschweden entsprechen, meldete kürzlich der finnische Pressedienst. Durch die zusätzliche Holzmenge steigen die Erträge der Wälder jährlich um neun Milliarden Schilling. Da sich in südlicheren Breiten durch Trockenheit die Preise für landwirtschaftliche Produkte erhöhen werden, können sich auch die finnischen Bauern auf bessere Zeiten freuen. Es steht ihnen ein Mehrgewinn von fünf Milliarden Schilling ins Haus, so die Kalkulationen des Wissenschafterteams. Finnlands Natur würde eine derartige Klimaveränderung gut vertragen. Neue Gewächse wie etwa Mais prägen dann das Landschaftsbild.

Ahnliche Überlegungen stellte auch eine britische Forschergruppe an. In 50 Jahren wird es in Großbritannien vermutlich im Schnitt um 1,6 Grad Celsius wärmer sein. Heiße und trockene Sommer im Südosten Englands ermöglichen den Anbau von Mais, der Wein wächst und schmeckt besser, die Rriten müßten dann nicht mehr nach Mallorca reisen, um in der Sonne zu liegen, sondern könnten zu Hause Urlaub machen. Die Klimaveränderung würde für Großbritannien viele Vorteile haben. Allerdings, so prognostizieren die Wissenschafter, überwiegen insgesamt doch die Nachteile. Die Nordsee steige bis dahin um 35 Zentimeter an, es werde mehr Stürme geben und für viele Nutzpflanzen, die heute dort angebaut werden, wäre die Trockenheit eher schädlich.

Das jüngst erschienene Ruch „Globale Trends 1996" geht ebenfalls von der Annahme aus, daß es „Gewinner" und „Verlierer" der globalen Erwärmung geben wird. Zu den Klimagewinnern rechnen die Autoren neben den skandinavischen Ländern auch Polen und Rußland. In diesen Ländern wird wahrscheinlich durch die Verschiebung der Klimazonen und die Verlängerung der Vegetationsperiode die Produktion von landwirtschaftlichen Produkten gesteigert, vorausgesetzt die Wasserversorgung ist weiterhin gesichert. Aus den gefrorenen Böden im Norden Rußlands könnte eine riesige Getreidekammer entstehen.

Teile des afrikanischen Kontinents, in erster Linie Westafrika, werden dagegen mangels Regen austrocknen. Auch Asien und Mittelamerika werden die Dürre zu spüren bekommen.

Die „klassischen Verlierer" sind die kleinen Inselstaaten, die der Reihe nach im Meer versinken werden. Der Bericht des UN-Klimaexpertengremiums „Intergovernmental Panel on Climate Change" geht von der Annahme aus, daß der Meeresspiegel in 50 Jahren um 30 bis 50 Zentimeter ansteigen wird, falls keine Maßnahmen zur Senkung der Treibhausgas-Emissionen ergriffen werden. Dieses Ausmaß bedeutet eine „ernste Bedrohung mit erheblichen ökologischen und so-zioökonomischen Wirkungen", bewertet „Globale Trends 1996" die Situation. Dadurch werde beispielsweise Bangladesch 20 Prozent seiner landwirtschaftlichen Nutzfläche verlieren, heißt es in dem Bericht. Viele der besonders fruchtbaren Deltagebiete wie derjenigen der Flüsse Mekong, Nil, Amazonas, Po und Mississippi drohen zu überflutet und zu versalzen.

Auch Küstenregionen Europas sind gefährdet. So haben etwa die Niederlande bereits Vorkehrungen getroffen, alle Mülldeponien zum Grundwasser hin abzudichten.

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