Martin A. Nowak - © APA-FOTO: CHRISTIAN MUELLER

Martin A. Nowak: "Wir sind total anders"

1945 1960 1980 2000 2020

Der in Harvard lehrende und aus Österreich stammende Biomathematiker Martin A. Nowak über "Intelligent Design", die Sprache des Menschen und die Unterschiede zum Schimpansen.

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Der in Harvard lehrende und aus Österreich stammende Biomathematiker Martin A. Nowak über "Intelligent Design", die Sprache des Menschen und die Unterschiede zum Schimpansen.

Oxford, Princeton, Harvard: Martin A. Nowaks Karrierestationen haben klingende Namen. So spannend wie der Werdegang des gebürtigen Wieners ist freilich auch sein Forschungsgebiet: mathematische Biologie. Im Interview spricht Nowak über Evolution und Religion, die Logik der Natur - und den Unterschied zwischen Menschen und Schimpansen.

DIE FURCHE: Sie untersuchen in Harvard unter anderem die Frage, wie man die Evolutionstheorie mit religiösen Vorstellungen vereinbaren kann. Wie beurteilen Sie die derzeitige Debatte um das "intelligent design"?

Martin A. Nowak: "Intelligent design" ist im Gegensatz zur Evolutionsbiologie keine Wissenschaft. Die Vertreter dieser Ideen veröffentlichen nicht in wissenschaftlichen Zeitschriften und berufen sich nicht auf wiederholbare Experimente. Also rein wissenschaftlich gesehen gibt es keine Debatte.

DIE FURCHE: Anders gefragt: Was halten Sie von den Aussagen Kardinal Christoph Schönborns in den "New York Times"?

Nowak: Ich stimme mit Kardinal Schönborn in vielen Punkten überein. Ich finde auch, dass es nur Ideologie ist, wenn man die Wissenschaft so interpretiert, als ob sie zeigen würde, dass es keinen Gott gibt. Atheismus ist keine wissenschaftliche Schlussfolgerung. Mein persönliches Weltbild ist, dass alles von Gott ausgeht und nur durch Gott Sinn bekommt. Und Wissenschaft ist die wunderschöne Aufgabe, die Naturgesetze zu erforschen. Es gibt aber zugleich keinen Grund, die Evolutionsbiologie als Wissenschaft in Frage zu stellen. An ihr zu zweifeln ist genauso, als ob man die gesamte Physik in Frage stellen wollte.

DIE FURCHE: Wobei sich die Diskussion ja vor allem daran entzündet hat, ob sich die Evolution auf ein Ziel hin entwickelt - wie die These vom "intelligent design" annimmt - oder völlig "ziellos" und zufällig abläuft ...

Nowak: Die Evolutionsbiologie beschreibt - wie jede Wissenschaft - die Mechanik der kleinen Schritte. Wissenschaft kennt keine Teleologie, also keine Ausrichtung auf ein Ziel. Andererseits ist das der Ausgangspunkt vieler Religionen: Sie wollen ja ein Ziel anbieten. Ich hoffe jedenfalls, dass es so ein Ziel gibt. Und als Wissenschafter versuche ich einfach, die Gesetze zu verstehen, nach denen sich die Schöpfung entfaltet.

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