Am 15. März 1939 — vor 30 Jahren— war Hitler in Prag einmarschiert und hatte die Resttschechoslowakei dem „Großdeutschen Reich“ eingegliedert. Obwohl er erst im Oktober 1938 in Böhmisch-Krumau, dem Sitz der Schwarzenberge, feierlich erklärt hatte, daß er keine Tschechen in seinem 3. Reich haben wolle. „Mehrer des Reichs“ nannte der „Völkische Beobachter“ vom 16. März 1939 den Führer in Nachahmung des Titels „Semper Augustus“, den die christlichen römischen Kaiser geführt hatten. „Das Ende aller Illusionen“ schrieb die „Times“ über diesen Gewaltakt
Das große Rätselraten um die Per-on des kommenden Papstes hat bereits begonnen. Vielfach werden schon Stimmen laut, die Glauben machenwollen, daß diesmal sicher kein italienischer Kardinal zum Papst gewählt werde. Hiebei wird auf die Zusammensetzung, des . heutigen Kardinalkol-legiumsr-wrwie*en, das unee ;83;“Miri gliedern nur 29 Italiener gegenüber 53 Nicht-Italienern zählt. 1939, beim Konklave, aus dem Pius XII. hervorging, standen noch 35 italienische Kardinäle 27 Nicht-Italienern gegenüber. Alle jene aber, die diese Betrachtungen aufstellen, vergessen auf das Konklave von l.58
Fred Hennings, seit fast drei Jahrzehnter eines der prominentesten Mitglieder de; Wiener Burgtheaters, ausgezeichnet mit den Titeln „Kammerschauspieler“ unc ..Professor“, neben seiner schauspielerischen Tätigkeit auch weitest bekannt als Vortragender der Urania über Wienei kulturhistorische Themen, Verfasser eines Buches über die „Burg“, das 195 5 zu derer Wiedereröffnung erschien, Fred Hennings wagte sich an die Darstellung eines Themas heran, dem bis jetzt noch immer die Fachhistoriker ausgewichen sind: an die Darstellung des Lebens Franz Stephans, kurze Zeit Herzog von
Jeder Österreicher hat im Grunde genommen zwei Berufe: einen, von dem er lebt, und einen, -für den er lebt. Diese Tatsache wird wieder sichtbar an dem Werk von Johannes G r ü n d 1 e r, „Lexikon der chrisi Ii c'hen'Kirches- und Sekte n“, das vor kurzem im Verlag Herder, Wien, erschienen ist (2 Bände, 934 Seiten. Preis 440 S). Der Verfasser war nämlich Bezirkshauptmann von Lilienfeld, ist jetzt Bezirkshauptmann von Wiener Neustadt und hat dennoch in 16 Jahren mühseliger Arbeit dieses Werk zusimmengestellt. Wohlgemerkt, neben seinem Beruf als Bezirkshauptmann nicht gerade leicht zu
DIE GESCHICHTEN VOM WEISEN KADI. Ein Zyklus von 16 Erzählungen. Von Friedrich Wallisch. Mit 32 ganzseitigen Illustrationen von Helga L a u t h. Vierfarbig bedruckter Leinenband. Eduard Wancura Verlag, Wien-Köln, 1961. 128 Seiten. Preis 110 S.Was Friedrich Wallisch einst auf den Märkten arabischer Städte von Märchenerzählern erlauscht hat, wird hier als Ausbeute so mancher Jahre in einer bibliophilen Ausgabe dargeboten, in einem Schatzkästlein, durchaus würdig des erlesenen Inhalts, eines Zyklus von sechzehn fröhlichen Geschichten. Es ist das Verdienst des Autors, daß er aus einer
DAS JAHR 1959 war für viele österreichische Länder ein großes Gedenkjahr. Tirol feierte die Erinnerung an das Heidenfahr 1809, ebenso Vorarlberg und auch Kärnten. Steiermark gedachte in diesem Jahr des am 11. Mai 1859 erfolgten Todes von Erzherzog Johann, des „steirischen Prinzen“. Ünvergeßlich ist das Wirken dieses Mannes für die grüne Mark. Der Sohn des genialen Großherzogs von Toskana und späteren Kaisers Leopold II., Bruder Kaiser Franz I. und ebenfalls genialen Erzherzog Karl, erkor sich die Steiermark zur Wahlheimat, um ihr — gleichsam als Privatmann — seine besten
KAISER FRANZ I. STEPHAN UND DER URSPRUNG DES HABSBURGISCHEN FAMILIENVERMOGENS. Von Hanns Leo Mikoletzky. Verlag fiir Geschichte und Politik, Wien. 67 Seiten.
DAS TAGEBUCH DES DAVID RUBINO WICZ. Aus dem Polnischen übertragen von Wanda Bronska-Pampuch. S.-Fischer-Verlag, Frankfurt. 88 Seiten und 4 Abbildungen.
Unsere Zeit, die sosehr auf das Optische eingestellt ist, hat eine neue Spezies „Mensch" geschaffen: den Dichter der Kamera, den Dichter, der nicht mehr mit Worten, sondern mit Bildern seine Dichtung schreibt, den Dichter, bei dem das Wort höchstens nur noch ein Vorwort und die Schrift höchstens eine Beschriftung ist. Leonard von Matt, der Schweizer Photograph, hat eine Weitberühmtheit mit seinen derart „geschriebenen“ Heiligenbiographien gewonnen, langsam schiebt sich Österreich durch den Tiroler Wolf- gang von Pfaundler, der mit seinen Büchern „Tirol 1809“ und „St. Romedius"
FLANDERN — DAS NÖRDLICHE BELGIEN. Von Alfred van der Essen. Unter Mitarbeit von A. Mabille de Poncheville. Verlag Andreas Zettner, Würzburg. 244 Seiten, 172 Abbildungen. Preis 19.80 DM.
„Für den Erzbischof von Wien zählt zu den denkwürdigsten Ereignissen des vergangenen Jahres (I960) dte Tatsache, daß zum erstenmal in der Geschichte Österreichs ein fteigewähltes, demokratisches Parlament einen Vertrag zwischen Kirche und Staat, einen Konkordatsvertrag, gebilligt und ratifiziert hat.“Diese Worte des Wiener Kardinals aus seiner Botschaft zum Jahresbeginn 1961 enthüllen gleichzeitig versteckt die Tragödie der beiden Konkordat« von 1855 und 1933: daß sie von Regierungen abgeschlossen wurden, die keinen Rückhalt in freigewählten Parlamenten hatten, wodurch beide
Nicht weniger als 80 bewährte Photographen haben die 300 Abbildungen des Buches „Tirol 1959“ aufgenommen, die zum Teil farbig wiedergegeben sind. Dieses Prachtwerk — womit bereits ein Werturteil ausgesprochen wurde — ist ein Gedenkbuch zur Erinnerung an die Hundertfünfzigfahrfeier der Tiroler Freiheitskämpfe von 1809. Benedikt Posch, Chefredakteur des „Volksboten“, redigierte das Werk, welches im Tyrolia-Verlag zu Innsbruck im Einvernehmen mit der Tiroler Landesregierung und dem Landesausschuß Bozen erschien. Das Buch gibt einen Querschnitt durch das denkwürdige Jahr 1959.
Niemand Geringerer als Franz Theodor Csokor hat vor einigen Jahren in einem Zeitungsartikel Carry Hauser mit diesem höchst ehrenden Titel bezeichnet. Ein Titel, der richtig ist, aber noch einer Ergänzung bedarf; denn er wäre erst ganz richtig, wenn es hieße: „Carry Hauser — ein Maler Gottes und ein Österreicher.“ Denn dann würde dieser Titel erst ausdrücken, um welche Punkte das Leben Carry Hausers ständig kreist, der mit seiner Kunst, mit all seiner Kunst (denn Carry Hauser ist nicht nur Maler, Graphiker, Künstler auf dem Gebiet des Mosaiks, des Holz- und Linolschnitts, er ist
Der letzte Monarch. Lebensroman Kaiser Franz Josefs I. Von Hilde Knobloch. Verlag Anton Pustet, Graz-Salzburg. 484 Seiten. — Kaiser Franz Joseph. Schicksal und Tragödien aus der guten alten Zeit. Von Ottokar Janetschek. Amalthea-Verlag, Wien. — Franz Joseph. Von Comte de Saint-Aulaire. Amandus-Verlag, Wien. 392 Seiten. — Briefe Kaiser Franz Josephs an Katharina Schratt. Herausgegeben von Jean de B o u r- going. Ullstein-Verlag, Wien. 504 Seiten.
Der 18. Juli 1870 stieg trüb und kühl über Rom herauf. Leichter Regen rieselte vom Himmel, als um 7.30 Uhr die Tore von St. Peter geöffnet wurden und die Schweizer Garde ihre Posten bezog, wie es das Reglement vorschrieb, anscheinend unberührt von der Wichtigkeit des Tages, dieses wichtigsten Tages des Allgemeinen Vatikanischen Konzils, das Pius IX. am 8. Dezember 1869 eröffnet hatte.Gewitterwolken hatten sich am Himmel zusammengezogen, als die Wagen der Konzilsteilnehmer, kirchlichen Würdenträger aus mehreren Kontinenten, vorzufahren begannen. Unter den ersten Ankömmlingen sah man
Wie ein Rennpferd vor dem Start, so wippt das Flugzeug der „Niederländischen Luftfahrtgesellschaft nervös am Platz, während der Pilot die Motoren dröhnend laufen läßt. Dann plötzlich ein sanfter Stoß und das Flugzeug schießt über das Rollfeld, wieder ein kaum spürbarer Stoß und es hebt sich in die Luft. Wien wird bald ganz klein, verschwindet schließlich. Nach einer halben Stunde schon taucht Linz auf, dann Passau, München. Gleichmäßig und ruhig zieht das Flugzeug seine Bahn. Warum so viele Mitteleuropäer eigentlich noch eine Abneigung gegen das Fliegen haben? Stabiler und
Seit Jahrzehnten gehört das Versagen der Erziehung auf dem Gebiet der sexuellen Aufklärung der Jugendlichen zwischen dem 12. und 18. Lebensjahr zu den größten Tragödien unserer an Tragödien wahrlich nicht armen Zeit. Und dies, obwohl die moderne Psychologie nicht müde wird, neben den ersten Lebensjahren gerade auf die Bedeutung dieser Jahre im menschlichen Leben hinzuweisen. Wird doch ein Mensch meist so in die weiteren Jahre seines Lebens weiterschreiten, wie ihn diese Zeit geformt hat, Diese Zeit ist nicht nur eine Zeit der Selbstentfaltung auf allen Gebieten, sondern vor allem auch
Jean Rodolphe de S a 1 i s, aus einer der ältesten und berühmtesten Schweizer Familien stammend, die der Welt schon viele bedeutende Diplomaten, Gelehrte, Generäle geschenkt hat; Professor für neuere Geschichte an der Eidgenössischen Technischen Hochschule in Zürich; Verfasser bekannter Bücher über Sismondi, Giuseppe Motta, Rilkes Schweizer Jahre; während des Krieges Sprecher des bekannten „Berichtes zur Lage“ im Sender Bera-münster; eine Mischung von Diplomat und Gelehrten; Jean Rodolpho de Salis, der somit durch seinen Beruf einerseits, durch seine Zugehörigkeit zur Schweiz
Im Herbst des Jahres 1924, also vor drei Jahrzehnten, gründete Paul de Z s o 1 n a y in Wien einen Verlag, dessen Tätigkeit einerseits in der Herausgabe deutscher Uebersetzungen der großen fremdsprachigen Literatur, anderseits in der Förderung deutschsprachiger Autoren bestehen sollte. Der neue Verlag erwies sich bald als ein äußerst rühriges Unternehmen, dem es in den folgenden drei Jahrzehnten seines Bestandes, unterbrochen nur durch die Hitler-Herrschaft, die das Unternehmen dem alten Besitzer entriß, gelang, sein Programm durchzusetzen. Die Liste der fremdsprachigen Autoren, die
Auf den Spuren Mozarts. Von Henri Gheon. Verlag Styria, Graz-Wien-Köln. 452 Seiten. Preis 98.80 S.Das (gut übersetzte) Buch ist ein eindrucksvoller Beweis für die Kontinuität und das hohe-Niveau der französischen Mozart-Forschung sowie für die Mozart-Verehrung der Franzosen, die mit Stendhal und Ingres, Delacroix und Balzac begann und für welche die Societe des Etudes Mo-zartiennes und die Societe Philharmonique de Reims lebendiges Zeugnis ablegen. Unmittelbarkeit, Lebendigkeit, liebevolle Verehrung sind auch die Kennzeichen des Buches von Gheon, dessen besonderes Interesse der
Wie ich glaube. Verlag Jakob Hegner, Köln und Ölten. 275 Seiten.Reinhold Schneider sagte einmal über Radecki: ,,Seine Bücher sind echte Begleiter; man soll sie nicht lesen; man soll mit ihnen sprechen; und es wird sich zeigen, daß man dieser Begleitung niemals überdrüssig wird.“ Das vorliegende Buch zeigt die ganze Breite des Könnens von Radecki: es sind Essays, Glossen, Satiren, ernste Abhandlungen literarischer, historischer und religiöser Natur. Besonders erwähnt seien die Aufsätze: „Karl Kraus und die Sprache“, sowie „Erinnerungen an Karl Kraus“. Ferner „Schuld und
Zwischen Petersburg und Washington. Ein Diplomatenleben. Von Friedrich P r i 11 w i t z und G a f f r 6 n. Isar-Verlag, München. 238 Seiten. 10 Abbildungen.Der Verfasser, aus einem alten schlesischen Geschlecht stammend, war vor dem ersten Weltkrieg im deutschen diplomatischen Dienst in Washington und Petersburg tätig, wurde nach dem Umsturz 1918 von der Weimarer Republik übernommen und zuerst als Konsul nach Triest, dann als Botschaftrat nach Rom und schließlich als Botschafter nach Washington entsendet. Zum Unterschied von vielen deutschen Diplomaten, die nur sahen und berichteten, was
In seinem diesjährigen Fastenhirtenbrief legte der Wiener Kardinal den Finger auf eine der schwärendsten Wunden des österreichischen Katholizismus: den Priestermangel. Der Kardinal gab Zahlen für seine Diözese bekannt, die mit ihren 2,000.000 Katholiken nicht nur die größte österreichische, sondern auch eine der größten Diözesen der Welt ist. 114 Scelsorgestellen sind nach Angaben des Kardinals bereits infolge des Priestermangels unbesetzt. Infolge Ueberalterung des Klerus — ein Drittel ist über 60 Jahre alt — wird sich diese Zahl in den nächsten Jahren noch erhöhen. Der
Fast gleichzeitig sprang in unseren Tagen in zwei ganz verschiedenen Ländern eine „Jesuitenfrage“ auf: in Norwegen und in der Schweiz. Die norwegische Verfassung von 1814 verbot Juden, Jesuiten und anderen „mönchischen Gemeinschaften“ den Aufenthalt im Land. 1851 fiel das Verbot für die Juden, 1897 für die „anderen mönchischen Gemeinschaften“, und vor kurzem stellte die Regierung den Antrag an das Parlament, auch das Verbot für die Jesuiten aufzuheben, da es dem Grundsatz der Religionsfreiheit widerspreche. Die Regierung führte noch aus, daß von acht lutherischen
Missarum sollemnia. Eine genetische Erklärung der römischen Messe. Von Josef Andreas J u n g-m a n n SJ. 3. Auflage. 2 Bände. Verlag Herder, Wien. 633 und 636 Seiten. Preis 280 S.Die österreichische theologische Wissenschaft kann für sich das große Verdienst in Anspruch nehmen, das große Standardwerk über die römische Messe geschaffen zu haben. Dank der erzwungenen Ruhe, die die Aufhebung der Innsbrucker Theologischen Fakultät durch das NS-Regime dem Professor Jungmann brachte, konnte er sich ganz der Bearbeitung dieses Themas widmen. 1948 erschien als Frucht jahrelanger Studien die
Am späten Nachmittag des 20. Juli 1903 trug der Draht in die Welt die Nachricht hinaus, daß Papst Leo XIII. am gleichen Tag um vier Uhr nachmittags, im 93. Lebensjahr, in die Ewigkeit eingegangen sei. Die Zeitungen der Welt, katholische, protestantische, liberale, zogen die längst vorbereiteten Leitartikel heraus und jagten sie durch die Rotationsmaschinen. Freunde und Gegner, sie alle anerkannten in den Nachrufen dieser Stunde die überragende Bedeutung des Verstorbenen, seine Frömmigkeit, seine Weisheit, seine Toleranz, seine Freundschaft zur Wissenschaft, sein großes Verständnis für
& begann im Jahre 1854 …Noch stand die Habsburger-Monarchie im vollen Glanz ihrer Macht. Die Revolutionen von 1848 und 1849 waren niedergeschlagen, die äußeren Feinde besiegt. Im „Deutschen Bund“, der Vereinigung der deutschen Staaten, führte Oesterreich den Vorsitz. In der Bundesfestung Mainz lagen kaiserliche Truppen. Die Lombardei und Venetien gehörten zu Oesterreich, in Toscana und Modena regierten habsburgische Herrscher.Die Wirtschaft des Landes begann aufzublühen. Die Zollschranken gegenüber Ungarn waren 1851 gefallen, das ganze Gebiet ein einheitliches
Oesterreich hat — mit Ausnahme des Burgenlandes — bis 1938 weder die obligatorische noch die fakultative Ziviltrauung gekannt. Kurze Zeit nach dem Anschluß an das „Dritte Reich“ wurde in der nunmehrigen „Ostmark“ die obligatorische Ziviltrauung eingeführt und 1945, in dem wiedererstandenen Oesterreich, mit geringen Aende- rungen beibehalten.Spät, sehr spät, schloß sich somit Oesterreich dem „Siegeszug“ an, den die obligatorische Ziviltrauung durch die Welt angetreten hatte. 1580 schon war sie in den protestantischen Provinzen Holland und Westfriesland eingeführt worden.
Antonius in der Wüste. Von Henri Q u e f f ė- 1 e c. Verlag Herold, Wien. 295 Seiten. Preis 55 S.Queffelec kann auch anders (siehe: „Gott braucht Menschen"). Oder vielleicht hat er mit dem „Antonius in der Wüste" sein eigentliches Anliegen geoffenbart: den Hintergrund für mögliche oder unmögliche Seelsorge. „Antonius der Einsiedler, auch Antonius von Aegypten, der Heilige der Wüste und der Vater der Mönche" darf nicht tot sein, wenn uns am Heil der Welt etwas liegt. Denn dieser Beter des dritten und vierten Jahrhunderts hat sich jenes Arbeitsfeld ausgesucht, das wir heutigen
DIE LANDSCHAFT UM LOURDES ist enttäuschend. Sie ist so gar nicht südfranzösisch. In der Nähe von Graz findet sich ähnliches Hügelgelände. Die Stadt ist ein seltsames £lemisch: da ist die alte französische Stadt, mit der Mairie — dem Bürgermeisteramt —, der schmutzigen Post, einer häßlichen Kirche, kleinen Häusern, lärmenden Schulkindern, schwatzenden Frauen, würdigen Männern, die nonchalant Aperitifs in den Cafés schlürfen; einer Stadt, die vor hundert Jahren genau so lebt wie heute. Was mit ändern Worten heißt, daß sie so lebt, als wäre nichts Seltsames in ihrer
Papst Pius XI. kreierte fast in jedem zweiten Jahr seiner Regierung neue Purpurträger. Der jetzt regierende Papst Pius XII. ließ die ersten sieben Jahre seiner Regierung verstreichen, ehe er eine ganze Reihe von neuen Kardinalen ernannte. Dies war verständlich, war doch einige Monate nach seiner Thronbesteigung der zweite Weltkrieg ausgebrochen und innerhalb seiner Dauer eine jede Kreierung vielfältiger Deutung oder Mißdeutung ausgesetzt. Wieder aber ließ der Papst den Zeitraum von sieben Jahren verstreichen, ehe er jetzt die Ernennung neuer Purpurträger bekanntgab. Begreiflicherweise
Kein Geringerer als Papst Pius XI. nannte einst das Nichtbegreifen der sozialen Frage durch die Katholiken des 19. Jahrhunderts den „großen Skandal“. Ein Wort, dessen Richtigkeit durch das Werk des Professors Duroussel von der saarländischen Universität „Les Debüts du Catholicisme social en France (1822—1870)“ (Presse Universitäres de France, 787 pages) erneut, wenn auch hier nur für das Land Frankreich, seine Bestätigung erfahren hat.Seit ungefähr 1820 besaß Frankreich seine „soziale Frage“. Die immer weiter um sich greifende Industrialisierung des Landes schuf ein
Es gibt eine tiefe Tragik des österreichischen Menschen. Sie besteht darin, daß er keinen Mut zu sich selbst hat, kein Vertrauen zu seinen Fähigkeiten und deshalb die Talente, die ihm verliehen wurden, nur mangelhaft und in geringem Maße auswertet. Eine Behauptung, die durch viele Beispiele bewiesen werden könnte. Einige mögen genügen:18. Juni 1757. Schlacht bei Kolin.Der Krieg, den die Geschichtsschreiber den Siebenjährigen nennen werden, hat vor kurzem begonnen. Friedrich II. von Preußen ist den Angriffsplänen der „Großen Koalition“ durch den eigenen Angriff zuvorgekommen.
AN JENEM ABEND IN BERLIN der den denkwürdigen 30. Jänner 1933 abschloß, zeigte das Viertel um die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche im Westen das gewohnte Bild: grelle Reklamen am Kurfürstendamm, über den die einstöckigen Autobusse, die Trams, die „Kraftdroschken“ hasteten. Grelle Reklamen am „Kaufhaus des Westens“ in der Tauentzienstraße und über den Auslagen von „Woolworth“. Grelle Reklamen am Ufa-Palast am Zoo und gedämpfte Lichter am Gloria-Palast, dem Kino mit der besten Tonapparatur Europas. Lichtüberflutete Auslagen der „Autounion“, in denen sich die neuesten
Die Südwand des Grazer Domes zeigt ein verwittertes Fresko: das steirische „Landpiagenbild“. Ein spätgotischer Maler schildert darin das Unheil, das im Jahre 1480 über das „Hertzogtumb Steyr“ hereinbrach und das Land an den Rand des Abgrundes brachte. Der Türk ist auf dem Bild zu sehen, die Pestilenz und die Heuschrecken.Ein holländischer Maler, der vielleicht nach Jahrzehnten die Aufgabe erhält, die Südwand eines niederländische» Domes mit einem Fresko zu schmücken, kann in Nachahmung des steirischen »Landplagenbildes“ ein holländisches „Landplagenbild“
Ausgewählte Erzählungen. Von Arthur Schnitzler S -Fischer-Verlag, Frankfurt am Main. 588 Seiten.Schnitzlers Eigenart, seine vor allem an Freud geschulte psychologische Technik, seine Morbidezza und sein Panerotismus, bedürfen keiner besonderen Kennzeichnung mehr. In den meisten seiner Novellen malt er m schillernden Farben das Bild einer ganz bestimmten Gesellschaft des Wien der Jahrhundertwende. Die geschilderte Zeit und ihre Menschen werden durch Schnitzlers Werk keineswegs überragt. Beide können somit als „historisch“ bezeichnet werden. Der wohlausgestattete Band umfaßt 21 der
Am 20. Oktober 1951 hat zur größten Überraschung der Weltöffentlichkeit der Präsident der Vereinigten Staaten den derzeitigen Oberbefehlshaber der amerikanischen Landstreitkräfte und früheren US-Hochkommissar in Österreich, General Mark Clark, für den Posten des amerikanischen Botschafters beim Vatikan vorgeschlagen. Die USA werden damit erstmals seit 1870 (bis dahin waren die USA beim Vatikan durch einen Gesandten vertreten) wieder volle diplomatische Beziehungen zum Heiligen Stuhl aufnehmen. Die Ernennung General Clarks bedarf noch der Bestätigung durch den Senat, der allerdings
Im Jahre 1948 fand die erste Österreichische Buchwoche statt. Es war ein kritisches Datum: das Interesse der Käufermassen hatte sich in weitgehendem Maße jenen Ver-braudhsgütern zugewendet, die — Jahre hindurch entbehrt — zum erstenmal wieder auf dem Markt auftauchten. Die Idee, daß Österreich das kommende deutsche Buchland sein werde, welcher Idee sich Viele Österreicher hingegeben hatten, begann sich als Illusion zu erweisen, da weder die technischen Voraussetzungen noch die Autoren in den kurzen Jahren nach dem ^Krieg herbeigeschafft Werden konnten. Viele Verlagsgründungen, die
Zu den Pressevorwürfen über die Besoldung des österreichischen KlerusIn einzelnen österreichischen Presseorganen wird seit einiger Zeit gegen die katholische Kirche in Österreich der Vorwurf erhoben, sie versuche den niederen Klerus „auszubeuten“. Ein Vorwurf, der seinen Niederschlag auch in einer Anfrage einiger Abgeordneten an den Unterrichtsminister im Parlament fand. Der Ausgangspunkt dieses Vorwurfes ist die Bezahlung der Katecheten. Im Jahre 1949 wurde nach längeren Verhandlungen ein Gesetz beschlossen, nach dem in Hinkunft die Katecheten für die geleisteten Schulstunden einen
Jagd im Nebel. Roman. Von Graham Greene. Paul-Zsolnay-Verlag, Hamburg. 338 Seiten.Dieses Buch Greenes, das auf dem Schutzumschlag als einer seiner „spannendsten Romane“ bezeichnet wird, ist in erster Linie ein hervorragendes Gemälde Englands. Mit ein paar Strichen, ein paar Worten gelingt es Greene, dieses Land zu zeichnen, Dieses Land mit seinen Grubenbesitzern, reich und vorsichtig, seinen Bergarbeitern, seinen Gewerkschaftssekretären, seiner Sonntagsruhe, seiner puritanischen Traurigkeit, seiner nationalen Disziplin, seiner Sattheit, seinen Slums, seinen hobbies, seiner Noblesse und
Ich springe über die Mauer. Zurück in die Welt nach 28 Jahren Klosterleben. Von Monica Baldwin. F.-H.-Kerle-Verlag, Heidelberg. 320 Seiten.Monika Baldwin, Nichte des berühmten britischen Premiers, tritt blutjung 1914 in ein streng kontemplatives Kloster. Nach zehn Jahren Klosterleben bricht zum erstenmal in ihr die Erkenntnis durch, daß sie zu diesem Leben nicht berufen ist. Weitere 18 Jahre des Ringens folgen, dann ist es ihr endlich klar, daß sie nicht ins Kloster gehört. Und ebenso klar ist es den kirchlichen Behörden, die sie von allen Gelübden lösen. Sie kehrt in die Welt
Zu den umstrittenen und zwielichtigen Dichtergestalten des 20. Jahrhunderts gehört der Österreicher Josef Weinheber: hier der das deutsche Geisteserbe der letzten hundert Jahre mittragende, wortgewandte Stoiker, der Schopenhauer-Adept, der sich schließlich zum klassischen Humanitätsgedanken, zu einem von Nietzsche und George gleichermaßen beeinflußten, tragisch-heroischen Idealismus und hohem Form- und Wortkult durchrang; auf der anderen Seite der kleine Postbeamte, der — aus jenen Schichten stammend, wo sich das Kleinbürgertum bereits mit den Massen des Proletariats mischt — im
Der zweite Weltkrieg, der das Antlitz Europas in so vielen Teilen wesentlich veränderte, hat unbemerkt auch eine europäische Institution einem Wandlungsprozeß unterworfen, die bisher alle Katastrophen zu überdauern vermochte: die europäische Diplomatie. Durch Jahrhunderte gehörten die Diplomaten zum Gesamtbild Europas. Durch Jahrhunderte waren sie, gleich den Generalstäblern, die großen Könner ihres Metiers, die cdlein die hundertfältigen Riten ihres Berufes beherrschten und deshalb allen Regimen unentbehrlich waren: diese be-, dienten sich ihrer, dhne auf ihre persönliche
Kein geringerer als der Hlstoriker Franz Sdinabel hat aus den nadigelassenen Papie- ren Wiard von Klopps eine Biographic iiber dessen Vater, den Historiker Onno Klopp, herausgegeben (Onno Klopp, Leben und Wirken. Verlag Schnell/& Steiner, Milndien, 270 Seiten), Der dsterreidiisdie Leser wird sidi iiber das Ersdieinefl dieses Buches freuen und wird dennoch audi ein Bedauern nicht unterdriicken konnen. Er wird sidi freuen: daB diese Ehrensdiuld gegeniiber Onno Klopp endlich abgetragen ist, gehorte dodi Onno Klojip zu jenen bedeutenden Historikern des 19. Jahrhunderts, iiber den bisher keine
Die Mystiker des Mittelalters hatten das „himmlische Jerusalem“ als eine kristallene Stadt geschaut, mit leuchtenden Wänden aus Edelsteinen, von göttlichem Licht durchschienen. Diese Visionen, welche die Mystiker mit dürren Worten in die Sprache der Erde zu verdolmetschen suchten, wollten dier gotischen Architekten mit den Mitteln der Er e vor die Augen der Menschen zau- beįrn. Tatsächlich gelang es ihnen, durch lischen Jerusalem zu geben. So erwuchs innerhalb der Mauern des „irdischen Jerusalem“ die Pracht des „himmlischen Jerusalem“.Gegen diese Konzeption hatte sich der
Bibellexikon. Herausgegeben von Herbert Haag, in Verbindung mit A. van den Born und zahlreichen Fachgelehrten. Ben- ziger-Verlag, Einsiedeln-Zürich-Köln. 1660 Spalten.Diesem Bibellexikon dient als Grundlage das Bijbelsch Woordenboek, Romen &Zonen, Roermond 1941, das jedoch vielfach neu bearbeitet und auf den Stand der heutigen Forschung gebracht ist. Der besondere Wert des neuen Bibellexikons besteht in seiner Darstellung der „Randgebiete der Theologie. Die neuesten Forschungen sind gewissenhaft verzeichnet. Leider hält die eigentliche theologische Deutung mit dem nicht gleichen
SYMBOLHAFT FÜR IHR SCHICKSAL ist die Lage der Stadt Wien: im Westen angelehnt gegen ein sanft abfallendes Gebirge, mit dem sie aufs innigste verknüpft ist, das aber gleichzeitig ihrem Vordringen nach dieser Seite hin kein schroffes, aber doch ein vernehmliches Halt entgegensetzt. Nach Norden, Osten, Süden hin ausgebreitet auf einer Ebene, die ihrem Wachstum keine Schranken errichtet, sondern völlig offen und scheinbar wehrlos ihrem Umsichgreifen ausgeliefert ist. Ähnlich hat der Westen der Stadt Wien — also die österreichischen Länder — sich immer gewehrt, den Einfluß uhd die
Die Welt besitzt in der „Geschichte der Päpste“ aiįis der Feder des österreichischen Historikers Pastor ein Monumentalwerk über die Nachfolger des hl. Petrus seit dem 14. Jahrhundert. Leider gibt es bis heute kein modernes Werk über das Kardinalstaatssekretariat und dessen Inhaber, ein Mangel, der sehi fühlbar ist. Denn der Kardinalstaatssekretär ist der wichtigste Mitarbeiter des jeweils regierenden Papstes. Die populäre Meinung bezeichnet ihn als eine Art Außenminister der Kirche. In Wirklichkeit ist er viel mehr, nämlich eine Art Ministerpräsident, Innen- und Außenminister
Der neueste Roman Graham Greenes: Der Ausgangspunkt (Paul-Zsolnay-Verlag, Wien. 347 Seiten) wird viele Leser mit Entsetzen erfüllen. Es ist die Geschichte eines Ehebruchs. Die Hauptpersonen der Handlung sind: der englische Schriftsteller Maurice Bendrix, völlig glaubenslos. Der britische Staatsbeamte Henry Miles. Und seine Gattin Sarah, Geliebte des ersteren. Als zweijähriges Kind katholisch getauft, dann aber völlig glaubenslos aufgewachsen: Eine Menge von Nebenpersonen, jede besser gezeichnet als die andere, beherrschen die Szene. Zeit und Ort der Handlung: London während des zweiten
Österreichische Rhapsodie. Von Friedrich Heydenau. Deutsche Buchgemeinschaft, Wien. 460 Seiten.Die beiden Helden dieses Romans sind, um das vorweg zu sagen; durchaus untragbare Gestalten. Der eine ist der Sprößling eines leichtfertigen, primitiven und gewissenlosen Paares, der bereits als Zögling des ersten Jahrgangs einer k. u. k. Kadettenschule alles weiß und namentlich von sämtlichen militärischen Dingen ungleich mehr versteht als der beste General der alten Armee: der andere, jenes Wunderknaben väterlicher Freund und Mentor, ist ein Regimentsarzt, der, dank seiner Behandlung eines
Der Kaiser Otto ni. Von Henry Benrath. Deutsche Verlagsanstalt, Stuttgart 1951, 370 SeitenDie Reihe der historischen Darstellungen Henry Benraths — die dichterischen Bildnisse der Kaiserinnen Galla Placidia, Konstanz und Theophano —, die den Namen des Dicht ters vor allem bekannt gemacht haben, wird mit dem Werk aus dem Nachlaß „Der Kaiser Otto III. abgeschlossen. Es ist seiner Art nach völlig anders als die genannten Bücher, es ist keine Biographie und kein Roman, sondern, wie Benrath in seinem Vorwort 6agt, „die geistig-seelische Vision eines jugendlichen Herrscherlebens, das den
Mit der Aufnahme in diese Rubrik 1st noch kein Werturteil über die hier genannten Bücher verbunden.Leben in Christus. Zusammenhänge zwischen Dogma und Sitte bei den Apostolischen Vätern. Von Karl H ö r m a nn. Verlag Herold, Wien. 348 Seiten.Katholische Glaubenslehre; Von Adrian Kunz. Benziger-Verlag, Einsiedeln. I. Band, 1. Teil, 254 Seiten.Passionsbrauch- und Christi - Leiden - Spiel. Von Leopold Kretzenbacher. Otto- Müller-Verlag, Salzburg. 147 Seiten.Psychiatrie und Seelsorge. Eine praktische Anleitung für Seelsorge und ihre Hilfskräfte. Von Dr. med. H. Dobbelstein. Verlag Herder,
Der Ort Santa Margherita ist auf keiner Karte zu finden. Obwohl er — gelegen im Venezianischen, vierzig Kilometer westlich der alten österreichischen Grenze —- nicht gar so klein ist. Und schon gar nicht häßlich. Dieses Dorf ist im Gegenteil höchst modern. Die Amtsgebäude, die Schule, das Krankenhaus, das kleine Hotel, die Kirche, die Häuser rriit den typischen venezianischen Rauchfängen und den Geschäften unter den Lauben, die einstöckigen Siedlungshäuser für zwei Familien mit einem kleinen Garten rundherum, sie alle sind sehr modern und blitzsauber. Auf der einen Seite des
Bald nach Ende des zweiten Weltkrieges zeigten sich in einzelnen österreichischen Klöstern, die von den Orden der Benediktiner, Zisterzienser, Augustinerchorherrn und Prämonstratenser besiedelt sind und auf der stabilitas loci basieren, Anfänge eines historischen Vorganges, der seinem Wesen nach darauf hinzielt, einen Großteil jener Formen, die das Klosterlebcn der Barockzeit und Josephinismus schufen, zu beseitigen und wieder monastisdies Leben im strengen Sinn des Wortes einzuführen. Dieser Prozeß, der vorerst einige Klöster Österreichs ergriff, wie das Schottenstift in Wien oder
Schön der Name „Filmkunst“ sagt deutlich genug, daß es sich hier nicht um eines der üblichen Filmmagazine handelt, an denen wahrlich kein Mangel ist, sondern um eine Publikation, die sich weit höhere Ziele gesteckt hat. Diese Zeitschrift, die von bewährten Fachleuten — Dr. L. Gesek und Dr. R. Herle — redigiert wird und die sich vor einiger Zeit bereits mit einer sehr fesselnden und gehaltreichen Nummer verheißungsvoll eingeführt hat, nimmt den Film so ernst, wie dies seiner Bedeutung im Kulturleben entspricht. Sie will dem Publikum ein gründlicheres Wissen vom Film, ein
Biographien lebender Personen zu schreiben, ist mit besonderen Schwierigkeiten verbunden. Denn entweder ist der Autor ein Anhänger seines Helden, dann kommt es nur zu oft zu einer unerträglichen Verhimmelung. Oder der Schreiber ist ein Gegner der darzustellenden Persönlichkeit, dann wird dessen Porträt leicht total verzeichnet. Oder der Verfasser will möglichst objektiv sein und beschränkt sich deshalb nur auf die Aufzählung rein äußerlicher Tatsachen, dann übergibt er der Leserwelt meist ein Buch, dessen Inhalt von tödlicher Langweile ist.Papst Pius XII. jehört heute zu den
Es mag seit dem Ende des Krieges in Österreich kaum ein zweites Sammelwerk oder Jahrbuch erschienen sein, das eine solche charaktervolle stammestümliche Eigenart aufzuweisen hätte wie das „Wort im Gebirge“. Diese entsteht —nach einem Wort Hofmannsthals — nicht sosehr durch das gemeinsame Wohnen auf dem Heimatboden, sondern durch ein „geistiges Anhangen“, das die Lebenden mit den Toten — und dadurch um so inniger miteinander — verbindet. Zu diesem Gedanken, der jeden engen, nur-bodenständigen Partikularismus ausschließt, bekennt sich auch Josef Leitgeb in einem kurzen
Therese von Llsleux. Geschichte einer Sendung. Von Hans Urs von Balthasar. Hegner-Bücherei, Summa-Verlag, Ölten. 344 Seiten.Ungeachtet einer fast einzigartigen Verehrung der Heiligen von Lisieux bereitet die Erforschung ihrer besonderen Sendung Schwierigkeiten, die nur unter bestimmten Voraussetzungen überwunden werden können. Daß die Heilige eine ausgesprochen lehrhafte Sendung empfangen habe, hat Pius XI. selbst bestätigt. Diese wäre also von der Heiligkeit, die an sich schon Sendung ist, abzuheben. Hans Urs von Balthasar unterscheidet „gewöhnliche“ von „repräsentativer“
Mit fast den gleichen Worten, mit denen der Engel in der Weihnachtsnacht den Hirten und den Herden die Geburt Christi verkündet, verkündet der jeweils älteste Kardinaldiakon vom berühmten Balkon des Vatikans der Welt die Geburt eines neuen Papstes. „Anuntio vobis“ heißt es in dieser Verkündigung, „magnum gaudium: Habemus Pa-pam! — Ich verkünde euch eine große Freude: Wir haben einen Papst!“Die große Menge, die am 2. März 1939 sich auf dem Petersplatz versammelt hatte, mußte nicht lange auf diese Worte der Verkündigung warten. Schon am Nachmittag des gleichen Tages
Der Papst tagt. Lehren Pius XII. Nach den vatikanischen Archiven herausgegeben von Michael C h i n i g o. Verlag Heinrich Scheffler, Frankfurt am Main. 368 Seiten. Preis 16.80 DM.Als eine der erstaunlichsten Leistungen des derzeit regierenden Papstes, nicht nur geistig, sondern auch physisch, müssen seine Ansprachen und Reden angesehen werden, die er seit seinem Regierungsantritt — in den verschiedensten Sprachen — über die Probleme der Kirche und der Welt hielt. Reden, die nicht nur von den Katholiken, sondern von der gesamten Christenheit, ja der gesamten Welt mit größtem Interesse
Der Verwaltungsgerichtshof. Von Kurt R i n g-h o i e r. Verlag Styria, rechtswissenschaftliche Abteilung — Ulrich Moser, Graz. 393 Seiten. Preis 109.50 S.Oeiterreichisches PaB-, Fremden- und Melderecht.Von Hans Weiler. Verlag Styria, rechtswissenschaftliche Abteilung — Ulrich Moser, Graz. 187 Seiten. Preis 48.50 S.Das Schmutz- und Schundgesetz. Verlag Styria, rechtswissenschaftliche Abteilung — Ulrich Moser, Graz. 99 Seiten. Preis 30 S.Zu den bedeutenden Verlagen unseres Landes, die Werke der juristischen Fachliteratur herausgeben und an deren Spitze Springer und Manz stehen, ist
Die „Petrusfrage“ — die Frage über den Primat des heiligen Petrus und seiner Nachfolger in der .Kirche — bildet seit Jahrhunderten eines der heftigsten Diskttssionsthemen zwischen nichtkatholischen Christen und Katholiken. Die sonst in zahlreiche Richtungen aufgespaltene protestantische Theologie !war sich in einem Punkt fast immer völlig einig: in : der Ablehnung bzw. Leugnung des Primates des' heiligen Petrus und seiner Nachfolger. Protestantische Theologen gingen dabei so weit, die Echtheit der berühmten Stelle bei Matthäus 16, 13—19, wo von der Berufung des heiligen Petrus
Das österreichische Konkordat von 1855, das am 18. August — dem Geburtstag des Kaisers — der Vertreter Papst Pius IX., der Pronuntius Kardinal Viale-Prela, und der Vertreter des österreichischen Monarchen, Fürsterzbischof Rauscher von Wien, unterzeichneten, hat in der Geschichtsschreibung, in der Publizistik, in der öffentlichen Meinung einen schlechten Klang. Der politisierende Dichter Anastasius Grün, der dieses Konkordat ein „Kanossa“ nannte, und der politisierende Historiker Josef Redlich, der diese Vereinbarung als eine „Abdikation des Staates vor der Kirche“ bezeichnete,
Ignatius von Loyola: Der Bericht des Pilgers.Uebersetzt und erläutert von Burkhart Schneider SJ. Verlag Herder, Freiburg. 198 Seiten. Preis 7.80 DM.Der heilige Ignatius, der Schweigsame, war ein außerordentlich fleißiger Schreiber. Seine schriftlichen Werke, so weit sie bis jetzt vorliegen, umfassen zahlreiche Bände der „Monumenta Historica Societatis Jesu“, der durch den Orden selbst besorgten kritischen Ausgabe der Geschichtsquellen. Zu diesem schriftlichen Werk gehören: Die Exerzitien; zwei Direktorien zum Exerzitienbuch; das Protokoll über die Verhandlungen, die im Frühjahr 1539
Im Westen nichts Neue. Von Erich Maria Remarque. Ullstein-Verlag, Berlin. 203 Seiten. Preis 1.90 DM.Auch diese Neuauflage zeigt, daß das ehrliche, aufwühlende Buch dal echteste war und ist, das über den Ausnahmezustand im Menschlichen, den Vater aller bösen Dinge — den Krieg, geschrieben wurde. Eine Neuauflage in dieser Zeit mahnt, denn der nächste Krieg wird keine Generation kennen, die den Granaten entkommt.Jo und der Herr zu Pferde. Von Alexander Lerne t - H o ] e n i a. Ullstein-Verlag, Berlin. 192 Seiten. Preis 1.90 DM. — Die Standarte. Von AlexanderLernet-Holenia.
Einakter und Dreiminutenspiele. Von Thornton Wilder. Uebersetzung von Herbert E. Her- litschka. S.-Fischer-Verlag, Frankfurt am Main. 177 Seiten. Preis 10.50 DM
Mit Bedauern muß der österreichische Leser nach der (wahrscheinlich in einem Zug durchgeführten) Lektüre des Buches von Otto Forst deBattaglia „Zwischeneuropa von der Adria bis zur Ostsee" (Verlag der Frankfurter Hefte, 438 Seiten) dieses Werk aus der Hand legen. Mit Bedauern, weil dieses Buch nicht in einem österreichischen Verlag erschienen ist. Zwar ist sein wesentlicher Inhalt die Geschichte der Jahre 1939 bis 1952 in den Ländern Polen, Tschechoslowakei und Ungarn, scheint also mit der eigentlichen Österreichischen Geschichte nichts mehr zu tun zu baben. In Wirklichkeit hat dies
Die kleinen Geschenkbücher des Albert Längen-Georg Müller-Verlages, München, unterscheiden sich von Serien ähnlicher Art durch die bibliophile Ausstattung und die ein wenig eklektische Auswahl, die vom zu Unrecht vergessenen Klassischen bis zum Ausgefallenen reicht. Prosa überwiegt durchaus den Vers. Aber die beiden vorliegenden Gedichtbändchen wiegen, jedes auf seine Art, manches auf. Albrecht Goes legt eine Auswahl aus dem Lebenswerk seines Landsmannes, des schwäbischen Bauerndichters Christian Wagner, vor. Ueber diesen hatte vor 40 Jahren Hermann Hesse, anläßlich von Christian
Die weltliche Schatzkammer in Wien zeigt seit kurzem wieder die österreichische Kaiserkrone. In einem Rahmen, der alle ihre Beziehungen, ja ihren Symbolgehalt zutage treten läßt: an der Rückwand des Raumes befinden sich die Vitrinen mit den barocken Nachahmungen der römischen Kaisergewänder. Ihnen zu Seiten die Gewänder der Herolde des römischen Kaisers und deutschen Königs, aus schwarzer Seide mit Goldstickerei den Doppeladler zeigend. Ihnen angefügt die Wappenröcke der Herolde von Oesterreich, Böhmen und Ungarn. Auf der einen Seite des Raumes die Büste Rudolphs II., der die
Unter den 12.000 Neuerscheinungen des diesjährigen deutschen Buchmarktes ragt eine hervor, die verdient, weiteste Verbreitung zu finden: es ist das Buch des österreichischen Historikers Conte Corti über die deutsche Kaiserin Friedrich („Wenn ..Sendung und Schicksal einer Kaiserin. Verlag Styria, Graz-Wien-Köln. 659 Seiten. 61 Abbildungen. Preis S 125.—).Kaiserin Friedrich, geboren 1840 als Tochter der berühmten Queen und des Prinzen Albert von Sachsen-Coburg-Gotha, abstammungsmäßig somit eine Deutsche, durch ihre Stellung als „Princess Royal" und ihre Erziehung eine vollkommene
Heimatbuch der Pfarre Kautzen. Verfaßt von Dr. Heinrich Rauscher. Herausgeber und Verleger: Pfarrgemeinde Kautzen. 219 Seiten, 3 5 Bildaufnahmen, 2 KartenDer mit dem Stoff seit dreißig fahren vertraute Verfasser, ein Sohn der Pfarre, ein Fachmann auf dem Gebiete der Volks- und Heimatkunde, entwirft im geschichtlichen Aufriß nach archivalischen Quellen — Urkunden, Chroniken usw. — und vorhandener Literatur ein ansprechendes Geschichtsbild der Pfarre Kautzen bei Waidhofen a. d. Thaya (Diözese St. Pölten). Alles Wissenswerte, das man von einem Heimatbuch verlangt, ist mustergültig in
Jeder Mensch hat seinen Tod, seine Art zu sterben, in der, gleichsam wie in einem Brennspiegel, noch einmal das Leben des Dahingegangenen aufleuchtet. Auch Pater Georg Josef Strangfeld, der am 25. März plötzlich verschied, hatte seinen Tod: er starb noch jung an Jahren, kaum 42 Jahre alt. Im Rückerinnern an ihn wird plötzlich jeder der Tatsache gewahr werden, daß Pater Strangfeld als alten Menschen sich vorzustellen unmöglich war. So sehr war der Begriff Jugend mit seinem Wesen verbunden.Und Pater Strangfeld starb sehr rasch, ein Unfall setzte seinem Leben ein Ende.Auch dies entsprach
Dehio-Handbuch — Niederösterreich. Neubearbeitet von Richard Kurt D o n i n. Dritte, neubearbeitete Auflage. Verlag Anton Schroll & Co., Wien. 416 Seiten.Erweitert, auf den gegenwärtigen Stand gebracht, mit mehr Skizzen versehen — diese österreichischen „Dehios“ und ihre .Neuausgabe zu loben, hieße Eulen nach Athen tragen; denn wahrhaftig, dem Ideal eines kunsthistorischen Taschenbuches kommen sie so nah, wie es überhaupt nur immer möglich ist. Gleichwohl, ein Vorschlag für kommende Auflagen: ließe sich's nicht denken, daß man zu den Kunstdenkmälern gelegentlich (und das
Es ist im allgemeinen nicht üblich, über die «weite Auflage eines Werkes, die rasch der ersten folgt und sich von dieser nicht wesentlich unterscheidet, eine nochmalige Kritik zu veröffentlichen. Wenn von diesem Grundsatz bei dem Werk des Wiener Professors für neuere Geschichte Hugo H a n t s c h, „Geschichte Oesterreichs, II. Band, 1648 bis 1918" (Verlag Styria, Graz-Wien-Köln, 641 Seiten, Preis 145 S), abgegangen wird, so vor allem, um auf die Bedeutung dieses Werkes noch einmal hinzuweisen und um die rasche Neuauflage als ein. günstiges Symptom für das heutige Oesterreich Wi
Es ist eine Tragik, daß die Besprechung der zweiten Auflage des Werkes „Volksliturgie" von Pius P a r s c h, die vor einiger Zeit erschien (Volksliturgisches Apostolat, Klosterneuburg- Wien, 711 Seiten, Preis 60 S), dieses Buch als das Testament des Verfassers bezeichnen muß. Pius Parsch weilt nicht mehr unter den Lebenden. In den frühen Morgenstunden des 11. März wurde er in die Ewigkeit abberufen. Mit ihm ging ein •österreichischer Priester, der Weltruf besaß, von dieser Welt.Pius Parsch war ein Deutscher aus Böhmen. In seltener Ausgeprägtheit vereinigte er die großen Begabungen
Haller Buch. Schlernschriften, Band 106, herausgegeben von R. Klebeisberg. Universitätsverlag Wagner, Innsbruck. 548 Seiten, 48 Tafeln auf Kunstdruckpapier, je eine Doppeltafel und Farbtafel Stadtwappen von Hall, Abbildungen und Pläne im Text. 1953. Preis 180 S.
Verehrter Herr Gutenberg! Wissen Sie schon… ? Nein? Sie haben wirklich keine Ahnung? Setzen Sie sich, bitte, und sind Sie vor allem nicht erschrocken, was Sie jetzt lesen werden. Es läßt sich gewiß, wie so oft im Leben, noch ein Ausweg finden. Aber es ist gut, daß Sie die Wahrheit erfahren. Die Wahrheit ist, daß Ihre Erfindung gefährdet ist. Ihre große Erfindung, die Buchdruckerkunst. Die Leute wollen nämlich keine Bücher mehr kaufen.Das hat verschiedene Gründe. Da sind einmal die kleinen Wohnungen, in denen jetzt die Menschen hausen müssen. Wo soll in diesen winzigen Kammern noch
Die wenigen kommunistischen Stimmen außerhalb des Eisernen Vorhanges, die als einzige nicht müde wurden, die Person des Prager Erzbischofs anzugreifen, erhielten plötzlich von ganz anderer Seite eine unerwartete Hilfe. Eine Schützenhilfe, die — was die kommunistischen Stimmen bisher nicht vermochten — geeignet erscheint, das bisher hohe Ansehen, welches der Kirchenfürst wegen seiner unerschrockenen Haltung in der freien Welt genoß, zu erschüttern.Vor einigen Wochen gab die amerikanische Agentur „Associated Press" die Nachricht weiter, daß„Erzbischof Beran, welcher in der Zeit
Die Menschen unserer Generation sind gegenüber Redekunst skeptisch geworden. Zu oft sind sie in den vergangenen Jahren von Tribunen in Hoffnungen versetzt worden, die sich schließlich als blutig zu bezahlende Illusionen erwiesen. Und die Menschen unserer Generation sind auch skeptisch geworden gegenüber dem Schlagwort „Kreuzzug“. Denn zu oft wurden sie aufgerufen zu „Kreuzzügen“, die keine waren. Und die Menschen sind skeptisch geworden gegenüber den Worten von Liebe. Denn zu oft haben jene, die von Humanität redeten, Taten gesetzt, die Haß und Neid und Zwietracht gebaren. Die
Die vorliegende Darstellung des Lebensweges und Deutung des Werkes von Hans Pfitzner . erschien zum 80. Geburtstag des Komponisten und ist wohl die allerletzte Gesamtdarstellung zu dessen Lebzeiten. Ihre besondere Note empfängt die Studie von Rutz durch die Schilderung mehrerer persönlicher Begegnungen, ihren Wert vor allem durch die Aktualität, insbesondere durch die Analyse der Werke auch des letzten Lebensjahrzehnts. Der Hauptteil der Arbeit steckt in den letzten zwölf Seiten des Büchleins, die ein Gesamtverzeichnis der Werke Pfitzners enthalten: nach Gattungen geordnet, mit Angabe der
Die Errichtung eines westdeutschen Staates brachte die Ersetzung der bisherigen alliierten Miilitärgouverneure durch Hohe Kommissäre mit sich. Während die USA an Stelle General Clays den Bankier Cloy setzten; die Briten den Plan faßten, den ehemaligen Vizekönig von Indien, Mountbatten, zum „Vizekönig“ von Deutschland zu machen, beriefen die Franzosen ihren besten Deutschlandkenner auf den Posten des „High commissers“. Mit Andre Fran- ęois-Poncet betritt einer der interessantesten Figuren Frankreichs erneut die politische Bühne Deutschlands. Erneut — denn es scheint das
Vor zehn Jahren — am 14. September 1937 — schloß der Gründer und erste Präsident der tschechoslowakischen Republik Thomas Garrigue Masaryk die Augen für immer. Die Aufbahrung am Hradschin, in der Burg der Könige, war eine wahrhaft königliche, und ebenso glich sein Leichenbegängnis der Triumphfahrt eines Herrschers durch seine Stadt. Hunderttausende säumten vom Hradschin bis zum Wilson-Bahnhof die Straßen, durch die die Lafette mit den sterblichen Überresten des Präsidenten fuhr. Vor dem Bahnhof trug man die Fahnen aller tschechoslowakischen Regimenter am Sarg vorbei; langsam
Dl Armut und die Gier.“ Eine zeitgenössische Studie von Leon Bloy. In Deutsche übertragen und mit einem Nachwort versehen von Clemens ten Holder. Ernst-Klett-Verlag, Stuttgart. 387 Seiten
Juli 1415 im kleinen italienischen Städtchen Capestrano: in der flimmernden Hitze des Tages sahen die Einwohner einen seltsamen Zug durch die engen Gassen auf den Marktplatz zu sich bewegen. Auf einem Grautier rücklings sitzend, auf dem Kopf eine Mütze aus Papier, auf der die verschiedensten Verbrechen aufgeschrieben waren, von Gassenjungen, die johlend den Zug begleiteten, mit Steinen beworfen — so zog der ehrenwerte Messer Giovanni seines Weges. Ein Scherz, ein Irrtum, eine Narretei? Ein Wachsoldat, bereit, eine Fleißaufgabe zu vollbringen, verhaftete den Mann und brachte ihn auf den
Gertrud von Le Fort — Werk und Bedeutung. „Der Kranz der Engel“ im Widerstreit der Meinungen. Franz-Ehrenwirth-Verlag, München. 94 Seiten..In diesem Werk bezeugt sich ein Impuls aus dem Urquell des christlichen Glaubens her, und das ist es, was diese Dichtung für die ganze Christenheit gleich wichtig macht.“ So urteilte Bernt von Heiseler über Gertrud von Le Forts zweiten Veronika-Band „Der Kranz der Engel“ In der Folgezeit entzündete sich an dem bedeutenden Werk eine fruchtbare Diskussion, in die bekanntlich auch die „östeneidrisdie Furche“ mit Beiträgen von Heer, Dempf,
AM SPÄTEN NACHMITTAG des 20. Juli 1903 spielte der Draht in alle Welt die Nachricht, daß Leo XIII. gestorben sei. Im 94. Lebensjahr, nach 26jähriger Regierung. ,GIUSEPPE SARTO, Patriarch von Venedig, beauftragte gleich nach Erhalt der Todesnachricht seinen Sekretär, ihm eine Fahrkarte nach Rom zu besorgen. Denn er — Sarto — ist Kardinalpriester von San Bernardo alle terme die Diocleziani und zur Teilnahme am Konklave verpflichtet. Er beauftragt seinen Sekretär ausdrücklich, ihm eine Rückfahrkarte zu besorgen, denn dadurch ermäßige sich der Preis um einige Lire.Diese Rückfahrkarte
Entwurf für ein Österreichisches Ehegesetz.Verfaßt von Dr. Rudolf Köstler, Universitätsprofessor a. D. Korallen-Verlag, Wien. 26 Seiten.Univ.-Prof. Dr. Köstler, einer der prominentesten Lehrer auf dem Gebiete des Kirchenrechts, hat durch eine — äußerlich — kleine, aber inhaltlich sehr bedeutende Schrift in die 6eit langem wogende Diskussion über das österreichische Eherecht eingegriffen. In Oster-gilt, was ja allgemein bekannt ist, noch immer das durch die nationalsozialistischen Machthaber eingeführte Eherecht, daß 1945 nur zum geringsten Teil außer Kraft gesetzt wurde.Das
Es ist ein seltsames Faktum: die österreichische Barockzeit — jener Zeitraum zwischen 1620 und 1740 — ist bisher in zahllosen Arbeiten behandelt worden. Die Kultur, die Politik, die kirchlichen Verhältnisse dieser Zeit werden immer wieder neu dargestellt. Immer wieder wurde und wird auf die ungeheure Bedeutung dieser Epoche für Österreich hingewiesen. Nur über die Geschichtsschreibung dieser Zeit existierte bisher noch keine wissenschaftliche Abhandlung. Eine Tatsache, die um 60 bedauerlicher ist, da dodi Geschichtsschreibung — nach Huizinga — immer eine Rechenschaft über eine
Nach Liberalismus, Marxismus, Nationalsozialismus, die der österreichische Katholizismus überwinden mußte, sieht er ich einer neuen Gefahr gegenüber: einem würgenden Priestermangel, sowohl beim Welt- wie Ördensklerus.Statistiker haben errechnet, daß im Jahre 1954 in der Erzdiözese Wien allein 1500 Geistliche zuwenig sein werden. Die Zahl der unbesetzten Hilfspriesterstellen ist von 1937 auf heute von 371 auf 785 gestiegen. Oft können die Bischöfe die Bitten von Gemeinden um Priester nicht mehr erfüllen. Manche Klöster haben durch ein Jahrzehnt keinen einzigen Novizen gehabt. Andere
Böhmische Tragödie. Das Schicksal Mitteleuropas im Lichte der tschechischen Frage. Von Hermann Münch. Verlag Georg Westermann, Braunschweig. 802 SeitenDas Buch von Münch, das die Geschichte der böhmischen Länder zwischen 1848 und 1914 behandelt, führt mit Recht den Titel .Tragödie“. Denn ein ungeheures Trauerspiel spiegelt jede Seite dieses Buches wider: sie besteht in dem Sichnichtverstehen zweier Völker, die sich doch so nahe waren durch gemeinsame Geschichte, gemeinsame Kultur, gemeinsamen Lebensstil, gemeinsames Vaterland. Die Schuld lag sicher auf beiden Seiten, doch war 6ie