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Bald auf dem Trockenen

1945 1960 1980 2000 2020
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22. März - Welt-Wasser-Tag: Ein UNO-Bericht untersucht die Situation der weltweiten Wasserversorgung und warnt vor sich abzeichnenden Krisen.

Wie viele andere Ereignisse stand auch der Welt-Wasser-Tag am 22. März im Schatten des Irak-Krieges. Dasselbe Schicksal erlitt die vom 16. bis 22. März in Kyoto veranstaltete internationale Konferenz, das 3. Weltwasserforum. Dabei war das Forum eine Riesenveranstaltung, an der 24.000 Personen, Vertreter von170 Staaten und 43 internationalen Organisationen teilnahmen. Die Versorgung der Weltbevölkerung mit dem Lebensmittel Wasser war Thema der Konferenz.

Im Rahmen des Forums stellte die UNESCO den "Welt-Wasser-Entwicklungsbericht" vor, ein umfassendes Dokument zu dieser wichtigen Frage. Seine Diagnose: Die Welt stehe vor einer ernsthaften Wasserkrise. 1,1 Milliarden Menschen haben keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser und 2,4 Milliarden keine angemessene Abwasser-Entsorgung. Dem Bericht zufolge sterben täglich 6.000 Menschen an Durchfall oder anderen von unsauberem Wasser ausgelösten Krankheiten. Sollten keine ernsthaften Anstrengungen unternommen werden, sei mit einer Verschlechterung der Situation zu rechnen, so die Warnung.

Großverbraucher des Süßwassers sei die Landwirtschaft (weltweit zu 70 Prozent), wird festgehalten. Etwas mehr als ein Fünftel des Wasserkonsums gehe auf Konto der Industrie (in den Industrieländern allerdings fast 60 Prozent). Nur der Rest wird im häuslichen Bereich verbraucht.

Eines der Hauptprobleme der Wasserversorgung ist die ungleiche Verteilung dieser Ressource auf der Erde: Allein die sechs wasserreichsten Länder (Brasilien, Russland, Kanada, China, Indien, USA) verfügen über 40 Prozent des Wassers aus Flüssen, Seen und unterirdischen Vorkommen. Ihnen stehen Länder gegenüber, die zwar 40 Prozent der Landfläche bedecken, sich aber mit nur zwei Prozent des Süßwassers begnügen müssen. Besonders markant ist die Disparität in Asien. Es beherbergt zwar 60 Prozent der Weltbevölkerung, verfügt jedoch nur über 36 Prozent der Wasser-Ressourcen.

Problem Abwasser

Neben der weitverbreiteten Unterversorgung mit Wasser ist dessen Verschmutzung ein enormes Problem, das die UNESCO in ihrem Bericht hervorhebt und als Quelle sich zukünftig verschärfender Krisen diagnostiziert. Weltweit landen nämlich täglich derzeit etwa zwei Millionen Tonnen Abfälle im Wasser (Industrieabfälle, Chemikalien, Pestizide, Kunstdünger). Besonders betroffen sind die Länder der Dritten Welt. Etwa 50 Prozent ihrer Bevölkerung müssen sich mit mehr oder weniger stark belastetem Wasser begnügen.

Sehr negativ auf den Wasserhaushalt habe sich die großräumige Entwaldung in vielen Regionen ausgewirkt, wird festgehalten. Die Folge: Die Böden verlieren zunehmend - auch durch Erosion - ihre Fähigkeit, Wasser zu speichern. Weniger Wald bedeute auch weniger regionale Verdunstung. Dieselbe nachteilige Wirkung für den Wasserhaushalt habe auch die Trockenlegung von Landflächen im Interesse der Landwirtschaft. Entsprechende Maßnahmen hätten weltweit zum Verschwinden von 50 Prozent der Sumpf-Flächen geführt.

Um einen Vorstellung davon zu vermitteln, wie massiv in den Wasserhaushalt eingegriffen worden ist, zählt der Bericht folgende Beobachtungen auf: Rund 60 Prozent der großen Fließgewässer seien heute durch Wasserbauwerke unterbrochen. Diese Eingriffe verändern den Lebensraum Wasser ganz erheblich: seine Temperatur, bei Fließgewässern die Schwankungen im Wasserangebot, das Ausmaß, in dem Nährstoffe transportiert und sonstige Stoffe abgelagert werden. Am deutlichsten spürt das die Fischerei. Ihre Erträge seien überall gesunken. Von den im Einzugsbereich von Binnengewässern lebenden Säugetierarten seien außerdem 24 Prozent gefährdet. Ebenfalls vom Aussterben bedroht sei ein Drittel der untersuchten Fischarten.

Die Klimaveränderung sei ein weiterer Faktor, der Anlass zur Sorge gibt, hält der Bericht fest. Beim derzeitigen Stand des Wissens rechne man damit, dass die tropischen und subtropischen Regionen noch weniger und noch unregelmäßigere Niederschläge verzeichnen werden. Weltweit sei außerdem mit einer Zunahme der Extrem-Ereignisse (Zyklone, Überschwemmungen, Rutschungen, Trockenperioden) zu rechnen, alles Geschehen mit negativen Folgen für die Qualität des Süßwassers. "Jüngsten Schätzungen zufolge wird die weltweit weiter wachsende Wasserknappheit zu 20 Prozent auf die Klimaveränderung zurückzuführen sein." Woraus die UNESCO die Schlussfolgerung zieht: "In der Mitte dieses Jahrhunderts werden (je nach Schätzung) zwischen zwei und sieben Milliarden Menschen in 48 bis 60 Ländern mit Trinkwasser-Mangel konfrontiert sein."

International kooperieren

Ein für die Zukunft der Wasserversorgung wichtiger Aspekt, den die Studie beleuchtet, ist das Phänomen der fortschreitenden Verstädterung. Derzeit lebten schon 48 Prozent der Weltbevölkerung in Agglomerationen. Zwar verfügten die Ballungszentren meist über Systeme der Wasserversorgung, Probleme bereiteten aber die Abwässer. "Dort, wo die Abfallwirtschaft schlecht oder gar nicht funktioniert, werden die Städte für deren Einwohner zu den gefährlichsten Lebensräumen des Planeten", warnt die UNESCO.

Vor allem in der Dritten Welt ist die Entsorgung vielfach völlig unzureichend. Ärgste Missstände bei Latrinen und öffentlichen Toilette-Anlagen seien an der Tagesordnung. Und in vielen Dritte-Welt-Metropolen sei die Qualität des Wasser verheerend.

Der "Welt-Wasser-Entwicklungsbericht" macht deutlich, vor welchen enormen Herausforderungen die Wasserwirtschaft steht. Rund 180 Millionen Dollar seien jährlich in die wasserbezogene Infrastruktur zu stecken, wird geschätzt, um 100 Milliarden mehr, als derzeit investiert werden.

Eine zukunftsfähige Wasserversorgung werde aber nicht nur beachtliche Investitionen erfordern, vermerkt der Bericht, sondern vor allem auch die Bereitschaft zur Zusammenarbeit zwischen Ländern und Wirtschaftssektoren. 145 Staaten nämlich liegen geografisch so, dass sie hydrografische Becken mit einem oder mehreren anderen Ländern teilen. In den letzten 50 Jahren habe dabei die Kooperation zwischen den Beteiligten Vorrang vor Konflikten um die Wassernutzung gehabt. 1.200 Initiativen zu gemeinsamem internationalem Vorgehen stehen 500 Konflikten gegenüber. Trotz dieser erfreulichen Tatsache warnt die UNESCO jedoch vor zukünftigen Konflikten, die sich bei steigender Nachfrage nach Wasser und einer Verschlechterung der Qualität dieses Lebensmittels einstellen würden.

Der Kreislauf des Wassers

Das Süßwasser erneuert sich - mit Ausnahe der tiefen, nicht förderbaren Grundwassermengen - laufend. Es wird in einem Kreislauf geführt. Dieser hat seinen Ursprung in der Verdunstung, die sowohl über dem Meer wie über dem Land durch die Sonne bewirkt wird. Jede Sekunde verdunsten weltweit rund eine Milliarde Liter Wasser.

Dieser Dunst gelangt in höhere Luftschichten, kühlt sich dort ab, kondensiert (in Form kleiner Tröpfchen) und bildet Wolken. Sie werden durch den Wind über große Distanzen befördert und geben ihre Ladung ab, wenn sie zu schwer werden, meist in Form von Regen, im Winter in Form von Schnee. Niederschläge, die über Land fallen, versickern, werden zu Grundwasser, das an manchen Stellen als Quellen an die Oberfläche tritt, Bäche und Flüsse bilden, die das Wasser ins Meer zurücktransportieren, um den Wasserkreislauf zu schließen. Ein Teil des Niederschlags wird von der Vegetation aufgenommen und durch Verdunstung an die die Atmosphäre abgegeben.

Genutzt werden derzeit rund acht Prozent der sich jährlich erneuernden Wassermenge, aber 54 Prozent des zugänglichen Fließwassers. Daraus wird ersichtlich, dass der Mensch bereits massiv in diesen Zyklus eingreift. Und die Tendenz ist steigend, aufgrund des steigenden Lebensstandards, aufgrund der weiterhin wachsenden Weltbevölkerung.

22. März - Welt-Wasser-Tag: Ein UNO-Bericht untersucht die Situation der weltweiten Wasserversorgung und warnt vor sich abzeichnenden Krisen.

Wie viele andere Ereignisse stand auch der Welt-Wasser-Tag am 22. März im Schatten des Irak-Krieges. Dasselbe Schicksal erlitt die vom 16. bis 22. März in Kyoto veranstaltete internationale Konferenz, das 3. Weltwasserforum. Dabei war das Forum eine Riesenveranstaltung, an der 24.000 Personen, Vertreter von170 Staaten und 43 internationalen Organisationen teilnahmen. Die Versorgung der Weltbevölkerung mit dem Lebensmittel Wasser war Thema der Konferenz.

Im Rahmen des Forums stellte die UNESCO den "Welt-Wasser-Entwicklungsbericht" vor, ein umfassendes Dokument zu dieser wichtigen Frage. Seine Diagnose: Die Welt stehe vor einer ernsthaften Wasserkrise. 1,1 Milliarden Menschen haben keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser und 2,4 Milliarden keine angemessene Abwasser-Entsorgung. Dem Bericht zufolge sterben täglich 6.000 Menschen an Durchfall oder anderen von unsauberem Wasser ausgelösten Krankheiten. Sollten keine ernsthaften Anstrengungen unternommen werden, sei mit einer Verschlechterung der Situation zu rechnen, so die Warnung.

Großverbraucher des Süßwassers sei die Landwirtschaft (weltweit zu 70 Prozent), wird festgehalten. Etwas mehr als ein Fünftel des Wasserkonsums gehe auf Konto der Industrie (in den Industrieländern allerdings fast 60 Prozent). Nur der Rest wird im häuslichen Bereich verbraucht.

Eines der Hauptprobleme der Wasserversorgung ist die ungleiche Verteilung dieser Ressource auf der Erde: Allein die sechs wasserreichsten Länder (Brasilien, Russland, Kanada, China, Indien, USA) verfügen über 40 Prozent des Wassers aus Flüssen, Seen und unterirdischen Vorkommen. Ihnen stehen Länder gegenüber, die zwar 40 Prozent der Landfläche bedecken, sich aber mit nur zwei Prozent des Süßwassers begnügen müssen. Besonders markant ist die Disparität in Asien. Es beherbergt zwar 60 Prozent der Weltbevölkerung, verfügt jedoch nur über 36 Prozent der Wasser-Ressourcen.

Problem Abwasser

Neben der weitverbreiteten Unterversorgung mit Wasser ist dessen Verschmutzung ein enormes Problem, das die UNESCO in ihrem Bericht hervorhebt und als Quelle sich zukünftig verschärfender Krisen diagnostiziert. Weltweit landen nämlich täglich derzeit etwa zwei Millionen Tonnen Abfälle im Wasser (Industrieabfälle, Chemikalien, Pestizide, Kunstdünger). Besonders betroffen sind die Länder der Dritten Welt. Etwa 50 Prozent ihrer Bevölkerung müssen sich mit mehr oder weniger stark belastetem Wasser begnügen.

Sehr negativ auf den Wasserhaushalt habe sich die großräumige Entwaldung in vielen Regionen ausgewirkt, wird festgehalten. Die Folge: Die Böden verlieren zunehmend - auch durch Erosion - ihre Fähigkeit, Wasser zu speichern. Weniger Wald bedeute auch weniger regionale Verdunstung. Dieselbe nachteilige Wirkung für den Wasserhaushalt habe auch die Trockenlegung von Landflächen im Interesse der Landwirtschaft. Entsprechende Maßnahmen hätten weltweit zum Verschwinden von 50 Prozent der Sumpf-Flächen geführt.

Um einen Vorstellung davon zu vermitteln, wie massiv in den Wasserhaushalt eingegriffen worden ist, zählt der Bericht folgende Beobachtungen auf: Rund 60 Prozent der großen Fließgewässer seien heute durch Wasserbauwerke unterbrochen. Diese Eingriffe verändern den Lebensraum Wasser ganz erheblich: seine Temperatur, bei Fließgewässern die Schwankungen im Wasserangebot, das Ausmaß, in dem Nährstoffe transportiert und sonstige Stoffe abgelagert werden. Am deutlichsten spürt das die Fischerei. Ihre Erträge seien überall gesunken. Von den im Einzugsbereich von Binnengewässern lebenden Säugetierarten seien außerdem 24 Prozent gefährdet. Ebenfalls vom Aussterben bedroht sei ein Drittel der untersuchten Fischarten.

Die Klimaveränderung sei ein weiterer Faktor, der Anlass zur Sorge gibt, hält der Bericht fest. Beim derzeitigen Stand des Wissens rechne man damit, dass die tropischen und subtropischen Regionen noch weniger und noch unregelmäßigere Niederschläge verzeichnen werden. Weltweit sei außerdem mit einer Zunahme der Extrem-Ereignisse (Zyklone, Überschwemmungen, Rutschungen, Trockenperioden) zu rechnen, alles Geschehen mit negativen Folgen für die Qualität des Süßwassers. "Jüngsten Schätzungen zufolge wird die weltweit weiter wachsende Wasserknappheit zu 20 Prozent auf die Klimaveränderung zurückzuführen sein." Woraus die UNESCO die Schlussfolgerung zieht: "In der Mitte dieses Jahrhunderts werden (je nach Schätzung) zwischen zwei und sieben Milliarden Menschen in 48 bis 60 Ländern mit Trinkwasser-Mangel konfrontiert sein."

International kooperieren

Ein für die Zukunft der Wasserversorgung wichtiger Aspekt, den die Studie beleuchtet, ist das Phänomen der fortschreitenden Verstädterung. Derzeit lebten schon 48 Prozent der Weltbevölkerung in Agglomerationen. Zwar verfügten die Ballungszentren meist über Systeme der Wasserversorgung, Probleme bereiteten aber die Abwässer. "Dort, wo die Abfallwirtschaft schlecht oder gar nicht funktioniert, werden die Städte für deren Einwohner zu den gefährlichsten Lebensräumen des Planeten", warnt die UNESCO.

Vor allem in der Dritten Welt ist die Entsorgung vielfach völlig unzureichend. Ärgste Missstände bei Latrinen und öffentlichen Toilette-Anlagen seien an der Tagesordnung. Und in vielen Dritte-Welt-Metropolen sei die Qualität des Wasser verheerend.

Der "Welt-Wasser-Entwicklungsbericht" macht deutlich, vor welchen enormen Herausforderungen die Wasserwirtschaft steht. Rund 180 Millionen Dollar seien jährlich in die wasserbezogene Infrastruktur zu stecken, wird geschätzt, um 100 Milliarden mehr, als derzeit investiert werden.

Eine zukunftsfähige Wasserversorgung werde aber nicht nur beachtliche Investitionen erfordern, vermerkt der Bericht, sondern vor allem auch die Bereitschaft zur Zusammenarbeit zwischen Ländern und Wirtschaftssektoren. 145 Staaten nämlich liegen geografisch so, dass sie hydrografische Becken mit einem oder mehreren anderen Ländern teilen. In den letzten 50 Jahren habe dabei die Kooperation zwischen den Beteiligten Vorrang vor Konflikten um die Wassernutzung gehabt. 1.200 Initiativen zu gemeinsamem internationalem Vorgehen stehen 500 Konflikten gegenüber. Trotz dieser erfreulichen Tatsache warnt die UNESCO jedoch vor zukünftigen Konflikten, die sich bei steigender Nachfrage nach Wasser und einer Verschlechterung der Qualität dieses Lebensmittels einstellen würden.

Der Kreislauf des Wassers

Das Süßwasser erneuert sich - mit Ausnahe der tiefen, nicht förderbaren Grundwassermengen - laufend. Es wird in einem Kreislauf geführt. Dieser hat seinen Ursprung in der Verdunstung, die sowohl über dem Meer wie über dem Land durch die Sonne bewirkt wird. Jede Sekunde verdunsten weltweit rund eine Milliarde Liter Wasser.

Dieser Dunst gelangt in höhere Luftschichten, kühlt sich dort ab, kondensiert (in Form kleiner Tröpfchen) und bildet Wolken. Sie werden durch den Wind über große Distanzen befördert und geben ihre Ladung ab, wenn sie zu schwer werden, meist in Form von Regen, im Winter in Form von Schnee. Niederschläge, die über Land fallen, versickern, werden zu Grundwasser, das an manchen Stellen als Quellen an die Oberfläche tritt, Bäche und Flüsse bilden, die das Wasser ins Meer zurücktransportieren, um den Wasserkreislauf zu schließen. Ein Teil des Niederschlags wird von der Vegetation aufgenommen und durch Verdunstung an die die Atmosphäre abgegeben.

Genutzt werden derzeit rund acht Prozent der sich jährlich erneuernden Wassermenge, aber 54 Prozent des zugänglichen Fließwassers. Daraus wird ersichtlich, dass der Mensch bereits massiv in diesen Zyklus eingreift. Und die Tendenz ist steigend, aufgrund des steigenden Lebensstandards, aufgrund der weiterhin wachsenden Weltbevölkerung.