Feuilleton

Wartesaal Kultur?

1945 1960 1980 2000 2020

Walter Dobner über Kulturpolitik in Zeiten von Corona.

1945 1960 1980 2000 2020

Walter Dobner über Kulturpolitik in Zeiten von Corona.

Politiker können nicht alles wissen. Vor allem, wenn sie erst kurz im Amt sind. Aber nichts spricht dagegen, sich durch Fachleute beraten zu lassen. Dass dies im erforderlichen Maß geschehen ist, muss man nach der Pressekonferenz des Vizekanzlers und der Kulturstaatssekretärin vom vergangenen Freitag ernsthaft infrage stellen.

Denn dass sie über den Kulturbetrieb ausreichend informiert sind, ließen sie bei diesem Auftritt zur Frage, welche Maßnahmen man zu setzen gedenkt, um aus der gegenwärtigen Situation den Kulturbetrieb wieder oder zumindest einigermaßen hochzufahren, wenig erkennen.

Alleine die Überlegung, die Kultur in zwei Klassen zu teilen, indem man Profis ermöglicht, wieder – wenn auch unter Einschränkungen – ihrer Tätigkeit nachzugehen, während man „Amateure“ (sic!) ersucht, mit ihren Aktivitäten noch zuzuwarten, weil man dafür noch keine Lösung habe, spottet jeder Kritik.

Wie wenn Kultur nicht im Miteinander, sondern im Auseinander bestünde. Worin sollte aus Corona-Perspektive etwa der Unterschied zwischen einem Profi- und einem Laienchor bestehen? Traut man Laien, die man sonst gerne als wesentliche Vertreter der heimischen Kultur apostrophiert, mit denen sich Politiker mit Vorliebe auf Fotos schmücken, nicht dieselbe Einsicht zu wie einem professionellen Ensemble? Steht hinter solchen Überlegungen gar die unterschwellige Meinung, dass es den einen um Kunst, den anderen bloß um ein gesellschaftliches Miteinander geht? Wer so denkt, diffamiert doppelt: die Kultur und alle Kulturaktivisten.

Kaum realisierbare Vorgaben

Aber auch die Möglichkeiten, die man Profis offeriert, sind mehr als hinterfragbar. Orchester und Ensembles dürfen nur dann probieren und auftreten, wenn zwischen den einzelnen Ausführenden ein Mindestabstand von zwei Metern besteht. Wie lässt sich das in der Praxis, so man diese kennt, überhaupt realisieren?

Großveranstaltungen sind einmal bis Ende August, so wie in Deutschland, abgesagt. Aber für nationale Prestigeveranstaltungen, wie die Salzburger und Bregenzer Festspiele, will man Mitte Mai entscheiden, ob es nicht doch eine Möglichkeit gäbe, sie stattfinden zu lassen.

Dann bliebe noch genug Zeit, ließ der Vizekanzler verlauten. Hat man ausgeblendet, dass hier längst Proben stattfinden müssten, man sich zu überlegen gehabt hätte, wie man Künstlern, die wegen der Einreisebeschränkungen zurzeit nicht nach Österreich kommen können, die Einreise erlaubt, dass Kriterien festzulegen sind, wie viele Personen in einem Saal Platz finden dürfen und wer von denen, die bereits eine fixe Zusage haben, dann tatsächlich eine Aufführung sehen darf?

Bleibt, dass die ebenfalls von den Zeitumständen schwer getroffenen Museen – bei denen viele Mitarbeiter längst in Kurzarbeit geschickt wurden – demnächst öffnen können, wie die Zusicherung von Zahlungen für jene Kulturschaffenden und Kulturinstitutionen, die nahe daran sind, für immer unter die Räder zu kommen.

Wenn schon die Kultur als letztes Thema nach Wirtschaft und Sport behandelt wird, dann hätte man sich wenigstens ein detailliertes Konzept für die Zeit nach Corona erwartet. Aber nicht einen so halbherzigen, in vielen Details kaum realisierbaren Fleckerlteppich, sondern ein kompetentes Bekenntnis zum Kulturstaat Österreich und nicht ein weiteres Hinhalten. Auch Kultur ist kein Wartesaal.

Politiker können nicht alles wissen. Vor allem, wenn sie erst kurz im Amt sind. Aber nichts spricht dagegen, sich durch Fachleute beraten zu lassen. Dass dies im erforderlichen Maß geschehen ist, muss man nach der Pressekonferenz des Vizekanzlers und der Kulturstaatssekretärin vom vergangenen Freitag ernsthaft infrage stellen.

Denn dass sie über den Kulturbetrieb ausreichend informiert sind, ließen sie bei diesem Auftritt zur Frage, welche Maßnahmen man zu setzen gedenkt, um aus der gegenwärtigen Situation den Kulturbetrieb wieder oder zumindest einigermaßen hochzufahren, wenig erkennen.

Alleine die Überlegung, die Kultur in zwei Klassen zu teilen, indem man Profis ermöglicht, wieder – wenn auch unter Einschränkungen – ihrer Tätigkeit nachzugehen, während man „Amateure“ (sic!) ersucht, mit ihren Aktivitäten noch zuzuwarten, weil man dafür noch keine Lösung habe, spottet jeder Kritik.

Wie wenn Kultur nicht im Miteinander, sondern im Auseinander bestünde. Worin sollte aus Corona-Perspektive etwa der Unterschied zwischen einem Profi- und einem Laienchor bestehen? Traut man Laien, die man sonst gerne als wesentliche Vertreter der heimischen Kultur apostrophiert, mit denen sich Politiker mit Vorliebe auf Fotos schmücken, nicht dieselbe Einsicht zu wie einem professionellen Ensemble? Steht hinter solchen Überlegungen gar die unterschwellige Meinung, dass es den einen um Kunst, den anderen bloß um ein gesellschaftliches Miteinander geht? Wer so denkt, diffamiert doppelt: die Kultur und alle Kulturaktivisten.

Kaum realisierbare Vorgaben

Aber auch die Möglichkeiten, die man Profis offeriert, sind mehr als hinterfragbar. Orchester und Ensembles dürfen nur dann probieren und auftreten, wenn zwischen den einzelnen Ausführenden ein Mindestabstand von zwei Metern besteht. Wie lässt sich das in der Praxis, so man diese kennt, überhaupt realisieren?

Großveranstaltungen sind einmal bis Ende August, so wie in Deutschland, abgesagt. Aber für nationale Prestigeveranstaltungen, wie die Salzburger und Bregenzer Festspiele, will man Mitte Mai entscheiden, ob es nicht doch eine Möglichkeit gäbe, sie stattfinden zu lassen.

Dann bliebe noch genug Zeit, ließ der Vizekanzler verlauten. Hat man ausgeblendet, dass hier längst Proben stattfinden müssten, man sich zu überlegen gehabt hätte, wie man Künstlern, die wegen der Einreisebeschränkungen zurzeit nicht nach Österreich kommen können, die Einreise erlaubt, dass Kriterien festzulegen sind, wie viele Personen in einem Saal Platz finden dürfen und wer von denen, die bereits eine fixe Zusage haben, dann tatsächlich eine Aufführung sehen darf?

Bleibt, dass die ebenfalls von den Zeitumständen schwer getroffenen Museen – bei denen viele Mitarbeiter längst in Kurzarbeit geschickt wurden – demnächst öffnen können, wie die Zusicherung von Zahlungen für jene Kulturschaffenden und Kulturinstitutionen, die nahe daran sind, für immer unter die Räder zu kommen.

Wenn schon die Kultur als letztes Thema nach Wirtschaft und Sport behandelt wird, dann hätte man sich wenigstens ein detailliertes Konzept für die Zeit nach Corona erwartet. Aber nicht einen so halbherzigen, in vielen Details kaum realisierbaren Fleckerlteppich, sondern ein kompetentes Bekenntnis zum Kulturstaat Österreich und nicht ein weiteres Hinhalten. Auch Kultur ist kein Wartesaal.