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Hoffnung für den Sahei

1945 1960 1980 2000 2020

Derzeit sind 18 Millionen Menschen des Schwarzen Kontinents von Dürre bedroht. Neue Anbaumethoden sollen aus verödeten Landstrichen wieder Grünland machen.

1945 1960 1980 2000 2020

Derzeit sind 18 Millionen Menschen des Schwarzen Kontinents von Dürre bedroht. Neue Anbaumethoden sollen aus verödeten Landstrichen wieder Grünland machen.

Die verheerende Dürrekatastrophe in der Sahelzone Anfang der achtziger Jahre hinterließ tiefe Spuren bei ihren Bewohnern und der Natur. Obwohl in dieser Ubergangszone zwischen der Sahara und der Savanne, quer durch den afrikanischen Kontinent (siehe Graphik), längerdauernde Trockenperioden zum normalen Erscheinungsbild gehören, war die letzte Dürre schlimmer als alles bisher Dagewesene.

In den immer wiederkehrenden Trockenphasen fanden sich aber immer noch genügend Wasserreserven, um einem spärlichen Pflanzenwuchs sowie den Menschen und Tieren das Uberleben zu ermöglichen. Eine Bevölkerungsexplosion und die Überweidung der letzten Graslandschaften durch zu hohen Viehbestand ließen das bisherige natürliche Gleichgewicht der Natur allmählich ins Wanken geraten.

Die Folgen ließen nicht lange auf sich warten: Hunger treibt seither die Menschen in Massen aus der Todeszone. Bilder von verhungernden Kindern und dahinsiechenden Tieren gehen seither in regelmäßigen Abständen um die Welt. Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation FAO sind gegenwärtig noch immer 18 Millionen der 400 Millionen Bewohner des Schwarzen Kontinents direkt von einer Hungersnot bedroht.

Es gibt aber noch eine, wenn auch von den Medien nicht so beachtete verheerende Auswirkung dieser Entwicklung: Die Sahara frißt sich nach und nach durch das Steppen- und Savannengebiet südlich der Wüste. Nicht nur die Überweidung, auch die Abhol-zung ganzer Landstriche vernichten die letzten Grünzonen. Jährlich gehen nach Schätzungen von Experten in Afrika vier Millionen Hektar Wald auf diese Art für immer verloren. Ungehindert kann sich die Wüste Düne für Düne vorwärtsschieben (siehe oben). Um die Situation in den Griff zu bekommen, müßten jährlich etwa 25 Millionen Hektar neu ■aufgeforstet werden. Woher aber das dazu nötige Geld kommen soll, weiß niemand.

Als eine Sofortmaßnahme nach der Dürreperiode wurde mit Hilfe der UNO in den ausgetrockneten Landstrichen mit dem Bau von Tiefbrunnen begonnen, Wasser aus bisher unzugänglichen Schichten heraufgepumpt. In zähem Kampf sollte den öden Landstrichen wieder Grünland abgerungen werden, eine ständige Bewässerung der spärlichen Landwirtschaft — mit zumeist Hirseanbau — wieder auf die Beine helfen.

Doch das Anzapfen der tieferen Wasserschichten hatte seinen Preis: In den Dürreperioden sank der Wasserstand an der Bodenoberfläche; traditionelle Wasserstellen trockneten vollkommen aus.

Auch durch teilweise massive Hilfsgüterlieferungen aus den reichen Industriestaaten vermochte man das Ernährungsproblem in den betroffenen Gebieten nicht in den Griff zu bekommen. Im Gegenteil: Durch die Gratislieferungen von Weizen, Mais und anderen Grundnahrungsmitteln konnten die einheimischen Bauern ihre Produkte nicht mehr verkaufen und mußten größtenteils die Land wirt schaf t nach und nach aufgeben.

Seit 1961 ging die Nahrungsmittelproduktion in Afrika auf 20 Prozent pro Kopf zurück. Mauretanien beispielsweise benötigt für seine 1,7 Millionen Bewohner rund 290.000 Tonnen Getreide. Die eigene Produktion füllte 1960 noch mit 100.000 Tonnen die Kornkammern; heute sind es knapp 40.000 Tonnen.

1965 kamen noch 73 Prozent der Weltproduktion an Palmenöl aus Afrika, heute sind es lediglich 27 Prozent. Nicht besser ist die Lage bei Kaffee, Bananen und anderen traditionellen Exportgütern Afrikas.

* Seit 1985 gibt es aber einen Hoffnungsschimmer: Die Regenfälle sind zurückgekommen, und damit wuchs auch die Hoffnung der verbliebenen Bauern. Denn die Niederschläge waren die Voraussetzung für ein Experiment, das auch in den traditionellen Hungerländern Asiens große Erfolge gebracht hat. Optimisten sprechen gar schon von einer beginnenden „grünen Revolution”.

Vor rund 20 Jahren begann in diesen Regionen Asiens mit Hilfe speziell gezüchteter Samen aus den Laboratorien multinationaler Konzerne die Phase einer neuen Art von Landbewirtschaftung. Bestimmende Faktoren waren noch eine kontinuierliche Bewässerung und der Einsatz von mehr Kunstdünger. Innerhalb weniger Jahre stiegen Ernteerträge bei fast allen Nahrungsmittelproduktionen.

Manches spricht dafür, daß auch in Afrika diese Entwicklung gelingen könnte. Die neuen Anbaumethoden des amerikanischen Agronomen und Nobelpreisträgers Norman Borlaugh zeigen auch in Zambia und Ghana erste Erfolge. Länder wie Niger oder Tschad konnten innerhalb von zwei Jahren Selbstversorger bei den Nahrungsmitteln werden. Ghana steigerte die Produktion von Sorghum um das Zehnfache, die Maisproduktion um das Doppelte.

Trotzdem bleibt ein Wermutstropfen: Die mit Hilfe der Biotechnologie hochgezüchteten Samen bringen den afrikanischen Bauern nicht nur gute Ernteerträge, sondern neue Abhängigkeiten. So müssen sie Saatgut und Kunstdünger teuer einkaufen, während gleichzeitig die Weltmarktpreise für ihre Produkte wegen des Uberangebotes fallen. Dazu kommt das Problem der Bewässerung:

Während in den asiatischen Ländern künstliche Bewässerungssysteme seit urdenklichen Zeiten existieren, kennen die afrikanischen Bauern keine solche Tradition. Der erste Schritt in eine wirkliche „grüne Revolution” hängt aber von der notwendigen Feuchtigkeit ab. In Asien können heute 133 Millionen Hektar Land bewässert werden, in Afrika sind es bloß acht Millionen Hektar, davon ein Drittel in Ägypten.

Der Autor ist Afrikanist und stammt aus dem Senegal.

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