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Die sozialdemokratische Partei hat sich selbst verraten!

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Eine Klarstellung der Motive seines Austritts aus der Sozialdemokratischen Partei legt Professor Simon vor.

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Eine Klarstellung der Motive seines Austritts aus der Sozialdemokratischen Partei legt Professor Simon vor.

Zu meinem Austritt (FURCHE 5/1994) aus Ider Sozialdemokratischen Partei, der ich mit meiner Familie vor und mehr noch nach dem 12. Februar 1934 auf das engste verbunden war, und zu der ich mich auch jetzt bekenne: Motiviert hat mich nicht meine Kritik an manchen Aspekten de? Austromarxismus, sondern die

„linke" Unterwanderung, durch die sich die Partei selbst verraten hat. Im Frühjahr 1983 beklagte ich beim Zentralsekretär der SPÖ, daß die Studenterischaft der Partei, der VSStÖ, entgegen der Beschlüsse von Eisenstadt mit kremlhörigen Kommunisten zusammenarbeite. Ich erhielt eine nichtssagende Erwiderung.

Am 12. Februar 1984 fand im Haus der Begegnung der SPÖ-Döbhng eine Kundgebung der KPÖ in Erinnerung an den 12. Februar 1934 statt. Das war unter anderem ein Verrat an dem Andenken der Schutzbündler, die in der Sowjetunion von Stalins Schergen ermordet worden sind. Mein begründeter Einspruch wurde aber zurückgewiesen.

1984 erschien mein Buch „Österreich 1918-1938: Ideologien und Politik". Hier anerkenne ich die konstruktiven Beiträge demokratisch gesinnter Politiker aller drei Lager, dank derer die parlamentarische Demokratie fünfzehn Jahre lang trotz großer Schwierigkeiten funktioniert hat, wobei die Grundlage für die erfolgreiche Demokratie der Zweiten Republik gelegt worden ist. Kritik galt antidemokratischen Extremisten an den Rändern aller drei Lager, die zusammen mit Einfluß von jenseits der Grenzen die Demokratie zu Fall gebracht haben. Meine besondere Anerkennung gilt der Sozialdemokratischen Partei für ihre Aufbauarbeit im „Roten Wien" und für die Blockierung von kommunistischen Aufstandsversuchen im Jahr 1919, welche damals in Ungarn und in Bayern viel Unheil angerichtet hatten.

Das Buch fand in allen drei Dolitischen Lagern weitge-lende Zustimmung. Scharf abgelehnt wurde es ausschließlich von „linken" Extremisten („rechte" Extremisten ignorierten es).

LINKE UNTERWANDERUNG

In der AZ vom 20. August 1984 wurde sowohl das Buch wie auch meine Person in stalinistischer Tradition verleumdet. Ich verlangte ein Parteigericht. Entweder sollte ich (als reaktionärer- Geschichtsfälscher) oder die AZ gerügt werden. Stattdessen wurde mir zugemutet, meinen Standpunkt in einem Leserbrief an die AZ zu vertreten. Ich wußte aus Erfahrung, mit welchen Verzerrungen die Redaktion der AZ einen solchen Leserbrief bringen vsoirde. Deswegen bin ich aus meiner alten Partei ausgetreten. Diese Entscheidung ist mir nicht leicht gefallen. Sie ist jedoch seither von einer immer weiter fortschreitenden „linken" Unterwanderung in den Medien gerechtfertigt worden. Besonders erscheint dieser „linke" antidemokratische Einfluß in dem Buch „Die Bewegung - 100 Jahre Sozialdemokratie".

Da wird die Aufbauarbeit des „Roten Wiens" der Zwischenkriegszeit, die heute weltweit anerkannt wird, bloß am Rande erwähnt. Der Marshallplan wird als Instrument des amerikanischen Im-)erialismus verteufelt und die ireignisse vom September/ Oktober 1950 werden nur in kommunistischer Sicht präsentiert. Der sozialdemokratische Widerstand gegen den Kommunismus 1919 und in den Jahren 1945 bis 1955 wird überhaupt nicht erwähnt, obwohl alle Österreicher der Sozialdemokratie dafür dankbar sein sollten.

Mit diesem Buch verrät meine frühere Partei ihre stolze Tradition und sich selbst.

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